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Ausgabe Januar 2019
Die Sache mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr ... von Ivonne Irle


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Das neue Jahr startet gerade und viele von uns beginnen es mit guten Vorsätzen. Wir nehmen uns vor, dieses zu tun oder jenes zu lassen und gehen meist mit viel Zuversicht an die Sache heran. Doch nach ein paar Wochen oder, noch frustrierender, ein paar Tagen stellen wir enttäuscht fest, dass sich die guten Vorsätze verflüchtigen und wir es nicht schaffen sie einzuhalten. Woran liegt das eigentlich?

Sicher, manch gutes Vorhaben war gar nicht ernst gemeint und wurde nur halbherzig angegangen. Doch was ist mit den Vorhaben, die wir wirklich angehen wollten, die von ganzem Herzen gewollt waren? Hier machen uns oft unsere Erfahrungen und Verhaltensmuster, die wir im Laufe des Lebens erworben haben, einen Strich durch die Rechnung. Nehmen wir als Beispiel eine Person, die sich vornimmt, sich im neuen Jahr zu verlieben. Jetzt mag der ein oder andere einwenden, dass dieses Beispiel hinkt, weil es nicht in der Hand der Person liegt, ob es tatsächlich geschieht. Das stimmt aber nur zum Teil. Natürlich muss uns der passende Mensch begegnen. Allerdings stellt sich gleichzeitig die Frage, wie offen wir dafür sind, dass wir den passenden Menschen auch erkennen, wenn er uns begegnet. An dieser Stelle kommen die bereits erwähnten Verhaltensmuster ins Spiel. So kann hinter dem Wunsch, endlich die passende Partnerin oder den passenden Partner zu treffen, unser Muster der Hilfslosigkeit und das unbewusste Anliegen stehen, dass uns jemand befreien möge: befreien aus unserer Einsamkeit, unserem Schmerz und unserer negativen Sicht auf uns selbst. Manchmal finden wir auch jemanden, mit dem das gelingt. Nur ist es meist nicht von Dauer, denn am Ende kommen wir auch in einer Beziehung wieder auf uns und unsere eigenen Themen zurück. Hinzu kommt die Frage, wie glücklich eine Beziehung sein kann, in der wir die Verantwortung für unser Glück an unser Gegenüber abgeben und ob das überhaupt fair ist. Wie befreien wir uns also von diesem oder anderen Mustern?

Nach dem Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ ist es erst einmal wichtig, dass uns das zugrunde liegende Muster bewusst wird. Das mag sich einfach anhören, ist aber schwierig, weil es zum einen eine schmerzhafte Erkenntnis sein kann und zum anderen, weil über dem Muster eine für uns so selbstverständliche Handlungs- oder Denkweise liegt, dass wir alleine oft nicht darauf kommen. Wenn wir uns in unserem Leben immer wieder mit demselben Problem konfrontiert sehen, kann es daher hilfreich sein, dass wir uns Zeit nehmen, um einen Moment innezuhalten. Wir können uns zum Beispiel folgende Fragen stellen: „Was sind meine Erwartungen an diese Situation?“ oder „Was ist mein Bedürfnis, das hinter meinem Handeln steckt?“. Die Antwort darauf lässt sich nicht mit unserem Verstand finden, denn unser Kopf gibt uns jederzeit eine Vielzahl von fragwürdigen Möglichkeiten und Lösungen vor. Meist fällt es uns jedoch schwer, eine Entscheidung für eine dieser Möglichkeiten zu treffen. Suchen wir stattdessen die Antwort auf unsere Fragen in unserem Körper, unserem Herzen, erhalten wir eine Antwort, die deutlich verlässlicher ist. Wenn wir uns die oben genannten Fragen zu unseren Erwartungen und Bedürfnissen stellen und dann in die Stille gehen, indem wir uns auf unseren Atem konzentrieren und die Gedanken vorbeiziehen lassen, erlauben wir unserem Körper, uns die Antworten zu schicken. Das geschieht häufig in Form von Gefühlen oder Bildern, die auftauchen. An dieser Stelle bemerken wir zuweilen, dass die Dinge, die auftauchen, mehr mit unserer Vergangenheit als mit der aktuellen Situation zu tun haben. Auf oben genanntes Beispiel bezogen mag es sein, dass wir erkennen, dass wir nicht gelernt haben, durch aktives Handeln etwas verändern zu können und uns selbst gegenüber nicht positiv eingestellt sind, geschweige denn uns selbst lieben. Wir sind nicht in einer Welt groß geworden, die uns sagt, dass wir gut sind, so wie wir sind. Vielmehr lesen und sehen wir überall um uns herum, wie wir sein sollten und schließen daraus, dass wir noch nicht in Ordnung sind. Genauso wenig wurde den meisten von uns beigebracht, wie wir unser eigenes Glück und unsere eigene Zufriedenheit gestalten können. Zwar werden wir mit Sätzen wie „Jeder ist sein eigenes Glückes Schmied“ groß, doch sagen uns nur sehr wenige, wie wir dieses Glück erreichen können.

Wenn wir aber den Blick auf unsere eigenen Bedürfnisse richten und auf unser Herz, unsere innere Stimme hören, fangen wir an, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und aktiv zu werden. Oftmals tauchen bei diesen Prozessen Gefühle der Selbstablehnung bis hin zum Selbsthass auf. Hierbei ist es hilfreich, einen Schritt zurückzugehen und zu versuchen, das anzunehmen, was im Inneren auftaucht. Gegebenenfalls ist das auch die Selbstablehnung. Es ist besser, diese anzunehmen, als uns auch noch dafür zu verurteilen, dass wir uns selbst nicht mögen. Das Annehmen ist der erste Schritt, denn dadurch beenden wir den Kampf gegen das, was ist, und gegen uns selbst. Mehr und mehr lernen wir auf diese Weise, uns selbst anzunehmen und zu mögen – so wie wir sind. Wem dies besonders schwer fällt, dem mag folgende Idee eine Unterstützung sein: Stellen Sie sich vor, dass Sie alles, was Sie an Gemeinheiten und Negativem zu sich selbst sagen, zu einer Freundin oder einem Freund sagen. Hilft das nicht weiter, stellen Sie sich vor, Sie sagen es zu einem kleinen Kind. Durch diese Übung kann uns sehr deutlich werden, wie gemein wir oft zu uns selbst sind.
Das Innehalten und Kennenlernen der eigenen Muster und auch der Bedürfnisse sind die Ansatzpunkte zur weiteren Entwicklung, denn oft wird uns dadurch bewusst, dass unsere erlernten Muster nicht mehr hilfreich sind. Besteht der Wunsch, sie aufzulösen oder gegen solche zu tauschen, die passender sind, kann es sinnvoll sein, sich dabei Unterstützung zu holen. Der Weg lohnt sich, denn wenn wir lernen, uns anzunehmen und uns zu mögen (im Idealfall zu lieben), dann strahlen wir das auch aus. Das wiederum zieht andere Menschen an und so ziehen wir die Liebe in unser Leben, die wir sonst im Außen suchen. Ist unser Plan für 2019 also, dass wir uns verlieben möchten, ist es ein guter Start, bei sich selbst anzufangen und sich erst einmal in sich selbst zu verlieben.


Yvonne Irle, Gestalt- und Traumatherapeutin, Reiki-Meisterin. Die Ziele ihrer Arbeit sind: Freude, Liebe und der Glaube an das, was du wirklich bist. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind: Verletzungen der Weiblichkeit, Wut, Schuld. Webseite: www.raum-zum-sein-berlin.de


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