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Ausgabe Februar 2017
Das Geheimnis des Glücks. Von Christa Spannbauer


Ist das Glück Glückssache? Oder sind wir unseres Glückes Schmied? Können wir es erjagen? Oder fällt es uns wie eine reife Frucht in den Schoß? Schon die antiken Philosophen suchten vor mehr als 2000 Jahren nach den Quellen des Glücks. Heute ist mit der Glücksforschung eine ganze Wissenschaft diesem begehrten Gut auf der Spur. Fest steht: Wir Menschen wollen glücklich sein. Die Frage aber bleibt: Was macht ein glückliches Leben aus?

Auf den Spuren des Glücks
Wenn wir heute vom Glück sprechen, so meinen wir meist ein unbeschwertes und sorgenfreies Leben angefüllt mit angenehmen Gefühlen. Der moderne Mythos vom Glück gaukelt uns vor, dass dieses irgendwo dort draußen nur darauf wartet, von uns erjagt zu werden. Und die Werbung liefert hierzu schillernde Bilder frei Haus und kreiert unablässig neue Wünsche, deren Erfüllung das ersehnte Glück in Aussicht stellt. Wir erhoffen uns von äußeren Bedingungen, dass sie uns dauerhaft glücklich machen: die schöne Wohnung, die Beförderung, die neue Partnerschaft. Nur um schon bald feststellen zu müssen, dass der Glücksschub nicht lange anhält. Denn wir Menschen haben ein erstaunliches Talent darin, uns an Veränderungen zu gewöhnen. Und so wird das, was eben noch Glück versprach, allzu schnell wieder fad.
Erst wenn wir erkennen, dass die äußeren Bedingungen letztlich nur einen geringen Teil zu unserer Lebenszufriedenheit beitragen, werden wir die Glücksjagd einstellen. Großangelegte Studien aus der Psychologie belegen, dass unsere Lebensumstände lediglich zu 10 Prozent unser Glücksempfinden beeinflussen. Entscheidend für dieses sind vielmehr zwei andere Faktoren: die eigene Lebensanschauung sowie eine genetische Veranlagung. Es scheint also weit weniger von Bedeutung zu sein, was in unserem Leben geschieht, sondern mit welcher Einstellung und inneren Gestimmtheit wir darauf reagieren.

Wie wir positive Gefühle fördern können
Dass das mit den positiven Gefühlen gar nicht so einfach ist, belegen Forschungen aus der Neurowissenschaft. Offenbar verfügen wir Menschen über eine Art „katastrophisches Gehirn“. Es reagiert auf negative Ereignisse wie ein Magnet und auf positive wie eine Teflonpfanne, erklärt der Neuropsychologe Rick Hanson anschaulich. Die Gründe hierfür sind in der frühen Menschheitsgeschichte zu finden, in der unsere Vorfahren beständig nach Gefahren Ausschau halten mussten, um zu überleben. Unser Gehirn tut dies heute noch. Und lässt dabei viele schöne Dinge des Lebens unbeachtet an sich abperlen. Im Leben der meisten von uns nehmen negative Gedanken daher viel Raum ein. Kommen dann noch eine erbliche Disposition zum Pessimismus und negative Lebenserfahrungen hinzu, verschärft sich diese Tendenz.
Doch muss das so bleiben? Nein, versichert uns an dieser Stelle die Neurowissenschaft. Denn aufgrund der so genannten Neuroplastizität, also der Formbarkeit des Gehirns bis ins hohe Alter, können wir negativen Denkmustern bewusst positive an die Seite stellen und pessimistische Glaubenssätze durch optimistische ersetzen. Rick Hanson rät hierfür, auf die schönen Dinge im Leben zu fokussieren, achtsam den Augenblick auszukosten, Dankbarkeit und Wertschätzung dem Leben gegenüber zu entwickeln und die Intensität angenehmer Gefühle bewusst zu verstärken. Denn genau dadurch, so der Neurowissenschaftler, können wir neue Glücksverschaltungen im Gehirn legen und dauerhaft verankern. Auf die Art und Weise können auch Menschen, die zu Pessimismus und Schwermut neigen, lernen, mit bedrückenden Gefühlen besser klar zu kommen und zugleich Zuversicht und Lebenszufriedenheit gezielt stärken.

Die Widerstandskraft stärken
Auch wenn es uns schwer fällt zu akzeptieren, so ist es doch wahr: Die meisten Geschehnisse des Lebens unterliegen nicht unserer Kontrolle, und keine noch so gute Lebensstrategie kann uns vor Schicksalsschlägen bewahren.
Ob wir angesichts dessen nun aber in Verzweiflung verfallen oder unsere Hoffnung bewahren wollen, das liegt ganz in unserer Hand. Zumal es häufig gerade die leidvollen Erfahrungen sind, die uns durchlässiger, weiser und menschlicher machen. Es ist daher durchaus angemessen, nach einem Verlust zu trauern, angesichts von Ungerechtigkeit wütend zu werden und auf bedrohliche Ereignisse mit Angst zu reagieren. Was widerstandsfähige Menschen jedoch vor anderen auszeichnet, ist, dass sie sich von diesen Gefühlen nicht überwältigen und niederdrücken lassen, sondern dass sie Sorgen und Kümmernissen umgehend positive Gefühle an die Seite stellen. Genau darin liegt für die amerikanische Psychologin Barbara Frederickson das Geheimnis der seelischen Widerstandskraft. Wem es gelingt, so belegte sie in umfangreichen Studien, dreimal häufiger positive als negative Gefühle zu erleben, kann Schicksalsschläge leichter bewältigen. Wenn wir also der Trauer um einen geliebten Menschen ein Gefühl der Dankbarkeit für das gemeinsam Erlebte, die Hoffnung auf eine gute Zukunft und Selbstmitgefühl für uns jetzt an die Seite stellen, können wir dafür Sorge leisten, dass unsere Trauer nicht in Verzweiflung abstürzt oder in Depression versinkt.

„Und lieben, Götter, welch ein Glück!“
Schon der junge Goethe wusste um das Glückselixier par excellence: die Liebe. Nichts trägt mehr zu unserer Lebenszufriedenheit bei als geglückte Beziehungen, gute Freundschaften, harmonische Familienbande. Bestätigt wurde dies von Glücksforschern aus 50 Ländern im World Book of Happiness. Liebevolle Beziehungen gelten weltweit als der Garant für ein glückliches und zufriedenes Leben. „Unsere Mitmenschen sind das beste Gegenmittel gegen die Betrübnisse des Lebens und sie sind die verlässlichste aller Aufmunterungen“, bestätigt der Begründer der Positiven Psychologie Martin Seligman. Weshalb das so ist? Wir erhalten Kraft, wenn wir anderen Kraft geben. Und es macht uns glücklich, wenn wir das Glück anderer Menschen fördern. Der große Humanist Albert Schweitzer wusste: „Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.
Sind wir vielleicht sogar bessere Menschen, wenn wir glücklich sind? Die eigenen Erfahrungen legen dies nahe: Denn wenn es uns gut geht, begegnen wir anderen Menschen weitaus freundlicher, großzügiger und aufgeschlossener als an den Tagen, an denen unser Stimmungsbarometer im Keller ist. Wir sind auch eher bereit, Fremden unsere Hilfe anzubieten, denen wir an schlechten Tagen misstrauisch gegenüber stehen. Eine positive Lebenseinstellung, so bestätigten Forschungen aus der Psychologie, trägt zum Gemeinwohl bei. Familie, Freunde, Bekannte und das ganze Umfeld profitieren davon. Und da das Glück ausstrahlt und sich überträgt und vermehrt, je mehr wir es teilen, kann es ganze Gemeinschaften und damit auch die Gesellschaft verändern. Was die Welt also heute dringender denn je braucht, sind glückliche Menschen!

Christa Spannbauer geht in ihren Büchern und Vorträgen der Frage nach, wie ein gutes Leben gelingt.
www.christa-spannbauer.de


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