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Ausgabe September 2018
Meditieren - was ist das eigentlich? Auszüge aus dem Buch von... Suze Yalof Schwartz


In der Praxis der Meditation lernen Sie, sich von Ablenkungen zu lösen und den gegenwärtigen Augenblick zu erleben. Wie, das soll schon alles gewesen sein? JA. Ich möchte Ihnen erklären, warum das von so großer Bedeutung ist. Der National Science Foundation zufolge gehen uns pro Tag durchschnittlich fünfzigtausend Gedanken durch den Kopf. Sie stellen sich einfach ein, pausenlos, und ziehen unsere Aufmerksamkeit vom gegenwärtigen Moment ab. Nun ist dieser gegenwärtige Moment aber deshalb so wichtig, weil Ihr Leben sich darin abspielt. Nicht vor fünf Minuten, nicht in fünf Minuten, sondern unmittelbar jetzt, unmittelbar hier. Mehr haben wir nicht. Wir können uns über Geschehnisse von gestern Gedanken machen oder überlegen, was morgen zu tun sein wird ... mit diesem Moment aber hat beides nichts zu tun.

Entrümpelt - entmystifiziert praktikabel

Von den Vorteilen der Meditation haben Sie mit Sicherheit schon gehört. Alle Welt - angefangen bei Deepak Chopra über Harvard -Wissenschaftler bis hin zum Time-Magazin - scheint heutzutage ja von den zahlreichen radikalen Verbesserungen zu schwärmen, die sie in praktisch jedem Bereich des Lebens bewirken kann. Bescheid wissen Sie also. Und? Meditieren Sie jetzt? Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich vermute, dass nicht. Und zwar aus denselben Gründen, aus denen ich es auch nicht getan habe. Ich dachte immer, dass dabei zu viel Zeit draufginge, dass ich das Gehirn »abschalten« müsste, was ich nicht hinkriege … oder, schlimmer noch, dass ich absolut reglos dasitzen müsste, was nun gar nicht geht. War alles Blödsinn, wie sich herausgestellt hat. Und weil das Meditieren mit so viel Mysteriösem und Mystischem umgeben war, ging ich außerdem automatisch davon aus, es müsse kompliziert und schwer zu erlernen sein. Doch auch das stimmte nicht.

Eine Meditation braucht nicht lange zu dauern, um effektiv zu sein

„Ich würde ja gern meditieren, aber ich finde einfach keine Zeit dafür.“ Sie glauben gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Und wissen Sie was? Er stimmt sogar: »Finden« werden Sie die Zeit nicht, die müssen Sie sich schon reservieren. Anderenfalls wird das nie etwas. Aber seien wir doch mal ehrlich: Für das, was uns wichtig ist, können wir uns alle täglich ein paar Minuten Zeit nehmen. Wir müssen es nur wollen. Wie oft haben Sie schon alles stehen und liegen lassen, wenn der Kindergarten anrief, Sie für ein ausverkauftes Konzert plötzlich doch noch eine Karte ergattern konnten oder um einer Kollegin auszuhelfen? Für alles, was uns am Herzen liegt, nehmen wir uns die Zeit. Aber wie lange brauchen Sie denn nun wirklich? Manche Meditationsschulen halten vierzig Minuten täglich für ideal, zwanzig morgens und zwanzig am Abend. Andere sprechen von insgesamt einer halben Stunde. Wissenschaftlich erwiesen ist, laut der Harvard-Neurologin Sara Lazar, die bahnbrechende Forschungen über die Auswirkungen der Meditation auf das Gehirn durchgeführt hat, Folgendes: Bei absoluten Anfängern, die acht Wochen lang einmal täglich siebenundzwanzig Minuten meditieren, verändert sich die physische Struktur des Gehirns zum Besseren. Doch ich kann Ihnen sagen: Auch zehn Minuten machen schon etwas aus. Wissenschaftlich erwiesen ist das zwar nicht, aber ich kann es spüren - und nicht nur ich.

Der Alterungsprozess verlangsamt sich

Eines meiner Lieblingsphänomene! 2009 erhielt Elizabeth Blackburn zusammen mit Carol Greider und Jack Szostak für ihre Forschungsarbeiten zur Funktionsweise von Telomeren den Medizin-Nobelpreis. Telomere sind schützende Strukturen an den Enden unserer Chromosomen, die man sich ähnlich wie die Plastikkappen an Schnürsenkeln vorstellen kann. Bei der Zellteilung verkürzen sich diese Telomere und fransen aus - was gar nicht gut ist. Denn verkürzte Telomere werden mit Altern und Krebs in Verbindung gebracht. Doch wie Blackburn und Wissenschaftler der University of California in Los Angeles (VCLA) herausfanden, kann bereits eine achtwöchige Meditationspraxis von täglich zwölf Minuten Dauer genügen, um die Aktivität der Telomerase, das „Unsterblichkeitsenzym“, das die Telomere wieder repariert, um ganze 43 Prozent zu steigern. Mit anderen Worten: Meditieren kann die DNA wiederherrichten und den Alterungsprozess verlangsamen. Wenn das keine vielversprechenden Aussichten sind, weiß ich es auch nicht.

Buchauszüge zusammengestellt mit freundlicher Genehmigung des Lotos Verlags aus der Verlagsgruppe Randomhouse

Suze Yalof Schwartz ist Begründerin und Geschäftsführerin des renommierten Meditationsstudios UNPLUG in Los Angeles. Ihre Lebensaufgabe ist es, Meditation so einfach, kraftvoll und lebendig zu vermitteln, dass jeder auch ohne Vorkenntnisse die positiven Effekte sofort nutzen kann.

Buchtipp:
Suze Yalof Schwartz, Karin Weingart:
be mindful - Einfach mal abschalten. Wie Meditieren dein Leben entstresst.
Lotos, 2018, 240 Seiten, 17 Euro


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