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Ausgabe März 2014
Die Gnade der Illusion. Gesundheit fängt mit dem genauen Hinsehen an. Von Katja Neumann

Fortsetzung des Beitrages von Katja Neumann in der vorigen Ausgabe.

Wir können heute mit Leichtigkeit einmal um den Globus jetten und doch ist unsere Welt kleiner denn je. Wir haben Pillen und Therapien für alles und jeden - und doch krankt es in unserer zivilisierten Gesellschaft an allen Ecken. Da stimmt doch etwas nicht! Es wird Zeit für jeden von uns, genauer darüber nachzudenken.
Wir sagen „Gesundheit“, wenn unser Nachbar niest, wir wünschen uns alles Gute und Gesundheit zum neuen Jahr und zum Geburtstag, sagen „komm heil nach Hause“ oder „bleib gesund“ zum Abschied, rufen von unterwegs zu Hause an und fragen: “Geht’s dir gut?“ Oft sind das leere Worte, in der Eile, im Vorbeigehen gesagt, die nichts meinen und im Nichts verschwinden und gar keine Antwort erwarten. Jeder in seiner Blase in seinen antrainierten Mustern, weit weg voneinander und doch orientieren wir uns an dem, was alle tun. Was ja noch lange nicht bedeutet, dass es deswegen gut ist. Geschweige denn gesund.
Aus schamanischer Sicht ist ein Mensch gesund, wenn er im vollen Besitz seiner spirituellen Kraft ist. Nicht mehr und nicht weniger.
Hand aufs Herz: Wie weit entfernt sind wir davon? Und sind wir nicht eher dabei, uns immer weiter davon zu entfernen? Wie sonst ist es möglich, dass wir uns selbst und unserem Planeten so viel antun? Wenn ich mit dem Herzen schaue, tut es mir doch körperlich weh und leid, um jeden Baum, um jedes Tier, um jedes Fleckchen Erde, das seiner Würde, Schönheit und Lebendigkeit beraubt wird – und um mich selbst auch!
Wir sind umgeben und abgefüllt mit Glaubenssätzen, Gewohnheiten, (Armuts-)Gelübden, die uns vorgaukeln, dass wir dieses oder jenes brauchen, aber das bitte möglichst billig. Nichts geschieht, ohne dass es nicht auch direkt und indirekt unser Umfeld (be-)trifft. Aktion und Reaktion ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit.Diese Maschinerie der Massenproduktion, Expansion und Massenausbeutung existiert immer noch, weil wir es immer noch bezahlen. Wir sind es, die da ihre Energie hineingeben und diese Illusionen immer wieder neu füttern. Warum sollte sich da etwas ändern? Der Zeitgeist „Geiz ist geil“ ist auf den ersten Blick vielleicht verlockend, auf den zweiten ist er beschämend. Wir vergessen dadurch jeden Tag mehr, mit dem Herzen zu sehen. Und entfernen uns von uns selbst, von unserer eigenen Natur. Das stumpft ab und ist ungesund für Körper Geist und Seele.
Nehmen wir das Beispiel Fleisch: Ist uns das Leben eines anderen Wesens wirklich nicht mehr wert als ein paar Cent? Und ist es uns wirklich egal, dass wir neben minderer Qualität deren unglückliche Energie und Angst - und nicht zu vergessen - Tonnen von Antibiotika zu uns nehmen? Quasi geschenkt und als Zugabe.
Warum sollte sich an der unwürdigen Art, wie wir „Nutz“Tiere halten, etwas ändern, so lange fast alle in den billigen Supermarkt laufen, um das billigste Fleisch zu kaufen? Sie erinnern sich vielleicht an meinen Vergleich Bio-laden gegen Billigkette in der letzten Ausgabe von KGS: für mehr Geld Gutes, aber weniger, oder einen ganzen Einkaufswagen voll mit Dingen, die den Namen „Lebens“Mittel gar nicht verdienen.
Warum sollte sich an unserem Gesundheitssystem etwas ändern? Wir schlucken ja brav Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Sägemehl, Gammelfleisch. Und wenn wir dann davon krank werden, schlucken wir halt Pillen. Niemand hat scheinbar ein Interesse daran, dass wir alle gesund sind, es wird viel zu gut daran verdient. An den Giftstoffen im Billig-Essen genauso wie an den Pillen. Oder glauben Sie das etwa noch, dass Ihnen jemand die Sorge für sich selbst abnimmt?
Niemand will, dass wir aufgeklärt sind. Auch das ist eine Illusion. Wussten Sie z.B., dass in China nur etwa ein Prozent der Frauen an Brustkrebs erkrankt - und das sind die sogenannten reichen Witwen, die sich westlich ernähren? Wenn man das weiß, hört man doch fast automatisch auf, Milchprodukte zu konsumieren. Oder etwa nicht?

Hinsehen und Vorbeugen - oder Retten, was noch zu retten ist
Es geht nicht um böse Verschwörungstheorien oder ums Bekehrenwollen, sondern darum, dass Sie sich selbst immer wieder diese ungemütliche Frage stellen: Kann ich das noch mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn ich die volle Verantwortung für mein Tun übernehmen? Können Sie? Schauen Sie mit dem Herzen? Oder ignorieren Sie lieber und machen weiter wie bisher?
Um das System, das wir im Kleinen als einzelner Mensch so wie im Großen als Gesellschaft, von Innen heraus zu heilen, aufzurütteln und aufzuwecken, muss sich jeder jeden Tag diese Fragen stellen. Es geht nicht anders.
Denn dass wir so langsam sind, dass wir uns so unendlich schwer tun, aus den ausgetrampelten Pfaden auszubrechen, die zwar gemütlich sind, aber total von gestern, kostet uns fast das Leben.
Da waren die Menschen von Vorgestern in vielerlei Hinsicht fortschrittlicher und gesünder als wir heute: mit der Natur und nicht gegen sie, die da draußen genauso wie unsere innere.
Wie geht das? Indem wir den Blick weit stellen, unsere Welt „verdoppeln“, also die Illusion an den Nagel hängen, dass es allein um Funktionieren und Gewinnoptimierung im Außen geht. Indem wir erkennen, dass es so viel mehr ums Innen, um unser Seelenheil geht. Dass in Stille zu verharren und in uns hineinzuhorchen mindestens genau so wichtig sind. Hören wir auf, Ausreden zu erfinden wie: Ich allein kann nichts bewirken. Doch! Können Sie!
Wenn wir erinnern, dass alles Bewusstsein hat, jedes Ding es verdient, gewürdigt zu werden und Mensch sich sehr oft täuscht, dann können wir in einen Zustand der Demut kommen. Das ist das Beste, was uns passieren kann. Und gesund.
Es nützt nichts, sich aus Vernunft Dinge abzutrainieren. Es ist viel leichter, es nicht mehr zu können, weil es Sie nicht mehr glücklich macht. Weil Sie keinerlei Befriedigung mehr verspüren bei Dingen, die Sie gestern noch getan haben oder die Sie gestern noch bewusstlos und unwissend konsumiert haben.
Wir können doch nicht mehr sagen, wir hätten es nicht gewusst. Das ist der springende Punkt.
Unwissenheit als Ausrede gilt nicht mehr! Nur wer wirklich alle Sinne verschließt, der verpasst, dass wir viele Möglichkeiten, altes Wissen gepaart mit neue Erkenntnissen, haben, uns gut zu tun und es besser zu machen.

Raus aus der Komfortzone!
Ich habe kein Problem, mir hin und wieder den Ruf der Spaßbremse einzuhandeln. Aus der der Komfortzone rausrutschen, ist nicht gemütlich. Weder für mich noch für Sie.
Wenn SIE diesen einen Schritt machen aus der Besinnungslosigkeit, kann es auch ein anderer und noch einer und noch einer… wenn wir dieses Illusions-Monster nicht mehr füttern, uns gut tun, in dem wir gute Dinge kaufen – für vielleicht ein bisschen weniger von allem, dann wird klar, wie viel Macht die Masse hat – dann hat es sich gelohnt. Im Moment noch ein Traum…? Es geht nie nur um unsere eigene Gesundheit, wir arbeiten im Guten wie im Schlechten immer für alle anderen mit. Aktion und Reaktion, ein Naturgesetz. Und jeder der heiler wird, heilt auch das Große Ganze Schritt für Schritt.
In manchen alten afrikanischen Stämmen z.B. gibt es die Sichtweise, dass wenn jemand krank wird, es nie seine „Schuld“ ist - dann hatte die ganze Gemeinschaft versagt und es wird auch gemeinsam nach einer Lösung gesucht.
Wussten Sie, dass überzeugte Bio-Käufer – um mein eigens Beispiel, Billigdiscounter gegen Bioladen, noch einmal aufzugreifen – im Schnitt überhaupt nicht mehr ausgeben? Darüber gibt es sogar Studien. Sie genießen bewusster, kaufen und essen dadurch weniger, schmeißen nebenbei weniger weg und sind auch noch gesünder und schlanker. Ein für uns fast vergessener Nebeneffekt: Mensch entwickelt wieder ein Gespür für eigene akute Bedürfnisse und verträgt ganz einfach Ungesundes nicht mehr. Krankheit bleibt aus, Abstumpfung bleibt aus, Herz kann weit und offen sein. Jeder ist ein Heiler - vor allem sein eigener. Niemand kann Sie retten, außer Sie sich selbst.

Die Autorin Katja Neumann ist Heilpraktikerin und Shamanic Counselor mit eigener Praxis in Berlin, Prenzlauer Berg. Weitere Infos auf www.katja-neumann.de

Buchtipp:
„China Study, Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise“ von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell, besonders empfehlenswert als Hörbuchversion gelesen von Christoph Maria Herbst.


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