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Ausgabe Februar 2013
Wer bin ich? Von Michael J. Roads


Wenn du intellektuell eine Antwort auf diese Frage suchst, steht dir ein langer Kampf bevor. Wenn es dich jedoch zu einer Suche treibt, ohne dass du das Finden einer Antwort erwartest, wirst du dich schließlich Selbst erkennen. Denn so lange „Wer bin ich“ eine Kopffrage ist, bleibt die Antwort aus. Doch wenn sie ein Herzenswunsch ist, dann wirst du dich auf die Erfahrung zubewegen, und die Frage wird sich genau zum richtigen Zeitpunkt beantworten.
Die meisten Menschen hängen in dem Glauben fest, sie seien eine Identität oder Person. Sogar unter spirituell orientierten Menschen gibt es oft den Glauben, dass wir sterbliche Körper/Persönlichkeiten mit einer Seele sind. Das Umgekehrte ist wahr. Wir sind eine unsterbliche metaphysische Seele mit einem Körper/einer Persönlichkeit. Wenn wir also auf „Wer bin ich“ antworten, wir seien eine unsterbliche Seele, so ist das zwar richtig - zugleich aber bedeutungslos, so lange wir noch nicht das Seelen-Selbst als Wirklichkeit erfahren.
Die meisten Menschen glauben, dass sie nur ein Leben leben, dann kommt der Tod. Wir glauben an den Tod. Wenn du den toten Körper eines geliebten Menschen siehst, ist es schwer zu akzeptieren, dass dieser in Wirklichkeit seinen Körper verlassen hat und nun auf der metaphysischen Ebene seinen Weg fortsetzt. Wir haben starke emotionale Anhaftungen. Wir betrauern den Tod, obwohl er nicht existiert. Wir sind die endlose Fortsetzung des Seelen-Selbst, der Seele, die sich in neue physische Körper inkarniert. Wir glauben, das Leben sei physisch, und auf einer dreidimensionalen Ebene ist es so, aber das Leben ist viel mehr. Für alles, was lebt, gilt dasselbe Prinzip: Bewusstsein zieht physische Form an, durch welche es Bewusstsein ausdrücken kann. Wenn die physische Form menschlich ist, glauben wir, dass wir der physische Körper sind. Das ist ein Irrtum. Wir sind Geschöpfe des Bewusstseins, ewig danach strebend tiefer zu erfahren, um bewusstes Wachstum zu ermöglichen.
Wer bin ich? Wenn wir eine intellektuelle Antwort fänden, würden Milliarden von Menschen ihr Selbst erkennen. Tun sie aber nicht. Wenige haben bisher ihr Selbst erkannt. Warum ist das so? Weil zu erfahren, wer man ist, volle Bewusstheit erfordert, und das ist ein Problem. Es wird geschätzt, dass 85-90% aller Menschen 95% des Tages unbewusst leben. Das bedeutet, dass die meisten Menschen ihr Leben nicht voll bewusst sind – während Tiere ihr ganzes Leben voll bewusst sind!
Warum? Tiere leben im Moment, wir leben in unseren Gedanken. Man kann sich aus dem Moment heraus denken, aber nicht in ihn hinein. Denkt darüber nach!
Alles Leben ist Bewegung und Wachstum des Bewusstseins. Um im Bewusstsein zu wachsen, musst du bewusst sein, nicht unbewusst. Unser Hirn, unser Intellekt ist in den letzten Jahrtausenden enorm gewachsen, aber nicht unser Herz, unsere wahre Intelligenz. Du musst nur unsere Geschichte betrachten oder unsere gegenwärtige globale Gewalt, um festzustellen, dass wir eine Spezies sind, die auf Selbstzerstörung ausgerichtet ist. Das ist das Ergebnis von clever/dumm; sicherlich nicht von intelligent/weise.
Wenn wir mit einer Frage von der Größe wie Wer bin ich konfrontiert werden, müssen wir den Intellekt außen vor lassen. Das Leben ist keine intellektuelle Erfahrung. Natur ist kein intellektueller Ausdruck. Dennoch erwarten wir vom Intellekt alle Antworten auf unsere endlosen Fragen. Das bringt uns nichts. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind wir als Individuen und als Spezies in Schwierigkeiten. Viele Menschen suchen intellektuell nach einer spirituellen Antwort auf ihr Leben, wie z.B. religiöse Menschen. Religion ist ein Mittel, Spiritualität zu töten und zu zerstören. Starke Worte vielleicht, aber nicht ohne Gehalt: Religiöse Intoleranz hat im Zweifel mehr Kriege ausgelöst als alles andere.
Wer bin ich? Wenn diese Frage aus der Seele aufsteigt, ins Herz dringt, ist es Zeit, sich aus der Alltagshetze zurückzuziehen und nach innen zu wenden.
Jesus sprach die berühmten Worte: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ Ich erinnere mich, welche Wirkung diese Worte auf mich hatten, als ich Anfang 30 war. Ich und alle, die ich kannte, trachteten nach allem anderen zuerst. Wir arbeiteten den ganzen Tag und verbrachten vielleicht täglich eine Stunde oder weniger in Meditation, oder zwei Stunden pro Woche in der Kirche. Das war etwas ganz anderes, als das „Trachtet aber zuerst…“ Ich entschied mich, dem Rat zu folgen. Ich veränderte mein ganzes Leben – eine lange Geschichte – und trachtete zuerst…! Nach fünfzehn Jahren, während der ich auch in den tiefsten Abgrund meiner Seele gelangte, erfuhr ich die Antwort auf die Frage: wer bin ich?
Lasst mich ehrlich sein: Es war nicht einfach. Unser ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, genug Geld zu verdienen, um eine Familie trotz stetig wachsender Kosten ernähren zu können. Finanziell war es für mich und meine Familie sehr schwer. Ich hatte enorme Schuldgefühle, weil ich mit meiner inneren Suche meine Familie belastete. Meine verstorbene Frau unterstützte mich hundertprozentig in der Sache, aber das zahlte nicht unsere Rechnungen. Der einzig mögliche Weg war, den Worten Jesus‘ ganz zu vertrauen: „…und all dies wird euch hinzugefügt werden.“ Es war ein hartes Ringen, während ich langsam und schmerzhaft die Schale der Illusion abstreifen musste, um das innere Licht der Wahrheit zu finden. Wir leben mit fast endlosen Schichten der Selbsttäuschung. Ich musste mich erst von dem Konzept des Getrenntseins lösen, dann musste ich die Wirklichkeit des Getrenntseins loslassen. Nicht leicht. Ich musste alle Kritik und Urteile über mich selbst loslassen und das allein war ein Berg aus Schmerz und Leiden.
Die größte Herausforderung ist jedoch, die Identität loszulassen. Wir sind zutiefst geprägt von der Annahme, dass wir Identität und Persönlichkeit sind. Gerade Persönlichkeit ist das Fundament einer Person. Intellektuell zu akzeptieren, dass dies falsch ist, ist eine Sache. Aber tatsächlich das Sterben der Identität zu erlauben, ist etwas völlig anderes. Sogar diese Worte erzeugen einen Fehlschluss.
Während meines spirituellen Erwachens kämpfte ich damit, die Identität loszulassen. Es war ein langer emotionaler Kampf. Ich fand es schlicht unmöglich, meine Identität loszulassen. Denn die Identität war ich, wie konnte ich mich loslassen? Ich gab auf. Ich gab mich geschlagen – und in diesem Moment hatte ich eine innere Offenbarung. Ich, als Identität, existierte gar nicht. Identität war/ist eine totale Illusion… und in diesem Moment wusste ich bis in meinen innersten Kern, dass dies die Wahrheit war und erwachte zur Liebe/Licht des Selbst. Natürlich spiele ich das Identitätsspiel noch, soweit andere Menschen betroffen sind, aber auf einer inneren Ebene bin ich, der ich bin. Ich erfahre das Sein eines unsterblichen, metaphysischen und multidimensionalen Wesens aus Liebe/Licht. Genau das bist du auch.
(Übersetzt von Elisabeth Karsten)




Der Autor Michael Roads ist gebürtiger Engländer und ein international bekannter, zeitgenössischer spiritueller Lehrer. 1986 zu seinem wahren Selbst erwacht, bereist er von seiner Wahlheimat Australien aus seit über 25 Jahren Europa, Amerika und Asien, um seine Weisheit in Vorträgen und Intensivseminaren zu teilen. Die Erkenntnis tiefer Wahrheiten hat Michael vor allem aus dem innigen Dialog mit der Natur gewonnen. Seine metaphysischen Erfahrungen beschreibt er ausführlich in seinen zahlreichen Büchern, die in 16 Sprachen übersetzt sind. Mehr Informationen zu Michael Roads: www.michaelroads.de


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