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Ausgabe Dezember 2012
Die Sieben Strahlen. Renate Anraths

Die von Alice A. Bailey herausgegebene Schriftenreihe über die “Sieben Strahlen“ ist die Karl-Marx-Reihe für Esoteriker. Ein Beitrag zu den „Sieben Strahlen“ von Renate Anraths.

Unter den spirituellen Bewegungen befinden sich die „Sieben Strahlen“ in einer fast unbekannten Nische. Obwohl gerade sie den Weg nach außen geht, indem sie „Jünger im Neuen Zeitalter“ zum spirituellen Dienst an der Welt erzieht. Aber es ist eben keine Wohlfühl-Esoterik. Natürlich darf man sich wohl fühlen, nur ist das nicht Sinn und Zweck der Philosophie der „Sieben Strahlen“ .

Die Sieben Strahlen
1. Der erste Strahl des Willens
2. Der zweite Strahl der Liebe und Weisheit
3. Der dritte Strahl der Aktiven Intelligenz
4. Der vierte Strahl der Harmonie, geboren aus Konflikt
5. Der fünfte Strahl des Konkreten Wissens
6. Der sechste Strahl des Idealismus
7. Der siebte Strahl der Zeremonien
(Wassermannzeitalter)

Die Lehre der „Sieben Strahlen“ wurde in den 30ern von Alice Bailey niedergeschrieben. Dabei stammen die Texte nicht von ihr, sondern wurden ihr vom „Tibeter“ diktiert, telepathisch. Wie es dazu kam, erzählt sie in ihrer Autobiografie. Sich selber nennt der Tibeter einen „Jünger“, der die Aufgabe, eine neue Lehre in die Welt zu bringen, leisten könne, weil er eben „länger auf dem Weg“ sei. Alice Bailey war Theosophin, verließ jedoch die Gesellschaft wie Krishnamurti auch. Später gründete sie die „Arkanschule“ mit Sitz in London, New York und Genf. Der Tibeter gab die Erlaubnis unter der Bedingung, dass er nichts damit zu tun hätte. Die Arkanschule bietet ein geregeltes Studium der „Sieben Strahlen“, mit Semesterarbeiten und monatlichem Meditationsbericht. Das ist zumindest für den Einstieg eine gute Möglichkeit, da man sich in der Fülle der Literatur leicht verliert. Tutoren begleiten die Studenten, alles findet schriftlich statt, alles Persönliche bleibt unerwähnt. Wer täglich 25 Minuten meditiert und eine halbe Stunde studiert, hat am Tag genug Zeit für seine persönlichen Fragen.
Der Name Djwal Kuhl wurde bis in die 50er geheim gehalten, um jeden Personenkult zu vermeiden. Damit die Leser nicht, „womöglich mit angehaltenem Atem“, der Faszination der geheimnisvollen Textübermittlung erliegen. Enthusiasmus, der ja so viele beflügelt, sei der Hemmschuh für alle Esoteriker! Der Meister Djwal Kuhl verlangt keinen Glauben – weder an seine Person noch an die Lehre. Er fordert nur, seine Thesen als Hypothese anzunehmen und diese als Hypothese zu untersuchen, was man als wahr erkennt. So, wie es jeder Forscher tun muss.

„Die Lehre der Sieben Strahlen“ ist eine okkulte Lehre für das Neue Zeitalter.
Zur Wende zum 20. Jahrhundert habe „Shamballa“ beschlossen, dass die Hingabe an die Person des Meisters nicht mehr zeitgemäß sei, sondern zur Mystik des Fischezeitalters gehört. Der moderne Esoteriker ginge eher in eine gesellschaftliche Organisation als ins Kloster, so der Tibeter. Das Wassermannzeitalter braucht den Okkultisten. Er widmet sich dem Inhalt einer Lehre und beschreitet den mentalen Weg. Er arbeitet in der Gruppe der Weltdiener für „rechte menschliche Beziehungen“, auch mit Licht, wie es der „Wissenschaft der Dreiecke“ entspricht.
Die „Lehre der Sieben Strahlen“ bietet ein Weltbild hierarchischer Ordnung. Die Welt gehört zu einem Sonnensystem, das wiederum zu einem dahinterliegenden größeren gehört und dieses ist ebenfalls Teil eines größeren … Die Plejaden, Sirius, der Große Bär sind nach dieser Theorie spirituelle Zentren, die kosmische Energien aus einem dahinter liegenden Sonnensystem vermitteln. Weiteres müsse verhüllt bleiben, weil es das Verständnis einer höheren Einweihungsstufe voraussetzt, sagt der Tibeter.
Die Welt wird als Werk der Sieben Strahlen beschrieben. In der Bibel heißen sie die Sieben Geister vor dem Thron Gottes, in der Astrologie die Sieben Heiligen Planeten. Sie sind die Hauptstrahlen, aber bei jedem schwingen die anderen als Unterstrahlen mit, den Spektralfarben oder Obertönen vergleichbar. Die Sieben Strahlen prägen die vier Naturreiche – sind Bausteine für Mensch, Tier, Pflanzen und Mineralreich. Einer der Lehrsätze ist, dass alles nach gleichen Gesetzen abläuft.
Ein wahrer Esoteriker sei, der diese Gesetze kennt. Der weiß, dass sich nur die Terminologie unterscheidet. Ob Psychologen, Physiker oder Chemiker von Kräften, Stoffen oder Gefühlen sprechen, zeigen sich gleiche Reaktionsmuster. Anziehung, Abstoßung und Rückkehr in den ursprünglichen Zustand, dem Gesetz der Dualität folgend. In der Lehre der Sieben Strahlen wird zwischen Energie und Kraft unterschieden. Energien sind ewig, Kräfte sind vergänglich. Die Sieben Strahlen sind Energien.
Die okkulte Meditation hat nichts mit Entspannung zu tun, hier werden Intuition und Vision geschult und angewendet. Als Dienst und nie für persönliche Zwecke! Eine wichtige Rolle spielen dabei die Gleichschaltung, der Saatgedanke und die Visualisierung. Seelenbewusstsein ist das Ziel.*
Djwal Kuhl nennt die Seele die „geistige Mutter“. Sie hilft mit Liebe und Weisheit, wenn wir ihre Impulse aufnehmen. Sie ist traurig, wenn wir es nicht tun und wartet geduldig, bis wir es endlich tun.

„Die Seele verfolgt eine Absicht, sie besitzt Wille und Kraft. Diese drei sind notwendig für den Weg der Befreiung. Die Seele muss die Liebe zwischen den Menschen hegen und pflegen, denn das ist ihre eigentliche Absicht.“ --- Saatgedanke aus einer Meditation


Die okkulte Mediation bietet Techniken an, wie man Seelenkontakt herstellt, welche Chakren und Zentren man dafür öffnen muss. Die unteren Chakras werden, weil astraler Natur, nicht aktiviert. Kontakt mit der Seele setzt „Gleichschaltung“ voraus. Das bedeutet, dass man die Schwingung, Farbe und Ton der ätherischen „Hüllen“ der Schwingung der Seele angleicht und sich nach ihr ausrichtet. Damit man mit den Augen der Seele sehen und entsprechend handeln kann - in Liebe und Weisheit, denn das ist die Eigenschaft der Seele.
Man schult seinen Geist, indem man über einen längeren Zeitraum einen Gedanken intuitiv, nicht intellektuell beleuchtet – einen „Saatgedanken“. Von allen Seiten. Man schult seine Visionsfähigkeit, um Hinweise zu empfangen, welche wichtigen Themen für die Welt anstehen und welche man mit aktiver Lichtarbeit unterstützen kann. Hintergrund dieser Arbeit ist die Annahme, dass es einen „Plan Gottes“ gibt – einen „Plan des Lichtes und der Liebe“, den es wiederherzustellen gilt.
In den 40er Jahren gab es ein Experiment: Der Tibeter gründete die „Jüngerschaft im Neuen Zeitalter“. Aufgenommen wurden spirituell fortgeschrittene Menschen, egal welcher Religion und Nationalität. Sie wurden von ihm direkt unterwiesen. Das Experiment bestand darin, telepathisch für die Menschheit zu arbeiten. Ein Aspekt war die Vorbereitung einer Friedensphase für die Zeit nach dem Krieg. Nun, noch ist die Welt kein Ort des Friedens.


* Das Wort „Gleichschaltung“ ruft oft Abwehr hervor, weil es an die Sprache der Nazis und einer Diktatur erinnert. Alice Bailey wird auch wegen ihrer Texte zur spirituellen Bedeutung der Arier eine Nähe zum Faschismus unterstellt. Mir unverständlich. Denn Faschismus sondert aus, stuft Leben als wert oder unwert ein. So streng die Lehre der „Sieben Strahlen“ auch sein mag, sie ist integrativ und absolut tolerant gegenüber jeder Lebensform. Ich habe weder in den Schriften noch in der Schule je faschistoide Tendenzen entdeckt.

Die Autorin Renate Anraths arbeitet auf der Grundlage der Sieben Strahlen als Autorin, Tarotberaterin und Astrologin in München.

Buchtipp: Renate Anraths: Tarot – dem Leben in die Karten schauen, Simon+Leutner Verlag


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