aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe November 2015
Die größere Perspektive finden. Schamanische Zeremonien als Türöffner für unser Leben. Von Anja Gundelach


Schamanische Zeremonien sind uralte Heilrituale, in denen Kräfte aus dem Universum herbeigerufen werden, um uns zu helfen, gesund zu werden und die Herausforderungen des Lebens zu bestehen. Obwohl immer mehr schamanische Elemente in die Arbeit vieler Heiler einfließen, ist immer noch recht unbekannt, was in einer schamanischen Sitzung eigentlich passiert. Aus diesem Grunde möchte ich hier das Protokoll von mehreren schamanischen Zeremonien mit Maja H. (Name geändert) im Zeitraum eines Jahres vorstellen. An ihnen ist abzulesen, wie sich das Leben eines Menschen mit spiritueller Unterstützung verändern kann.

1. Zeremonie
Maja, eine Frau Ende dreißig, suchte mich auf wegen häufiger Kopfschmerzen und Verspannungen im Körper, die bei ihr schon mit der Pubertät begonnen hatten. Schmerzfrei war sie nur in den Jahren der Beziehung zum Vater ihrer Tochter gewesen. Sie fühlte sich ständig am ‚Rand des Lebens stehend’, wie sie sagte. Ihre Chefin nahm sie nicht ernst und verhielt sich übergriffig. Maja machte einen verschüchterten Eindruck und sprach mit leiser Stimme. Ich sprach meine Gebete, verbrannte Pflanzengaben, lud die geistige Welt in die Zeremonie ein und versetzte mich in Trance, um zu erfahren, was mit Maja los war.
Als erstes und unübersehbar erschien eine große grüne Schlange, ähnlich einer Boa. Sie reckte sich majestätisch hinter Maja auf und teilte uns mit, dass sie uns durch die Zeremonie leiten würde. Sie war Majas Krafttier. Die Schlange vermittelte mir, das wichtigste Ziel dieser Zeremonie sei, Maja zu helfen, in ihre Kraft zu kommen. Sie befahl mir zu trommeln und mich auf die Reise in Majas Seele zu begeben. Dort fand ich ein Vorleben, in dem sich Maja als junge Frau mit einem Tanz in Ekstase gebracht und dann für einen Machthaber wahrgesagt hatte. Durch Intrigen war sie jedoch in Ungnade gefallen und wurde in den Kerker geworfen, wo sie bald an Auszehrung verstarb. In ihrer Verzweiflung hatte sie sich geschworen, ihre Gaben nie mehr auszuüben. Ich schilderte Maja das Vorleben in allen Einzelheiten, um ihr zu ermöglichen, jenes Leben von dem heutigen klar zu unterscheiden. Wir lösten den Schwur. Danach befahl mir die Schlange, Maja Kundalini-ähnliche Körperübung zu zeigen, mittels derer sie den Kraftfluss in ihrem Körper aktivieren und lenken konnte. Schließlich brachte ich noch mit Hilfe von Schlange und der Trommel die Hauptchakren von Maja ins Gleichgewicht und schloss die Zeremonie.

2. Zeremonie
Als Maja zur Tür herein trat, hätte ich sie fast nicht wieder erkannt. Ihre starke Ausstrahlung war sofort spürbar. Sie wirkte größer als vorher. Erstmals bemerkte ich jetzt auch ihre schöne Altstimme. Die Kopfschmerzen hatten nachgelassen, sie fühlte sich besser in ihrem Körper. Sie hatte bei ihrer Chefin gekündigt und beschlossen, sich selbstständig machen. Sie brachte nun einige praktische Fragen mit, die den Aufbau ihres Berufs betrafen, z.B. ob sie sich eine Partnerin suchen sollte. Darüber hinaus wollte sie erfahren, welcher der nächste Schritt sei. Wieder erschien die Schlange und ließ uns wissen, dass sich Majas Wahrnehmungsfähigkeit steigern müsse, damit sie in ihrer Arbeit eine Art Hyperpräsenz einsetzen könne. Dafür sollte ich ihren Halsbereich entblockieren. Mit der Trommel führte ich die Schlangenmedizin durch, eine Heilungsart, die ich von der Schlange empfangen habe. Außerdem zeigte sie mir eine weitere Körperübung, mit Hilfe derer Maja den Zustand der Hyperpräsenz herstellen konnte. Ich überbrachte Maja diese Übung, wir probierten sie aus. Zu den praktischen Fragen zogen wir die Karten des Tarot zurate. Es stellte sich u.a. heraus, dass sie besser von vornherein auf eine Geschäftspartnerin verzichten sollte.

3. Zeremonie
Es ging Maja körperlich und beruflich gut, sie hatte enorme Wandlungen durchgemacht. „Es fühlt sich jetzt an, als hätte ich kleine Lämpchen am Beckenboden,“ berichtete sie mir stolz. Allerdings fühlte sie sich gerade ganz besonders ‚am Rand des Lebens stehend’: Um ihr Privatleben zu schützen, hatte sie für ihre berufliche Existenz den Mädchennamen ihrer jüdischen Großmutter angenommen. Damit waren jedoch große Ängste in ihr aufgestiegen. Maja wollte wissen, ob sie überhaupt diesen Namen benutzen könne. In der Zeremonie stellte sich heraus, dass sich ihre beiden im Holocaust ermordeten Großonkel an ihre Aura geheftet hatten. Ich trommelte und leitete diese Seelen an ihren Bestimmungsort. Während der Zeremonie erschien auch Majas Großmutter. Sie äußerte ihr tiefes Verständnis für Majas Befürchtungen und überreichte ihr ein blaues Wolltuch. Dieses sollte sie immer bei sich tragen und sich darin einhüllen, wenn sie sich abgrenzen oder nicht gesehen werden wolle. Ich erklärte Maja, dass es sich um ein energetisches Tuch handele, das trotzdem im Alltag wirken würde. Sie könne ein solches Tuch aber auch materiell erstehen und auf diese Weise benutzen. Was den Namen anging, erhielten wir die Antwort, Maja solle stets ihren wahren Vornamen benutzen; der Nachname hingegen sei beliebig. Maja verließ die Praxis gelöst und im Frieden mit sich selber.

Die größere Perspektive
In nur einem Jahr hat die Klientin ihre Gesundheit und ihre Seelenruhe gefunden und sich eine neue Existenz aufgebaut. Das ist erstaunlich. Wie können wir das verstehen?
In einer Zeremonie wird durch Gebete und Gaben ein heiliger Raum eröffnet, in dem alles Lebendige, also auch die unsichtbare Welt, anwesend sein kann. In diesen Raum wird das Anliegen des Klienten platziert. Es erzeugt eine Resonanz, die ich als Botschaft empfange. Jeder von uns ist umgeben von geistigen Wesen, ob wir es nun merken oder nicht. Das sind z.B. unsere Ahnen, geistige Helfer und Krafttiere. Ihnen liegt daran, dass wir unsere Gabe auf der Erde ausüben. Deswegen melden sie sich, wenn man sie kontaktiert.
In einer Zeremonie geht es stets um eine größere Perspektive. Wir Menschen sehen uns selbst als Individuen und begrenzt auf dieses eine Leben. Tatsächlich aber sind wir multidimensionale Wesen, die gerade eine Erfahrung mit der Begrenztheit auf dem Planeten Erde machen. Die Zeremonie zeigt uns das, was heilungsbedürftig ist, aber auch unsere mannigfaltigen Stärken. Unsere Leiden werden dabei in den großen Kontext gebracht. Oftmals sind es Traumata aus vergangenen Leben, die uns heute behindern. Heben wir sie ins Bewusstsein, können wir sie loslassen.
Durch die Arbeit mit der Trommel steht genügend Kraft zur Verfügung, um eine Veränderung in unserem Leben einzuleiten und einen neuen Schritt zu tun. Und so erweitert sich mit jeder Zeremonie für uns der Horizont von dem, was wir von uns glauben und was wir uns zutrauten.

Anja Gundelach ist Gründerin des YUPA Schamanisches Zentrum Berlin. Sie hat in Mexiko 13 Jahre lang bei einer Schamanin gelernt und hilft seit 2005 anderen Menschen, in ihre Kraft zu kommen und ihre spezielle Gabe zu entwickeln. Weitere Infos zur Arbeit der Autorin auf www.schamanismus-berlin.org


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.