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Ausgabe Mai 2012
Kraft der Liebe; Lisa Biritz

Lisa Biritz geht auf eine Reise um die ganze Welt, um Antworten auf Fragen zu finden, die sich heute die meisten Menschen stellen – auf der Suche nach einer neuen Lebensart in diesen schnellen und sich wandelnden Zeiten.

Auf meiner Reise durch Bhutan ereignen sich weitere ungewöhnliche Vorfälle. Wir verbringen eine Nacht in einem Gasthaus. Es ist weitläufig und befindet sich in einer abgelegenen Gegend, im Randgebiet eines kleinen Dorfes. Die meisten Häuser haben keinen Strom und sehen uralt aus. Alles, selbst die Menschen, kommt mir mittelalterlich vor.
In dem Gasthaus sind wir nicht allein. Auch eine große Gruppe von Mönchen übernachtet dort. Der schwere Duft von Weihrauch liegt in der Luft. Die Mönche sehen prächtig aus, wie sie in ihren dunkelroten und gelben Kutten in dem Raum, der offenbar der große Gemeinschafts- und Speisesaal des Gasthauses ist, sitzen und meditieren.
Es überrascht mich, dass sie sich nicht in einem Kloster aufhalten. Singhi erklärt: „Sie reisen in ihr Winterkloster, so wie jedes Jahr. Unter ihnen ist auch ein hoher Lama, ein spiritueller Führer. In dieser Gegend gibt es kein Kloster, das groß genug ist, um sie alle über Nacht aufzunehmen.“
In dieser Nacht bekomme ich kaum ein Auge zu. Durch die Außenmauern des Gasthauses ist ein ständiges Kreischen und Schreien zu hören. Die Geräusche sind sehr gruselig und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass dort draußen ein paar Geister versuchen, hier einzudringen.
Gegen ein Uhr nachts kann ich den Lärm nicht mehr ertragen. Ich wandere in den Flur hinaus, um Singhi in seinem Zimmer zu wecken und ihn zu fragen, was vor sich geht. Zu meiner Überraschung sehe ich am Ende des Flurs im Gemeinschaftszimmer eine kleine Gruppe von Mönchen. Ich gehe zu ihnen; ihre Anwesenheit tut mir gut. Als ich näher komme, höre ich, dass sie Mantras rezitieren, Gebete. Ich setze mich mit etwas Abstand hin, weil ich weiß, dass Frauen Mönche nicht ansprechen dürfen. Entspannt lasse ich mich in den Klang der Mantras fallen. Die summenden Stimmen der Mönche haben etwas Beruhigendes.
Ich erwache davon, dass ein Mönch sanft an meinem Ärmel zupft. „Sie können jetzt wieder ins Bett gehen“, sagt er in klarem Englisch. „Sie sind verschwunden.“ Ich sehe ihn verschlafen und verwirrt an. „Wo Licht ist, ist auch Dunkel. Gegensätzlichkeit. Die Dualität auf Erden.“ Er hört auf zu sprechen und ich starre ihn an. Nicht, weil er mit mir spricht, sondern weil er wie ein hochgebildeter Professor klingt. Ich bemerke, dass seine Robe eine andere Farbe hat als die der anderen Mönche. Dann begreife ich: Er ist der Lama.
„Das sind verirrte Geister der Verstorbenen“, erklärt er. „Sie sind nichts weiter als unsere andere Seite. Also lieben wir auch sie, voller Mitgefühl und Verständnis. Sie sind oft dort, wo wir sind, weil sie unser Licht haben wollen. Wir beten für sie, damit sie das wahre Licht auf ihrem Pfad wiedererlangen und um ihnen zu helfen, den Weg dorthin zu finden.“
„Sind sie gefährlich? Was kann ich tun, um mich zu schützen?“, frage ich nervös.
Er lächelt. „Seien Sie unbesorgt – sie können Ihnen nichts tun. Erklären Sie ihnen einfach, dass Sie nicht die Quelle des Lichts sind – dass es das große Licht und die große Liebe sind, zu denen sie reisen und zurückkehren müssen. Das ist der stärkste Schutz. Liebe und Licht. Umgeben Sie sich selbst mit Liebe, empfinden Sie Liebe und Mitgefühl in sich selbst, für sich selbst und für alle Geschöpfe.“
Bis heute nutze ich diesen einfachen, aber höchst wirksamen Schutz, den mir der buddhistische Lama in jener Nacht beigebracht hat. Keine besonderen Zaubersprüche oder Mittelchen – einfach nur Liebe, Mitgefühl und Licht. Sie sind die stärkste Medizin, die es gibt.

Die elementare und uralte Macht, die alles Lebendige nährt, wird für immer und ewig die Liebe sein.

Liebe ist die stärkste Kraft, die es gibt; sie ist der Klebstoff, der das Universum zusammenhält und dafür sorgt, dass die Menschen auf dieser Erde überleben können. Die meisten von uns üben die Liebe noch. Und genau deswegen sind wir alle hier auf der Erde.
Die Liebe in unserem Herzen ist mehr als nur ein Gefühl. Mir fällt ein, was ich in John Selbys Buch Die Liebe finden gelesen habe – dass die Liebe ein realer muskulärer und hormoneller Zustand in unserem Herzen ist. Er beschreibt dort, dass im Rahmen der Princeton Engineering Anomaly-Studie über zwanzig Jahre hinweg untersucht und dokumentiert wurde, wie unser Herz und unser Geist eine energetische Kraft an die Umgebung abgeben, die nachweislich die Leistung sehr empfindlicher elektronischer Geräte beeinflussen kann.
Das Herz erzeugt ein elektromagnetisches Feld, das in die Umgebung abstrahlt, genauso wie unsere Körper als Ganzes und unser Planet ein Energiefeld absondern. Das elektromagnetische Feld Ihres Herzens strahlt nach außen einen energetischen Ausdruck der Gefühle in Ihrem Herzen ab – und die Struktur dieses Feldes verändert sich beachtlich, je nachdem, welche Emotionen Sie in Ihrem Herzen fühlen. Darüber hinaus wird die Kraft dieser Strahlung bei zunehmender Entfernung vom Sender nicht geringer.
Es wurde außerdem entdeckt, dass die Ergebnisse bei Menschen, die glücklich oder voller Liebe waren, nicht doppelt, sondern sechs Mal so stark waren wie bei Individuen, die nicht liebten und keine Freude empfanden. Das bedeutet, dass Liebe und Glücklichsein auf wissenschaftlicher Ebene nicht nur innere Gefühle, sondern nachweisbare Kräfte sind, die wir ausstrahlen und die die Welt beeinflussen. Wenn wir von der Macht der Liebe reden, dann reden wir über eine reale Macht. Jeder von uns kann sich dafür entscheiden, diese Kraft in seinem Herzen, seinem Geist und seiner Seele zu stärken und nach außen zu senden.

Aus: Lisa Biritz, „Spirit im Gepäck“, mit freundlicher Genehmigung des Amra-Verlages.



Buchtipp:
Lisa Biritz: Spirit im Gepäck, AMRA Verlag, Hanau, 2012, 188 Seiten, 16,95 Euro


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