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Ausgabe Oktober 2016
Liebesbrief an Mensch. Von Katja Neumann

Dankbarkeit ist ein wunderschönes Gefühl und ein nützliches noch dazu. Denn wer dankbar ist, führt keine Kriege, weder im Innen noch im Außen. Gepaart mit Liebe und Demut ist es wohl das, was bei uns mit Glückseligkeit beschrieben werden kann - und im E

Liebes DU,
lieb sind wir oft nicht, schon gar nicht mit uns selbst, wir haben es sehr oft nicht einfach miteinander gehabt und vermutlich wird das auch so bleiben. Weil es so tief in uns ist. Wir machen uns das Leben schwer, machen uns Sorgen um alles und oft fehlt es uns an Vertrauen. Immer wieder sind da diese großen schwarzen Löcher und das Gefühl von Abgetrenntsein verursacht Traurigkeit und Einsamkeit.
Unser eigenes Leben hat tiefe Spuren hinterlassen und wir tragen auch noch das Drama der Ahnen in uns. Großmütter, die vergewaltigt wurden, Großväter, die im Krieg waren, Eltern, die es eben so gut gemacht haben, wie sie konnten, aber gut war es oft nicht. Wir haben nicht gelernt, dass wir einfach da sein dürfen, ohne jemandem beweisen zu müssen, dass wir etwas leisten, dass wir wer sind.

Die vier indianischen Gesetze der Spiritualität
1. Die Person, die dir begegnet ist die Richtige.
2. Das was passiert ist, ist das Einzige, was passieren konnte.
3. Jeder Moment, in dem etwas beginnt, ist der richtige Moment.
4. Was zu Ende ist, ist zu Ende.

Die Welt lädt auch nicht eben ein zu bleiben. Nachrichten verbreiten Angst und Unsicherheit. Täglich sieht man irgendwo Rauchwolken aufsteigen und Bäume fallen. Und reich sein müsste man nebenbei auch. Denn ohne Geld ist es schon gar nichts wert. Und doch sind wir da. Immer noch.
Was ist Deine Essenz, Dein Antrieb und woher nimmst Du immer wieder den Überlebenswillen, nein, mehr als das – den Glauben, das alles gut wird? Warum sitzen wir immer noch hier und sind wieder aufgestanden, rausgegangen, um weiterzumachen, um andere anzulächeln und zu sagen: Alles wird gut, vertrau mir?
Liebes DU, vielleicht weiß Seele es einfach besser? Vielleicht bringen wir etwas mit, wenn wir hier landen, dass stärker ist als alle Angst und alles Verzagen. Trotz aller Widrigkeiten hat doch das Lachen nie aufgehört und immer wieder kommt die Liebe vorbei und durchzieht alles mit seinen zarten vielen Wurzeln und die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir denken, es ist sogar anders herum: So sehr wir uns anstrengen, alles kaputt zu machen, zu beweisen, dass wir die Stärksten sind und die Mächtigsten und laut sowieso - gewinnen werden wir nicht, am Ende siegt immer die Liebe und die Schönheit. Und dann wird es ganz still in uns. Denn gegen die Dankbarkeit können wir uns nicht wehren. Da sitzen wir dann und staunen über den Schmetterling, der vorbeikommt und wie er es macht, dass er einfach ist und dabei auch noch so unfassbar schön. Und es ist ihm egal, dass er einfach ist und es ist ihm auch egal, dass er schön ist.
Wenn wir nur anerkennen könnten, dass wir Schmerz nicht mit noch mehr Schmerz heilen können und dass, wenn wir ihn spüren, es nie nur unser eigener ist. Wir tun immer so, als wäre unser Drama das größte und wir haben alleiniges Besitzrecht darauf. Aber nichts gehört uns allein, auch der Schmerz nicht. Wenn Du hier sitzt und weinst und nicht weiter weißt, dann sitzen überall auf der Welt andere und weinen auch. Und wissen auch nicht weiter. Und sind vielleicht noch ärmer dran als Du. Es ist nichts falsch an Schmerz, aber es war sicher nicht so gedacht, dass wir in ihm verkümmern und krank davon werden. Der Schmerz ist jemand, der nur vorbeikommen will, die Liebe aber möchte bleiben. Wir machen es genau umgekehrt.
Dieser wunderbare Planet gibt alles, dass es uns gut geht, er schenkt uns, was wir zum Hiersein brauchen, reichlich. Es ist für alles gesorgt, es gibt Liebe und Schönheit im Überfluss. Aber da sind wir mit unserem Schmerz und unserem Gefühl von Mangel und Missgunst im Herzen und sehen es nicht, nehmen ohne danke zu sagen und mehr als uns zusteht. Wir sind maßlose Gäste und selbst nicht glücklich darüber.
Liebes DU, was möchtest Du denn wirklich? Wäre es nicht schön, Dich aufgehoben und geliebt zu fühlen, reich und sorgenlos und glaubst Du nicht auch, dass es trotz allem noch möglich wäre? Denkst Du, das kommt einfach, wenn Du weiter furchtbar wütend bleibst auf Dich und die Welt und all die Ungerechtigkeiten? Wenn alle anderen Schuld sind an Deinem Dilemma und Du Dich hinter höchstmöglichen Mauern abschottest? Glaubst Du, Dinge werden besser, wenn Du Autos anzündest oder anderen Menschen das Leben schwer machst? Oder Nachrichten guckst und in der Angst versinkst? Liebes DU, so wird das nichts. So viel können wir verraten.
Liebes Du, wir sind Du und genaugenommen sitzen wir alle in einem Boot, nur dass es groß und rund ist und durch ein ziemlich großes Universum segelt. Wir haben schon gelernt, dass die Erde keine Scheibe ist, nur weil wir den Rest nicht sehen können, aber wir benehmen uns immer noch so. Unser Horizont ist nicht eben weiter geworden, könnte man meinen. Aber Seele weiß es besser. Du bist nicht Dein Schmerz oder Deine Angst, leider weißt Du oft nicht, WIE groß Du bist. Und wie schön. Manchmal hilft es da, ganz klein, ganz demütig und ganz still zu werden, einfach aufzuhören mit dem Wahnsinn, den Du Leben nennst, aber ein Funktionieren ist – und zu lauschen. Höre auf den Baum, den Stein, den Vogel, sieh der Ameise zu so lange Du kannst. Schau auf das viele Leben um Dich, das einfach ist, seinen Weg ungerührt fortsetzt, auch wenn Deine Welt stillzustehen scheint. Es ist nichts verkehrt daran, Tränen zu weinen oder Deinen Schmerz rauszuschreien, aber dann komm zurück. Zurück ins Leben, Du kannst Dich eh nicht drücken. Denn es wird Dich immer wieder zurückholen, einspannen, Dein Du einfordern, es braucht Dich so wie Du es, um vollständig zu sein. Wer glaubst Du, bist Du, Dich zu unsichtbar zu machen, Dich nicht zu kümmern? Nein, so bist Du nicht gemeint.
Liebes DU, es ist alles da, es ist für Dich gesorgt, sogar geliebt wirst Du. Alles, was Du Dir wünschst, ist längst vorhanden. Nur das ANNEHMEN, das musst Du selbst übernehmen, das können wir nicht für Dich tun. Lass Dich einladen vom Leben, es möchte feiern und zwar mit Dir. Sieh das Geschenk, nicht immer nur das, was es heute nicht gab, denn das wird schon seinen Grund haben - nur so konnte ja kommen, womit Du nicht gerechnet hast.
Liebes DU, Du kannst auch GEBEN, das ist überhaupt eine gute Idee und das kannst Du besser als Du denkst. Schenk der Mutter Erde Deine Aufmerksamkeit, singe für sie, trommle für sie, mach einen Krafttiertanz und rufe die Spirits. So tun es die Schamanen seit Jahrtausenden und sie irren nicht. Mach es einfach ein bisschen wie sie. Sei da und wehr Dich nicht, sei simpel und ehre genau das - die kleinen Momente, die wie Schmetterlinge sind. Segne Dein Essen und verschenke Lächeln so viel Du kannst. Und sag: Alles wird gut. Denn wir alle das sagen, dann kann es das werden.
Danke, Dein Leben

Katja Neumann ist Heilpraktikerin und arbeitet seit vielen Jahren mit uralten schamanischen Heilweisen in ihrer Naturheilpraxis im Prenzlauer Berg.
weitere Infos: www.katja-neumann.de


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