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Ausgabe Oktober 2018
Beitragsreihe 2018 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Candida albicans - Der Edelpilz

Alles ist zuviel

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H. Schäfer:Um welches Mittel soll es heute gehen?

Andreas Krüger: Heute möchte ich über Candida albicans sprechen, ein Edelpilz. Es ist kein spektakuläres Mittel, aber es ist ein Mittel, das unsere augenblickliche Gesellschaft widerspiegelt. Eigentlich ist der Pilz ein ganz harmloser Mitbewohner in unserem System, der dafür zuständig ist, Überreste von anderen Organismen wie abgestorbene Bakterien zu beseitigen. Da sind wir auch gleich bei der ersten Indikation: Es gibt viele Menschen mit zusammengehackten Immunsystemen, deren Leitsymptome Erschöpfung, Müdigkeit oder „alles ist zu viel“ sind. Wenn alles zu viel ist, heißt das, dass ich mich nicht abgrenzen kann, bzw. meine Grenzen erreicht habe und völlig überfordert bin. Man sollte vor allem an Candida denken, wenn andere Mittel wie Nux vomica, Sepia oder Phosphor nicht wirken.

Warum bricht unser Immunsystem zusammen?
Bei JEDER Antibiotikagabe, die wir nehmen, geht ein Massenmord durch unseren Körper. Unendlich viele Bakterien sterben in unserem Darm ab, die alle Stoffwechselfunktionen haben und nach einer Antibiotikagabe sieht es in unserem Darm aus wie auf einem Schlachtfeld. Ohne diese Pilze, die dann diese Bakterien abbauen, würden wir im Grunde an den Toxinen der Bakterien vergiftet werden und verrotten. Der Pilz hilft uns also zu überleben, denn er baut die Bakterien ab, damit wir überleben können. Dazu muss er sich vermehren.

Und was passiert, wenn er sich vermehrt?
Dann fängt auch er an, uns Symptome zu machen. Die sind zwar nicht so bedrohlich, wie die Leichengifte der Bakterien, aber sie sind unangenehm, weil sie uns daran erinnern, dass mit unserem Immunsystem etwas nicht stimmt. Wir schmieren sofort auf diesen Pilz irgendwelche Pilzmittel. Canesten ist eines der am weitest verbreiteten Mittel, das in keiner Hausapotheke fehlt. Aber wenn wir den Pilz wegschmieren, kann der seine Aufgabe nicht verrichten und unsere Selbstvergiftung schreitet voran. Es ist ein ewiger Kreislauf, der zu dem zweiten Leitsymptom führt: Wir fühlen uns völlig kopflos und verzweifelt. Dieser immer wiederkehrende Kreislauf erinnert uns daran, dass wir in einer ungesunden parasitären Beziehung stecken. Das bedeutet, dass uns jemand wie ein Parasit bewohnt und sich von uns ernährt. Candida hilft, an die Wut zu kommen und Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Wir benutzen ganz oft Krankheiten, um in Beziehungen Grenzen zu ziehen. Zehntausende von Frauen nehmen ständig ein Antibiotikum, wenn sie einen sexuellen Kontakt haben, weil sie danach eine leichte Blasenentzündung bekommen. Das führt zu einem Massaker, aus dem uns die Pilze retten wollen, die dann aber wieder weggeschmiert werden.

Was sagt eigentlich der Pilz?
Pass auf deine Grenze auf! Pass auf, wenn etwas passiert, was du eigentlich nicht willst! Eigentlich ist der Pilz ein Lebensretter, denn wenn der Pilz diese Aufgabe nicht übernehmen würde, würden wir in letzter Konsequenz Krebs kriegen. Mein Miasma-Lehrer Peter Gienow hat gesagt, dass die Parasitose, also das Miasma, wo es viele Pilze gibt, der Versuch des Organismus ist, uns am Leben zu erhalten, damit wir nicht in die Karzinose kommen, das Krebsmiasma, wo es wirklich ans Sterben geht. Der Pilz ist unser wichtigster Helfer. Er hilft, unsere Grenzen aufrecht zu erhalten und unser Immunsystem zu kräftigen. Wenn wir keine ausgeglichenen Beziehungen haben, wo Nehmen und Geben identisch sind, dann kommt der Pilz und sagt: Stopp! Ich konnte schon vielen Menschen helfen, einen autonomen Weg zu gehen, weil die Furcht vor Armut sie davon abgehalten hat. Es gibt eine Untersuchung, die besagt, dass 80% der Paare in Charlottenburg über 30 aus Angst zusammen sind. Die Angst, dass Frauen in diesen unglücklichen, parasitären Beziehungen bleiben, ist die Angst vor Armut. Und hier ist Candida ein Mittel, um Grenzen zu setzen. In Träumen kommt die Wehrlosigkeit von Candida zum Ausdruck in Form von Bomben, Explosionen und Gewalt. Ein anderes Symptom ist das Zuckerverlangen, wenn ich in einer defizitären Beziehung bin. Candidas ist das wichtigste Mittel für Menschen mit Zuckerverlangen in unglücklichen Beziehungen.

Fassen Sie doch bitte noch einmal zusammen.
Der Pilz ist unser größtes Hilfsmittel, um an unsere Schatten, an unsere Unterdrückungen, an verborgenen Aggressionen heran zu kommen. Und es ist ein Mittel, um unser Immunsystem zu stärken. Wenn das Immunsystem stärker wird, stärkt sich automatisch die Grenze zu anderen. Begleitend gibt es eine Übung von Rosina Sonnenschmidt: Man stellt sich hin, hält die Hände mit den Handflächen nach vorne vor der Brust und dann geht man mit den Händen weiter nach vorne und spricht dabei drei Mal die Formel: „Bis hierher und nicht weiter“. Das gilt nicht nur für Liebesbeziehungen, es kommt auch in Eltern-Kind-Beziehungen vor. Viele Kinder, die zu lange zu Hause wohnen und vielleicht noch ein Drogenproblem haben, wirken genauso parasitär auf die Eltern. Candida kann auch ein Mittel für Eltern sein, die sich von ihren Kindern ausgenutzt fühlen. Eltern, die ihre süchtigen Kinder immer wieder unterstützen, gehen in die Co-Abhängigkeit. Auch hier ist Candida ein wichtiges Mittel.

Fazit:
Ich möchte ein Loblied auf den Pilz singen, weil er uns hilft, nicht an unseren Schatten zu krepieren. Diese Bakterienleichen sind ja letztendlich nur unsere Schatten, weil wir irgendwo nicht hingucken wollen und der Pilz hilft uns, am Leben zu bleiben und uns damit zu konfrontieren, wo wir nicht klar sind, um neue Grenzen zu schaffen. Die Pilze sind in unserer heutigen Zeit mit Antibiotika und parasitären Beziehungen immens wichtig. Man könnte noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Wir sind der Parasit dieses Planeten. Wir bringen diesen Planeten um. Wir leben in einem Pilzmiasma. Wenn diese Zivilisation zu Ende geht, wird ein Wesen alles überleben, denn es braucht kein Licht: der Pilz. Schönster Pilzfilm: Pandora – Avatar, da ist der ganze Planet ein vernetzter Pilz. Über dieses Thema Pilz und Vernetzung könnte man noch viel reden, aber nicht mehr an dieser Stelle.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent
an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie,
Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst.
Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de


Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


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