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Ausgabe Juli 2012
Seelenatem Was uns führt; von Katja Neumann

Es gibt Berufe, die (fast) ausschließlich der inneren Stimme folgen, die anders gar nicht funktionieren würden. Diese Gabe, die wir alle besitzen, und die zur Verfügung stellen zu dürfen ein großes Geschenk ist, birgt aber auch eine große Verantwortung. Vor allem sich selbst gegenüber.Die schamanische Heilpraktikerin Katja Neumann erzählt von Umwegen und dem Weg, ein gesundes Gleichgewicht zu finden. Denn gerade in dieser Berufung halten eigene Befindlichkeit und Ego nette Stolpersteine bereit.

Alles ist Energie, es fließt und es pulsiert. Leben ist Bewegung. Allein in unserem physischen Körper strömen das Blut und der Atem. Der craniosacrale Puls z.B. wurde erst vor “relativ“ kurzer Zeit (vor ca. 100 Jahren) entdeckt. Auch die feinstofflichen Körper pulsieren, ziehen sich zusammen und dehnen sich aus, reagieren aufeinander und auf das „Außen“. Und je weiter man den Zoom zieht, desto mehr dieser Pulse finden wir: Die Bäume atmen, die Erde atmet, das Universum atmet. Also alles ein großes gemeinsames Atmen - und wenn wir uns da hineinfließen, uns ein- und ausatmen lassen, dann nennt man das Intuition. Über das Verbinden mit dem kosmischen Puls haben wir Zugriff auf das große Wissen. Alles Wissen ist um uns, es geht nichts verloren, das Universum ist unsere Bibliothek…wenn nur nicht immer der Kopf dazwischenquatschen würde.
Durch Erziehung, kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen, Moral - oder was wir dafür halten - und die ganzen Glaubenssätze, Programme, Verkapselungen durch Verletzungen liegen Schicht um Schicht über uns, hüllen uns ein und engen uns ein. Erstickt fast unseren Seelenatem und lässt uns den kosmischen Atem immer weniger spüren. Aber nun sind wir ja dabei, das Atmen wieder zu lernen. Meistens jedenfalls und es gelingt immer besser…

Frau Hoffmann
Neulich rief ich Frau Hoffmann an (Name natürlich von der Autorin geändert), gefühlt dem Kollaps nahe, der Ohnmacht sowieso, ganz weit weg von mir, ertrinkend in Panik. Meine Frau Hoffmann. Ich habe sie nie gesehen, ich weiß nicht mal genau, wo sie wohnt, ich habe die Telefonnummer von einer Freundin.
Frau Hoffmann ist ein Medium. Das Schwierige daran ist, sie beantwortet nur Fragen, die man ihr auch stellt. Die muss ich mir also gut überlegen. Ich habe ja sogar den Verdacht, dass sie am Klingeln hört, ob sich die Frage lohnt oder ob sie gar nicht erst rangeht. Denn sie ist immer nur rangegangen, wenn es wirklich schlimm war.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich greife nicht drei Mal am Tag zum Telefon, um zu fragen, welche Socken, Tomaten…? Genaugenommen habe ich fünfmal angerufen in zwei Jahren. Zwei Mal, im Abstand von einem Jahr, war sie fast sofort am Apparat. Das erste Mal war ich nicht gut vorbereitet, hatte Herzschmerzen und keinen ausgeklügelten Fragen-Katalog, das Gespräch dauerte drei Minuten. Am Ende sagte sie in meine fieberhafte Suche nach einer weiteren Frage hinein: „Sie wussten die Antworten, nicht wahr?“ Ja!
Das zweite Mal war es ein wenig anders, ich stand sehr neben mir, war ver-rückt, nicht mehr Frau meiner Sinne und hatte damit den Draht zu meinen eigenen Antworten verloren. Ich weinte bei denen, die sie mir gab. Das war wie unsanft geweckt werden aus dem Dornröschenschlaf. Sie hat mich zurückgetreten in meine Wahrheit. Sie hat mir keine Entscheidung abgenommen - aber meine Freiheit zurückgegeben. Ich war kurz davor, meinen größten Schatz - meine innere Führung und mein Seelenheil - zu verkaufen. Für ein bisschen Illusion von der großen weiten Welt im „Draußen“ und davon, dass mich jemand anderes retten könnte als ich selbst. Ich hätte es wirklich gern geglaubt, denn auch ich finde das Leben manchmal anstrengend.
Wir haben das alle doch schon viel zu oft getan, tun es jeden Tag wieder, weil wir immer noch hoffen, der Prinz auf dem weißen Pferd reitet vorbei und alles wird gut. Wir glauben, jemand oder etwas im Außen könnte uns retten, wir sind dann bereit, sehr hohe Preise zu zahlen, nicht nur finanziell.

Woher wissen wir, was wir wissen?
… Es gibt ein Wissen, dass mich viel mehr fasziniert, als das, was man in Universitäten lehrt.
Es ist diese Weisheit (ich nenne das bewusst so), die eine Sardine hat, die in einem Schwarm von Tausenden schwimmt und wir uns beim Zusehen fragen, woher wissen die, in welche Richtung die anderen schwimmen? Vielleicht grübeln sie einfach nicht so viel.
… Oder wenn ich meiner Hündin ein homöopathisches Mittel gebe. Sie frisst es halt, weil die Wurst schmeckt. Ist das das Geheimnis, dass es sofort wirkt? Ich habe auch noch nie Erstverschlimmerungen bei ihr feststellen können.
… Oder eine Geschichte, die mein Mann mir vor Jahren mal erzählte: dass Schimpansen auf der einen Seite des Planeten gelernt haben mit Messer und Gabel zu essen (wofür auch immer das gut sein mag?) und es dauerte nicht lange und auf der ganz anderen Seite des Planeten konnten Schimpansen das auch - ohne dass sinnige Wissenschaftler es ihnen gezeigt hätten. Wirklich. Vielleicht kennen Sie das alles schon, aber ich freue mich darüber jedes Mal wie ein Kind.

Das übliche Vergessen, der Weg von uns weg
Das sind Geschichten, die mich bis heute zutiefst begeistern und berühren - vielleicht weil ich, wie viele meiner Generation, in einem sehr materiell und intellektuell ausgerichteten Haushalt aufgewachsen bin und weil es uns erinnert, dass es da noch etwas anderes gibt. Größer, mächtiger und (den Spirits sei dank) gleichmütiger! Informationen sind um uns herum, nichts geht verloren… für uns alle. Wir sehen vielleicht einen Beitrag im Fernsehen, lesen einen Artikel - und? Es hat nichts mit uns zu tun - denken wir! Aber wie kommen wir darauf zu glauben, dass wir so eine besondere Spezies sind, die anders funktionieren als der Rest der Natur? Weil wir 80, 70, 60… werden müssen, um bei uns selbst anzukommen? Was ist daran intelligent?
Die Umwege, die wir bisher gemacht haben, um uns selbst zu finden, waren und sind mannigfaltig. Immer wieder denken wir, wir haben es jetzt verstanden, aber die Zweifel sitzen so tief… Ich dachte auch, ich glaube nicht mehr an den Prinzen mit dem weißen Pferd und wäre doch fast dem Frosch aufgesessen….das hat mich nicht desillusioniert und ich weiß, es gibt den Prinzen und auch das Pferd, ich glaube das mehr denn je… aber ich glaube nicht mehr an “da draußen“!

Geschenkte Zeit
Im Rückblick möchte ich meinen, trotz widriger Umstände habe ich mich immer gegen alles gewehrt, was mir meinen gefühlten Weg verbaut hat. Oder zumindest bin ich rechtzeitig ausgestiegen und habe mich besonnen. Mit viele Umwegen, ja. Bis heute bekomme ich schlechte Laune und/oder es geht mir körperlich elend, wenn es nicht stimmt, nicht in meiner Ordnung ist. Damals und immer wieder, auch bis vor kurzem, habe ich an mir gezweifelt, weil ich halt nicht so funktionierte, nach Plan, weil ich gewünscht hätte, es anderen recht machen zu können. Heute bin ich dafür dankbar, dass es nicht funktioniert hat…mit dem Luftschloss-Prinzen nicht und überhaupt. Ich weiß heute auch, dass dieses „Recht machen/ Geliebt werden wollen um jeden Preis“ dem anderen auch keinen Gefallen tut - es gehören immer zwei dazu: Abhängige und Co-Abhängige. Die, die nur nehmen und die, die nur geben. Wie immer: es ist die Mitte. Ying und Yan. Ich bin Prinzessin und Prinz. Oder wie ein Buchtitel so charmant kratzig sagt: „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest“ (econ Buch von Eva Maria Zurhorst).

„Ich sah einen Engel in einem Mamorblock und habe einfach gemeißelt, bis ich ihn freigelegt hatte.“ (Michelangelo)

Die Mischung macht´s!
Sein Leben ganz der Bauchstimme zu widmen ist eine feine Sache, aber wie überall braucht es auch hier ein Gleichgewicht, einen Gegenpol. Es gibt nie nur eines und wir haben unseren Verstand nicht aus Versehen, als Laune der Natur. So macht es durchaus Sinn, manchmal innezuhalten. Nicht jeder Impuls tut uns oder unserer Umwelt gut. „Erwachsen“ ist es, trotzdem nett zur Kassiererin zu sein, auch wenn unsere hundsmiserable Laune was anderes sagt, um mal ein harmloses Beispiel zu nennen. Ich renne auch nicht durch die Gegend und erzähle jedem von meinen Krafttieren, weil mir gerade danach ist. Wie sich das da draußen in der alltäglichen Wirklichkeit auswirken würde, können Sie sich vielleicht vorstellen.
Und auch wenn man manchmal intuitiv weiß, was ein anderer Mensch brauchen könnte oder was die ultimative Lösung seines Dilemmas wäre, so steht es uns nicht zu, demjenigen das überzuhelfen - es sei denn, er bittet ausdrücklich darum. Intuition hat sehr viel mit Liebe und genauso viel mit „sein lassen“ bzw. loslassen zu tun. Etwas unbedingt und sofort - oder noch besser gestern - zu wollen, egal, ob für sich oder andere, hat wenig mit intuitivem Handeln zu tun.

In der schamanischen Arbeit
Wenn jemand in meine Praxis kommt, mir den Auftrag gibt und sein Vertrauen, für ihn schamanisch zu reisen, zu vermitteln zwischen Seele und Bewusstsein - dann ist es ein Moment, da darf es fließen, atmen. Ich bin nur der Kanal und reagiere auf den Seelenatem desjenigen. Nicht mein Tempo oder meine Meinung sind von Bedeutung, sondern nur das, was sich zeigt. Bilder kommen und gehen und wie überall sind die ersten die Wichtigsten. Das zweite ist dann vielleicht schon mein Kopf, der interpretiert. Das zu unterscheiden, ist die ganze Kunst.
So hat es sich auch bewährt, dass ich im Vorgespräch mit Intuitions-Karten arbeite, denn das, was dabei rauskommt, ist oft was ganz anders, als das, was mein Gegenüber sich zurechtgelegt hatte.
Das schönste Geschenk sind Rückmeldungen von Menschen, die vielleicht sehr skeptisch und verkopft zu mir kamen und mir hinterher begeistert erzählen, dass sie, kaum auf der Straße ihr Krafttier – in dem Fall einen Falken – auf dem Rücken eines Passanten als Emblem einer Baseballjacke getroffen haben. Oder eine andere, die ein Einhorn als Krafttier bekam, kaum zu Hause, erstaunt feststellte, das in ihrem Einkaufszentrum gerade „zufällig“ eine Ausstellung über Einhörner stattfand. Natürlich hat sie sich die mit ganz anderen Augen angesehen.
Und als ich heute mal wieder meine Frau Hoffmann anrief, ging sie - nun also zum dritten Mal - ans Telefon, um eigentlich nur zu sagen: „Sie wussten die Antworten schon, nicht wahr?“ Ja. Danke.

Katja Neumann ist Heilpraktikerin und Shamanic Counselor
Infos auf www.katja-neumann.de



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