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Ausgabe Juni 2009
Schamanen antworten


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Geseko von Lüpke hat Politologie, Ethnologie und Journalismus studiert. Mit diesem Buch wird er allen drei Bereichen gerecht, denn es ist „die gedruckte und zeitgemäße Version einer uralten, tagtäglichen Zeremonie unserer Vorfahren. Es bringt genau das zwischen zwei Buchdeckel, was in grauer Vorzeit im Kreis des nächtlichen Feuers geschah: Geschichten von und Gespräche mit den Ältesten, Medizinleuten und Schamanen. Das Besondere daran ist, dass an diesem ‚Feuer’ nicht nur ein Stammesältester sitzt, sondern mehr als ein Dutzend. Und dass diese Ältesten, Medizinleute und Schamanen nicht aus einem, vielleicht sogar isolierten Stamm kommen, sondern aus siebzehn verschiedenen Kulturen in fünf Kontinenten. Dieses Buch ist außerdem die Zwischenbilanz einer Entwicklung, die schon vor gut dreißig Jahren begann. Nachdem Ethnologen noch vor wenigen Jahrzehnten davor warnten, dass schamanische Kulturen in Kürze aussterben würden, sind die alten kulturellen Traditionen des Schamanismus auch in der modernen westlichen Welt nun wieder in den Mittelpunkt des Interesses geraten. Diese erstaunliche ‚Rettung’ uralten Wissens ist der Erfolg von verschiedenen Menschen in aller Welt, die den unschätzbaren Wert indigener Traditionen erkannten und ihr Leben seiner Erhaltung widmeten. ... Wenn es mir möglich war, Schamanen aus 15 Ländern zu interviewen, ohne dass ich dafür auch nur einmal physisch die Grenzen des eigenen Kulturkreises überschreiten musste, dann ist es diesen Wegbereitern und ihrem Mut zu verdanken sowie all jenen, die in den letzen Jahren ähnliche Wege beschritten haben. ... Die forschende Begegnung mit schamanischen Traditionen in aller Welt kann außerdem dazu beitragen, sich der eigenen schamanischen Wurzeln bewusst zu werden. Und damit wird nicht nur die Rückbindung an die eigenen kulturellen Wurzeln erweitert, sondern es lassen sich so auch eigene verdrängte Kulturanteile aufdecken, womit der oft zu beobachtenden Projektion auf sogenannte traditionelle oder gar ‚primitive’ Kulturen der Boden entzogen wird. Vielmehr wird eine offene interkulturelle Begegnung ermöglicht, eine Suche nach Parallelen in beiden Weltbildern, die nicht selten von Überraschungen geprägt ist.“

Geseko von Lüpke: Altes Wissen für eine neue Zeit – Gespräche mit Heilern und Schamanen des 21. Jahrhunderts, Kösel, Darmstadt, 2008, 428 Seiten, 22,95 Euro


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