Ausgabe Juli 2010
Das Lied von den zwei Pferden
Wie kaum ein anderes Lied verkörpert die Weise "Die zwei Pferde des Dschingis Khan" die Geschichte und den Paradigmenwechsel des mongolischen Volkes. Auch für die Sängerin Urna, die in der Inneren Mongolei geboren wurde, wird das Lied zum Prüfstein ihrer kulturellen Identität, hatte sie doch ihrer verstorbenen Großmutter versprochen, die alte Pferdekopfgeige der Familie in die Heimat zurückzubringen, um der zerstörten Geige, von der nur noch Kopf und Hals erhalten blieben, einen neuen Körper zu geben. Auf dem Hals waren die Strophen des volkstümlichen Liedes eingraviert.
Während der dunklen Zeit der chinesischen Kulturrevolution schaffte es Urnas Großmutter nicht, die Pferdekopfgeige zu retten, nur ein Fragment des Instruments und des Heldenlieds konnten vor der Zerstörung gerettet werden.
Nun ist es an der Zeit, das gegebene Versprechen einzulösen. Urna reist zunächst nach Ulaanbaatar, um ein berühmtes Pferdekopfgeigen-Ensemble zu treffen. Doch ihre Erwartung wird enttäuscht. Danach sucht Urna den Pferdkopfgeigenbauer Hicheengui auf, der den alten Geigenkopf begutachtet. Er kann das Familienerbstück restaurieren und der Geige einen neuen Körper bauen. Schließlich findet sie Zuflucht bei einem Pferdezüchter, der ihr Rosshaar, neue Saiten, für die alt-neue Geige schenkt.
Teils Reisebericht, teils Porträt der Sängerin Urna Chahar-Tugchi, verbindet der Film Impressionen vom Dasein mongolischer Steppenbewohner inmitten malerischer Naturkulissen mit Musikaufnahmen und Bildern vom Wiederaufbau einer zerbrochenen traditionellen Pferdekopfgeige, die hier zum Symbol für die Spaltung des mongolischen Volkes wird.