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Beitragsreihe 2018 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Stramonium – der Stechapfel

Dem Wahnsinn auf der Spur

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H. Schäfer: Warum soll es heute um ein Mittel gehen, was den Wahnsinn thematisiert?
Andreas Krüger: Es ist ein Mittel, das in der letzten Zeit sehr dominierend ist und dessen Dominanz mit der Weltlage zu tun hat. Ich glaube, dass sich unsere Welt immer mehr in einen Stramonium-Zustand hinein bewegt. Mein Lehrer Rabbi Zalman Schachter sagte einmal, dass die Rettung der Welt nur noch eine alchemistische ist und da die Homöopathie die Alchemie unserer aktuellen Zeit ist, glaube ich, dass es wichtig ist, dass alle, die mit Homöopathie arbeiten, Stramonium kennen sollten. Es ist eines der wichtigsten Mittel für Krankheiten, die aus der Weltlage heraus entstehen. Ich habe seit zwei Jahren einen Schüler an der Samuel-Hahnemann-Schule, der Exil-Perser ist und hier in Deutschland lebt. Er hat viele Kontakte mit Menschen in Persien und im Iran, die entweder dort verfolgt worden sind oder dort in den furchtbaren Kriegen gekämpft haben. Er hat aber auch mit Menschen zu tun, die auf der kurdischen Seite gegen den IS gekämpft haben.
Aus diesem Kontakt mit dem Schüler und auch aus meiner Solidarität mit dem kurdischen Volk ist die Idee entstanden, Menschen aus diesem Kontext homöopathisch und schamanisch zu helfen, die an den Folgen von Schändung, Krieg und Terror schweren Schaden genommen haben. So ist mit diesem Schüler eine Zusammenarbeit entstanden, dass wir Menschen aus dem Iran per Mail mit großen Erfolgen behandeln. Dieser Schüler hat auf den letzten Homöopathie-Tagen einen Vortrag gehalten, was wir schon für Wunder per Mail bewirkt haben. Ich behandle auch Menschen kostenlos hier, die als Folge von diesem Terror krank geworden sind.

Was hat Stramonium mit der politischen Situation und mit uns zu tun?
Stramonium ist das Mittel für Folgen von Wahnsinnigem – also das, was für den normalen Bundesbürger unvorstellbar ist. Stramonium-Krankheiten entstehen durch schwersten Missbrauch, durch Kriegsfolgen, durch Folge von Bombardierung, durch Folge von Folter, aber auch für Kinder, die als Steißlage bei der Geburt stecken bleiben – auch eine Situation, die als Wahnsinn erlebt wird. Stanislav Grof hat es mit seiner Hyperventilationstherapie erforscht und Wege heraus gezeigt. Homöopathisch gesehen sind Stramonium-Situationen Menschen, die 20 Mal nachts schweißgebadet aufwachen oder Psychopharmaka bekommen. Stramonium wird oft zusammen mit Opium gegeben, denn Opium ist ein Schockmittel. Zu diesem Wahnsinn kommt oft ein Schockzustand und wir können homöopathische Mittel nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip geben, wenn es zu Schockzuständen gekommen ist. Bei akutem Schock geben wir Aconit, bei chronischem Schock Opium und dann geben wir für die Qualität des Erlebten Stramonium.
Stramonium ist ein ganz wichtiges Mittel für Gruppenvergewaltigung, was den jesidischen Frauen passiert ist. Sie sind durch die Kurden befreit wurden und konnten nach Deutschland kommen. Wenn wir als Homöopathen mit Menschen zu tun haben, die in einem Bombenkeller eingeschlossen waren oder unter den Folgen eines Tsunamis leiden und sich in einem wahnsinnigen Zustand befinden, dann müssen wir an Stramonium denken.

Gibt es auch Situationen in einem doch friedlichen Berlin?
Ich hatte eine Patientin mit vehementen Schlafstörungen, die zufällig in eine Demonstration gekommen ist, wo sie mit einmal in eine Gruppe von Hooligans kam, die alle schrien und brüllten und sie fing an, wie verrückt zu zittern. Als sie mich anrief, habe ich ihr Aconit als Folge von Schock und Gelsenium wegen Zittern von Schock verordnet, was sie ruhiger machte. Als sie am nächsten Morgen in die Praxis kam, sagte sie, dass sie wahnsinnigen Dämonen begegnete. Ich bin der letzte, der behauptet, dass es Dämonen gibt oder nicht gibt. Ich weiß nur, dass bei der Testung der Patientensysteme oft rauskommt, dass ich zumindest so tun soll, als wenn es sie gibt und dann schamanisch mit denen umgehen soll. Stramonium ist auch ein Mittel, wenn der Patient das Gefühl hat, er ist Dämonischem begegnet oder er ist von Dämonen besetzt. Und auch immer, wenn sich Menschen mit hassverzerrten Gesichtern gegenüber stehen, ist der Wahnsinn und der Dämon mit im Spiel. Der Frau habe ich Stramonium gegeben und sie konnte endlich wieder schlafen.

Kommen wir zum Ende.
Ich habe vor 40 Jahren ein Buch von einem Schweizer Homöopathen Herrn Vögeli gelesen. Er hat von einem Fall geschrieben, als eine Mutter mit einem Kind mit chronischem Husten zu ihm kam. Er bat die Mutter, den Husten zu beschreiben und sie sagte: „Er ist wahnsinnig!“ „Wann ist denn der Husten so schlimm?“ „Er ist immer schlimm, weil er wahnsinnig ist.“ „Gibt es denn irgendetwas, was den Husten besser macht?“ „Nein, es gibt nix. Alles macht ihn immer wahnsinniger.“ Daraufhin hat Herr Vögeli geschrieben, dass wenn wir in einer Anamnese drei Mal das Wort Wahnsinn hören, Stramonium zu geben. Auch wenn jemand sagt, er sei wahnsinnig unglücklich oder es sei ein einziger Wahnsinn. Stramonium hat mit dem Thema des Wahnsinns zu tun. Gino hat mal gesagt, dass 40 % aller Patienten, die zu ihm kommen, erst auf der Ebene des Schocks behandelt werden müssen: Aconit, Opium, Stramonium, bevor man sie dann nach den Gesetzen der Ähnlichkeit behandeln kann. Wenn man jemanden in einem Stramonium-Zustand behandelt, sollte man immer testen, ob das System im Schock ist und ob noch Opium oder Aconit dazu muss. Soviel für heute und ich hoffe, dass wir die Welt ein wenig unwahnsinniger werden lassen.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst.Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag