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Ausgabe Oktober 2013
Dankbarkeit, Den Blick zum Schönen wenden. Von Daniel Atreyu Aigner


Dankbar zu sein öffnet uns den Weg in die Verbindung zum Göttlichen, weshalb in Gebeten oft Dank ausgesprochen wird. Sie ist ein reiner Ausdruck der Liebe. Einige indigene Stämme bitten in ihren Gebeten an den Schöpfer um nichts. Doch sie bedanken sich für alles und kreieren dadurch Zufriedenheit, Heilung und Fülle. Jeder von uns hat es selbst in der Hand, die Welt zu wählen, die er erleben möchte. Der Schlüssel hierbei ist, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Willst du also Liebe ernten, dann lohnt es sich Dankbarkeit zu säen. Denn wir erschaffen mit jeder Handlung unseres Seins unseren eigenen Lebenstraum.
Was willst du in deinem Leben sehen? Richte deinen Blick darauf und es wird sich zeigen.
„Ich betrete den heiligen Kreis des Männerfeuers. Wir rufen wie gewohnt die Elementar-Kräfte und Hüter des Platzes an. Anschließend nehmen wir gemeinsam und in Stille im Kreis ums Feuer Platz, um erstmal bei uns anzukommen. Nach dem gemeinsamen Singen, begleitet von kraftvollen Trommelgetöse, starten wir den Abend, wie immer mit der Dankbarkeitsrunde. In dieser Runde hat jeder die Möglichkeit, für das zu danken, was ihm gerade auf dem Herzen liegt. Ich hatte eine emotional schwierige Woche und in mir beginnen die Gedanken zu kreisen: „Immer diese Dankbarkeitsrunde, irgendwann wird’s auch langweilig! Können wir nicht einmal etwas anderes machen?“ Dem inneren Trotzer die von ihm geforderte Aufmerksamkeit gebend, beobachte ich den Redestab, der durch die Runde geht und immer näher kommt. Ich merke innerlich, dass ich eigentlich keine besondere Lust habe Dank zu sprechen. Es erscheint mir heute irgendwie oberflächlich. Die Gedanken planen schon den Redestab einfach wortlos weiterzugeben und gratulieren sich selbst für diese glorreiche Idee. Mein innerer Widerstand ist sichtlich spürbar. Gleichzeitig bemerke ich, wie jedes gesprochene Wort der Dankbarkeit der anwesenden Männer, meine Stimmung hebt und mir im Herzen wirklich gut tut. Langsam aber sicher verändert sich etwas in mir. Jetzt ist es soweit! Der Redestab wird mir mit klarem und liebevollem Blick übergeben. Nach einem kurzen, etwas zögernden Innehalten gebe ich mich dem Moment und der Kraft des Kreises hin und lasse los. Ich beginne meine innere Stimmung zu wenden, indem ich mich auf das Positive im Leben rückbesinne - das, wofür ich dankbar bin! Nachdem das letzte Wort meinen Mund verlassen hat, fühle ich mich freier, irgendwie belebt. Es ist, als hätte sich die Welt verändert, in der ich lebe. Doch die Welt ist dieselbe geblieben, ich habe nur meinen Blick verändert.

Dankbarkeit als reine Schwingung der Liebe
Dankbarkeit ist ein reiner Ausdruck der Liebe. Wir bedanken uns für das, was wir schon haben und bestätigen damit die Fülle, in der wir leben. Viele indigenen Völker wissen, dass wir in einer Welt der Fülle leben. Wenn wir verantwortungsbewusst damit umgehen, ist genügend für alle da und niemand müsste Hunger leiden. An Liebe sind in unserer heutigen Gesellschaft oft unterbewusste Bedingungen geknüpft, nach dem Motto: „Ich sage dir, dass ich dich liebe, aber ich will das auch von dir hören!“ oder „Ich sage dir, wie toll du bist, dafür wünsche ich mir, dass du mir das Gefühl gibst, wertvoll zu sein.“
Dankbarkeit heißt für mich, das wertzuschätzen, was bereits geschehen ist oder im Augenblick auftaucht. Sie wird dadurch bedingungslos, weil sie sich nicht auf die Wünsche der Zukunft beruft, sondern das ehrt, was ist. „Segne jeden Augenblick!“ heißt es im Huna. Damit geben wir jedem Augenblick unseres Lebens die Dankbarkeit, dass er sich so zeigt, wie er es tut. Wir „unterschreiben“ damit, dass die Schöpfung und die Quelle vollkommen sind, wie sie sind und sich für uns in diesem Augenblick zeigen. Wir erkennen an, dass uns die Gegenwart der größte Lehrmeister ist.
Was die Schamanen dieser Welt schon immer wussten, haben wir nun auch durch die Quantenphysik bestätigt. Wir erschaffen die Realität in der wir leben! „Die Welt ist, wie du sie siehst!“, besagen das erste Prinzip im Huna Schamanismus und die Ergebnisse der aktuellen Quantenforschung. Das heißt unser Blick auf die Welt lässt die Welt entstehen, in der wir leben. Deshalb ist es effektiv und heilsam seine Gedanken mit Dankbarkeit zu nähren.

Heilung durch Dankbarkeit
Es gibt eine indianische Geschichte von einer Frau, die sterbenskrank war. Einige Medizinmänner arbeiteten mit ihr, doch ihr Zustand veränderte sich einfach nicht. Als die Hoffnung der Menschen im Tipi immer weniger wurde, trat plötzlich ein Mann aus der Runde hervor und bat darum, für die Kranke beten zu dürfen. Es war der Nachbar der Kranken. Er kannte keine Rituale und konnte sich in dem Heilungsrahmen auch kaum bewegen, ohne gegen die „offiziellen Richtlinien“ zu verstoßen. Er verschüttete heiligen Tabak, trat gegen das zeremonielle Feuer, dass die Funken sprühten, und streckte entgegen der Tradition seine Füße in Richtung der heilungsbedürftigen Frau. Als er sich neben die am Boden liegende Frau gesetzt hatte, begann er einfach frei aus der Tiefe seines Herzens zu sprechen. Er teilte alle Dankbarkeit darüber mit, dass es Menschen wie diese Frau gibt. Dass sie, in all den Jahren der Bekanntschaft, nie über ihn gerichtet hatte, obwohl sie wusste welcher Mensch er war. Er bekräftigte, dass die Welt eine bessere Welt wäre, wenn es mehr Menschen wie diese Frau geben würde. Er bat den Schöpfer um Segen für die Kranke und dass er die Krankheit von ihr nehmen möge und dass er in Liebe für sie gekommen ist und ihr von Herzen alles Gute wünscht. Nachdem der Mann gesprochen hatte, begann die Frau sich aufzurichten und zu sprechen. Sie war geheilt, dank der Aufrichtigkeit, Liebe und Dankbarkeit ihres Nachbarn!

Dankbarkeit vs. Gewohnheit
Ein erleuchteter Geist nimmt den Augenblick wahr, wie er sich in diesem Moment zeigt. Er bezieht sich beim Wahrnehmen nicht auf die Erfahrungen der Vergangenheit oder Wünsche der Zukunft. Leid und Enttäuschung basieren immer auf dem Vergleichen mit vergangenen Erfahrungen. Gewohnheiten sind Handlungen, die auf der Vergangenheit beruhen. All zu oft verwehren uns diese den Blick in die Fülle und somit auch zur Dankbarkeit. Wir sind es gewohnt Essen und Güter aus aller Welt zu haben und vergessen das Geschenk dieses Luxus. Wir sind es gewohnt in Beziehung zu sein, langweilen uns, beschweren uns und vergessen dabei wie kostbar das Geschenk der Liebe zwischen Menschen ist und was uns einst verbunden hat. Auch die Wahrnehmung und das Bild, das wir von uns selbst haben, ist eine Gewohnheit. Jede Identifikation mit einer Rolle unterbricht den göttlichen Fluss der Fülle, der sich in jedem Augenblick in uns ergießen möchte. Wir unterbrechen den Fluss der Gewohnheit, indem wir anhalten und den Blick wenden. Indem wir fragen, wofür wir dankbar sind.

Übung: Die Gebetsschale
Besorge dir eine Schale aus Keramik, Holz oder Glas. Platziere sie auf deinem Altar oder auf einem anderen dir wichtigen Platz. Du kannst Kerzen, Symbole und Bildern dazustellen, die dir wichtig sind. Diese Schale wird zu deiner Gebetsschale, die du täglich benutzen darfst!
Tabak ist eine heilige Pflanze, die in den meisten indigenen Völkern benutzt wird. Du kannst Tabak (in Bioqualität) benutzen, um deine Wünsche zu manifestieren und dich für in Erfüllung gegangene Wünsche zu bedanken. Diese getrocknete Schamanenpflanze ist eine Art Energieverstärker und verbindet deine Intention mit Himmel und Erde. Sie ist eine Wegbegleiterin, die dir den Weg ebnet und das zu dir bringt, worum du bittest.
Um das Ritual zu beginnen, nimmst du ein wenig Tabak in deine Hände und lässt deine Dankbarkeit für alles, was du hast, hinein fließen. Lass auch deine Wünsche, die du hast, hineinfließen. Wünsche für dein eigenes Wohl, das Wohl deiner Liebsten oder zum Wohle Aller. Bitte um Frieden und Liebe in deinem und den Herzen der Menschen, wenn du magst. Dann legst du den Tabak in deine Gebetsschale. Wenn deine Wünsche in Erfüllung gegangen sind, bedankst du dich auf dieselbe Art und Weise. Falls du deine Spirits, Kraftiere oder Geistführer kennst, kannst du in deine Gebetsschale zusätzlich wöchentliche Gaben als Dank legen z.B. Rosinen, Nüsse oder Blütenpollen. Erdgebunden Spirits (z.B. Krafttiere und Naturwesen) mögen Süßigkeiten, Früchte, Milch oder roten Wein. Spirits aus der geistigen Welt können mit Räucherungen (z.B. Copal, Weihrauch...) oder hochprozentigen Alkohl geehrt werden. Die Gaben kannst du wöchentlich der Erde übergeben, oder als Großstädter dankend der Biotonne!


Der Autor Daniel Atreyu Aigner ist schon seit seiner Kindheit hochsensibel, was ihn sehr früh mit dem schamanischen Weg des Herzens in Kontakt gebracht hat. Er lebt eine tiefe Verbindung damit und bietet Rituale, Workshops, Meditationsabende und Ausbildungen an. Weitere Informationen auch zu aktuellen Events auf www.schamanische-heilbegleitung.de


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