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Ausgabe Juli 2018
Der Mensch und die Natur. ...von Jana Haas

Die Natur ist unser Vorbild

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Die Natur lehrt uns Geduld; sie lehrt uns, den Dingen Zeit zu lassen. Wir sollten den Kreislauf der Hektik und Routine unterbrechen und uns Zeit für uns nehmen, um uns in der Natur zu besinnen. Mögen wir dabei bewusst die Wunder und die Ruhe der Natur wahrnehmen und auf uns wirken lassen. Die Natur wirkt heilsam und ist ein großer Lebenslehrer. Sie lehrt uns Vertrauen, Geduld und Genügsamkeit, Zufriedenheit und Güte und vor allem die Gewissheit, dass alles zur rechten Zeit stattfinden wird.

Bäume sind unsere spirituellen Lehrer. Sie sind in der Erde verwurzelt und streben nach Licht und Leben. Sie sind faszinierende Wunderwerke der Natur. Sie trotzen Stürmen, Trockenheit und Kälte von Frühling bis Winter. Sie lassen Abertausende von Blättern sprießen, filtern Tonnen von Giftstoffen aus der Luft und produzieren riesige Mengen Sauerstoff. Ohne Pflanzen und Bäume wäre das Leben auf unserem Planeten nicht möglich. Die Bäume atmen über die Blätter. Die Atmung der Pflanzen, die Fotosynthese, ist die Quelle des Sauerstoffs. Mit diesem Buch möchte ich helfen, eine liebevolle und bewusste Beziehung zu unseren Freunden und Lichtträgern dieser Erde aufzubauen. Der Wald stellt für uns ein Therapie- und Gesundheitszentrum dar. Gleichzeitig ist er auch ein Ort der Freude und Inspiration. Er weckt in uns Begeisterung und Faszination, und er ermöglicht uns, Stille und Vertrauen zu entwickeln. So können wir durch die Erfahrung mit der beseelten Natur einen riesigen Schatz an Erkenntnissen vernehmen und Wege zu Neu- und Umorientierung im Leben begreifen. Denn die Besinnung auf die grünen Helfer kann uns heilsame und lösungsorientierte Anstöße für unser Leben bringen. Bereits Hildegard von Bingen (1098–1179) hat gesagt: »Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese ist grün.«

Jahrtausendelang streifte der Mensch durch die Wälder, ernährte sich von dem, was er fand, und war der Natur ganz nah. Der Mensch lebte in der Atmosphäre des Waldes und profitierte von seiner Kraft. So waren die Bäume unseren Vorfahren heilig. Heute können wir kaum noch ermessen, wie tief die Beziehung der Kelten und Germanen zu ihren heiligen Hainen war. Doch eine Inspirationsquelle sind Bäume immer noch.
Die Bäume bewegen die Emotionen im Menschen, sie bringen seine Seele zum Leuchten und zum Schwingen. Im Wald lassen wir den Alltag hinter uns und legen unsere Rollen ab. Im Wald sind wir ganz wir selbst, ganz Mensch, ganz Kind; verspielt, offen, fröhlich und mit der Natur verbunden. Wir können uns auf den Moment einlassen, unsere Sinne öffnen, kommen vom Verstand ins Herz, ins Spüren, und können das Leben und uns selbst viel intensiver wahrnehmen.

Tiefe Verbundenheit mit allem und Harmonie sind so unfassbar wichtig, gerade in der heutigen Zeit der Digitalisierung. Denn die Unberechenbarkeit, Komplexität und Schnelllebigkeit des Alltags überfordern viele Menschen. Die Menschen sehnen sich nach Stabilität, Ruhe, Frieden und Harmonie. Unsere Gesellschaft verändert sich, wir spüren deutlich, dass die Anforderungen an jeden Einzelnen stetig zunehmen. Wir können daran verzweifeln oder aber daran wachsen und erwachen. Wir sollten die Herausforderungen der neuen vernetzten Welt positiv annehmen, indem wir die Balance in uns durch die Natur entwickeln und im Alltag bewahren. So, wie ein starker Baum allen Stürmen gewachsen ist, so können auch wir uns stark verwurzelt fühlen. Wir können uns innerlich zum Himmel hin aufrichten und jegliches Joch der Gesellschaft von den Schultern abwerfen. Eine starke Persönlichkeit benötigt starke Wurzeln, das heißt Frieden mit ihrer Vergangenheit und tiefe Verankerung in ihren positiven Prägungen. Nur ein Baum mit starken Wurzeln wird einen starken Stamm entwickeln und eine gesunde grüne Krone, die sich zur Sonne hin reckt. Ebenso ist nur ein gut in sich verankerter Mensch fähig, seine Schöpferkraft in der Gegenwart auszuleben und aus einer lichtvollen Gegenwart eine kraftvolle Zukunft aufzubauen. Wir fühlen uns auch nicht überfordert, wenn wir unsere volle Schöpferkraft zu nutzen wissen und uns selbst vertrauen.

Das rein materielle Denken in der Ökonomie und die bisherigen auf Kontrolle basierenden Führungsstile werden mit der Zeit abgelöst werden durch inspirierende Werte wie Vertrauen, Sinnhaftigkeit, gemeinsamer Aufbruch und Verbundenheit. Damit dies gelingt, sollte jeder daran interessiert sein, sich in seiner Persönlichkeit und Berufskompetenz fortzubilden, also mit der Zeit zu gehen, und genauso aufmerksam seiner inneren Balance und Verwurzelung nachzukommen. Das ist spirituelle Persönlichkeitsentwicklung, die Menschen schon vor Urzeiten vollzogen haben. Heute leben wir in einem Seelenzeitalter, wo langsam, aber doch zunehmend Emotionen und Spiritualität in den Blick rücken. Es wird erkannt, dass wir allein mit Rationalität nicht weiterkommen. Gefragt sind jetzt authentische, einzigartige Persönlichkeiten mit ihrer Kraft und ihren Ideen. Je mehr Menschen in ihrer Persönlichkeit, in ihrem Bewusstsein erwachen, umso weniger haben Diktatoren, Populisten und Angstschürende Macht. Auf diese Weise kann sich aus dem inneren persönlichen Frieden der Weltfrieden entfalten. So kann sich aus der inneren Sicherheit auch die Sicherheit im Außen gestalten.
So, wie die Natur sich stets mit den Jahreszeiten wandelt, ist auch alles andere permanent im Wandel. Das einzig Beständige im Leben ist die Veränderung. Und wenn wir uns in unserem Gott und Selbstvertrauen auch in der Ungewissheit geborgen wissen, können wir uns im neuen Zeitalter entfalten und zur Gestaltung der neuen Welt unseren Beitrag leisten. Selbstbestimmung wird immer mehr zur Lösung werden, wie auch die Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Wo der Mensch etwas als zu heiß und zu kalt bewertet, zu hell und zu dunkel, zu trocken und zu nass usw., wertet die Natur nicht. Sie fügt sich ganz in den Rhythmus des Lebens. Und wo der Mensch stets mit sich selbst hadert, sich als zu hässlich empfindet, zu dick, zu dünn, zu dumm usw., bewertet die Natur sich selbst nicht. Sie nimmt sich an, wie sie ist. Sie möchte gar nicht anders sein. Sie existiert einfach. Auch in dieser Hinsicht können wir von der Natur viel lernen. Je bewusster wir mit unserem inneren Potenzial umgehen, umso kraftvoller stehen wir auch in der Welt. Die Natur hilft uns stets, zurück zum Ursprung, zurück zur Kraft, zur Wahrheit zu finden; zurück zu unserem wahren göttlichen Selbst. Hier öffnen wir uns unserem Lebenssinn und finden unser Glück, anstatt dies in den Ablenkungen im Außen zu suchen. Hier fühlen wir uns frei und streben nicht nach Anerkennung. So können wir von ganzem Herzen entdecken, was für uns wirklich von Bedeutung ist, nämlich Gesundheit, Wohlbefinden, ein gemütliches Zuhause, Liebe, Familie und Freunde, ein sinnerfülltes Arbeiten, Kreativität, das wirkliche, analoge, sinnliche Leben an sich und nicht das digitale. In diesem liebevollen Bewusstsein erfahren wir dann unser Glück, das von der Art, wie wir denken und fühlen, abhängt, und nicht von der Anhäufung von Gütern.

So können wir, durch unsere Verbindung mit der Natur gestärkt, in allen Lebensbereichen jeden Tag stets unser Bestes geben und uns selbst und das Leben lieben und wertschätzen. Gerade in der Ruhe und Schönheit der Natur können wir wirklich begreifen, dass wir, je weniger wir unser Selbstwertgefühl und unsere Zufriedenheit von äußeren Faktoren abhängig machen, umso mehr innere Sicherheit empfinden und gedeihen.

Ein selbstbewusster Mensch, also ein Mensch, der sich der Qualität seiner Gedanken, seiner Gefühle und seiner Handlungen bewusst ist, entscheidet sich, am Leben zu wachsen und nicht zu verzagen. Sobald wir das als unseren Lebenssinn akzeptieren, werden wir jede herausfordernde Situation als Trainingseinheit sehen und nicht als Gefahr. Wir können im erhöhten Bewusstsein stets Haltung bewahren und uns in unserer emotionalen Stärke, wie ein gesunder und kraftvoller Baum, aufrichten.

Wer sich aufrichtet, verlässt die verzagte Opferrolle und wird in seinen liebevollen Werten und Ideen handlungsfähig. Ein Baum stöhnt auch nicht, wenn der Wind stark weht oder die Sonne heiß scheint, sondern nimmt die Situation an und reift an diesen Umständen. So auch wir: Je mehr wir schwierige Situationen annehmen, umso mehr entwickeln wir unser Selbst, wir spüren uns, in jeder Herausforderung fühlen wir uns gefördert und wachsen daran! Der Mensch kann über seine Lebensphilosophie entscheiden. Und das bestimmt seine Gefühle und seine Handlungen. Betrachten wir also die Natur als unser Vorbild.

Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Trinity Verlags.

Jana Haas
hat russische Wurzeln und lebt heute in Süddeutschland. Durch ihre Hellsichtigkeit gilt sie als Expertin für die energetischen und spirituellen Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde. Weitere Informationen unter www.jana-haas.com

Buchtipp:
Jana Haas: Das Mysterium der Bäume, Selbsterkenntnis, Liebe, Heilung, Verlag Trinity, München 2018, 280 Seiten, 18 Euro


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