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Ausgabe April 2012
Können wir uns schützen? Oder können wir einfach alles weglieben? Von Katja Neumann

Katja Neumann macht sich Gedanken, die sich auf Grund ihrer schamanischen Heilarbeit zum Thema Schutz auftun.

Mir begegnen oft zwei extreme Haltungen. Die einen schützen sich gegen alles und jeden, sie bauen Mauern des Misstrauens bei jeder zwischenmenschlichen Begegnung, und die anderen wollen nur Liebe, sind immer voll des Lobes. Sie meinen, wenn sie nur genug lieben und genug leuchten, dann kommen sie glimpflich davon. Ich meine das Sich-richtig-Schützen braucht ein gewisses Maß, einen Mittelweg und ein In-der-Ordnung-Sein. Wir alle sehen das „Böse“ natürlich im Außen und fühlen uns dabei als Opfer von irgend etwas, das uns zufällig gerade von der Seite anfällt - das alles hat scheinbar nie etwas mit uns zu tun.

Das Seelen-Programm
Ich mache diesen Umweg über den Tod ganz bewusst, rolle das Thema sozusagen von hinten auf, denn gerade wenn es um das Thema Schutz geht, ist das so aktuell wie nie und gleichzeitig so alt wie Seele selbst. Vieles, was uns - und in dieser ständig steigenden Energie der Erde besonders - umtreibt, hat seine Wurzeln vor langer langer Zeit. Jedes menschliche System, das sich entschieden hat, mitzumachen, ist gerade damit beschäftigt, die Zellinformation umzubauen – man könnte sagen ein „Update“ der Festplatte zu kreieren. Unser Dilemma, wenn man es so nennen mag, ist, dass wir bewusst nur Zugriff auf den „temporären Ordner“ haben - und keine Ahnung, was im Hintergrund noch an Programmen läuft.

Über den Tod hinaus
Wir können uns nicht vor etwas schützen, was wir selbst mal angezettelt haben! Im Schamanismus nennt man das Geleiten der Seele und das Begleiten Sterbender Psychopompos. Es war selbstverständlich, sich nicht nur um die sterblichen Überreste zu kümmern, sondern vor allem um das, was weiter existiert.
Und es gab Fachfrauen und Männer, die Schamanen, die in dieses Wissen und in die Rituale eingeweiht waren und die gerufen wurden, wenn es für eine Seele Zeit war zu gehen oder aber auch, wenn jemand den Eindruck hatte, eine „erdgebundene“ Seele sei in der Nähe, die nicht alleine wegkommt. Auch Menschen, die tot sind, kann geholfen werden. Wir kennen es vor allem von den Buddhisten, die sich dieses alte Wissen bewahren konnten, dass in gutem Karma auch Erlösung liegt, wobei es auch immer viele Wege dorthin gibt.
Ein sehr wertvolles und wichtiges Wissen, das nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für uns alle und die Entwicklung, den Aufstieg der Erde große Bedeutung hat. Genau dieses Wissen und das Vergessen hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Man sagt, die Erde kam aus dem Licht, ging ins Dunkle und ist nun wieder auf dem Weg ins Licht. An diesen Prozessen sind wir seit je her beteiligt, wollten immer wieder dabei sein, helfen und lernen. Und zwar vor allem durch die Schatten. Deswegen lässt sich die Frage, die mir oft gestellt wird in meiner Praxis: “Wie kann ich mich schützen?“ nicht in zwei Sätzen beantworten.

Schattenspiel
Denn natürlich haben wir dieses Wissen auch oft benutzt. Wir tun es noch, wesentlich unbewusster, selbst wenn wir noch so sehr davon überzeugt sind, wir seien „nur gut“, wirklich nette Menschen und haben nur das Beste im Sinn - so hat die „Festplatte“ auch noch andere Infos abgespeichert. So rein Seele selbst ist, jeder war auch Täter! Wir leben aber vor allem gerne das arme Opfer. Schuldig im Sinne der Geschichte möchten wir alle nicht sein. Verständlich. Also ist´s wieder keiner gewesen.
Das Annehmen der nicht erinnerten, nach unserer moralischen Vorstellung, „dunklen“ Vergangenheit ist der erste Schritt zum sogenannten Schutz. So war‘s und so ist‘s.
In allen Zeiten ging es immer wieder um Gier, Macht, Sex mittels Intrigen und Missbrauch aller Kräfte, insbesondere spiritueller Kräfte und um die Schwächung des Gegenübers in immer wiederkehrender Rivalität unter alten Magiern und Magierinnen.
Wir wussten selbstverständlich, wie wir uns die spirituelle Kraft des anderen aneignen können. Filme wie „Highlander“, „Eragon“, „Herr der Ringe“ etc. erzählen davon, haben mehr Wahrheit, als wir uns manchmal vorstellen mögen. Wir wussten, wie man Seelen festhält, damit sie gar nicht erst gestärkt und gereift wiederkommen können. Wir wussten, wie man Seelen zerstört. Ein sehr altes, die Seele schwächendes Ritual ist es beispielsweise gewesen, den Leichnam getrennt von seinem Herzen zu begraben, dieses also vorher zu entfernen und entweder an einem anderen Ort oder gar nicht zu begraben.
Ritter, Adlige und andere machtvolle, hochentwickelte Inkarnierte luftdicht einzumauern, tot oder lebendig war ein weiteres. In einem nicht oder sehr langsam verwesenden Körper, geschwächt und qualvoll gestorben, oft belegt mit einem Bann oder Fluch, kann die Seele sich nicht leicht lösen oder bleibt gar gefangen. Und es ist egal, ob es zu atlantischen Zeiten oder im letzten Weltkrieg passiert ist. Oder gestern.
In den seltensten Fällen hat sich jemand die Mühe gemacht, das wieder aufzulösen, zu heilen und in der großen Zeit des Vergessens haben wir den Zugang zu den Ritualen verloren. Wir haben uns regelrecht davon wegrationalisiert. Ist ja eh alles nur Einbildung!
Das ist in Ordnung! Im Plan. Wir wollten das so, haben uns als Täter und als Opfer immer wieder verabredet, denn die Seele will alles lernen, so grausam es für uns klingt. Es geht nicht um Schuld oder wer der bessere Mensch ist, sondern dass wir uns das wieder bewusst machen, uns erinnern.
Auch wenn Sie es nicht mehr hören können: Alles hat mit uns zu tun. Keiner wird aus Versehen von einem Dämon angefallen oder krank, hat Ärger mit dem Nachbarn … Und es geht dabei nicht um Wertung, Bestrafung, das jüngste Gericht oder was immer Mensch sich ausdenkt. Wir brauchen niemanden im Außen für unsere alltägliche Selbstsabotage.

Also, wie schütze ich mich?
Es nützt nichts: Wir können nur hinsehen. Je länger wir meinen, kämpfen zu müssen, desto länger halten wir es von uns weg - und wir kämpfen viel: für eine bessere Zukunft, gegen den Krieg, die doofen Politiker, den unfähigen Chef, gegen Krankheiten (wie oft liest man: …hat den Krebs besiegt! Wirklich?).
Zwei ganz wichtige und effektive Aspekte, die über den aktuellen Befindlichkeitszustand hinausgehen und langfristig „schützen“. Das ist erstens: Hinsehen, auflösen und sich selbst vergeben. Und zweitens, sich selbst die Ehre zu erweisen, auch den Tod als eigenverantwortetes Ritual zu kreieren. Das überlassen wir nämlich meist immer noch den anderen.

Hinsehen, auflösen und sich selbst vergeben
Das ist nicht neu, das sind die meisten Themen nicht. Trotzdem habe ich in meiner Praxis damit die größte und schwerste, aber auch befreiendste Arbeit. Jeden Tag trage ich Schichten von Gelübden, Flüchen und Programmen ab, bringe gebundene Seelenanteile aus früheren Leben, Seelenstärken, von denen wir uns aufgrund alten Machtmissbrauchs abgetrennt haben, zurück. Löse alte Verstrickungen und heile Familiengeheimnisse. Es ist dran, es ist reif! Keiner muss, aber alles darf.

Den Tod als eigenverantwortetes Ritual kreieren
Wenn wir schon so gut gelernt haben, dass wir unsere Wirklichkeit gestalten, dann können wir den Tod nicht ausklammern. Es geht dabei weniger um die Blumen auf dem Grab oder wer die Rede halten soll, sondern Ihre Klarheit, Ihre Absicht für den weiteren Weg. Es wird sehr viel über den Verbleib des Körpers diskutiert, Beerdigungsrituale sind auch wirklich sehr wichtig, vieles, was der Seele für einen guten Übergang dienen würde, ist leider aber sogar gesetzlich verboten und selbst Sterben ist für manchen zu teuer. Da gibt es inzwischen ja aber auch ein paar mehr Möglichkeiten.
Aber wer geleitet die Seele? Das kann jeder sein, aber wir sollten uns gegenseitig einweihen, miteinander reden. Überhaupt: Reden, reden und nochmal reden. Blöd nicht? Aber manchmal ist es so einfach.

Eine von vielen Entscheidungshilfen
Wussten Sie zum Beispiel, dass die Seele in ungünstigen Fällen bis zu einem Jahr braucht, bis sie sich mit all ihren feinstofflichen Körpern von dem physischen lösen kann bei einer üblichen Erdbestattung, wie wir sie heute praktizieren? Wie gut und schnell sich Mental-, Emotional- und Ätherkörper vom physischen Körper trennen können, hängt (auch) vom Aufhören der chemischen Prozesse und der Verwesung ab. Ganz abgesehen von Todesart, Klärungen von Beziehungen und seelischen Hilfestellungen.
Den Körper zu verbrennen, also einäschern, unterstützt uns bei dem Übergang, leicht und schnell rauszukommen und uns komplett zu lösen. Denn auch wenn der Körper „nur“ die Wohnung der Seele ist, so sind wir doch stark mit ihm verwoben und wie schon vorher erwähnt, sind alle Informationen auch in den Zellen gespeichert. Durch das Verbrennen wird diese Energie wieder frei und gleichzeitig fällt der Verwesungsprozess weg. Auch gut für Mutter Erde, bei all den Giften und Fremdstoffen, die wir heutzutage intus haben.

Dran bleiben und Gutes tun
Immer mehr Seelen kommen wieder frei, können endlich gehen, um wiederzukommen. Immer mehr Menschen lernen, die Energien zu nutzen, Seelenarbeit zu leisten, Gelübde und Flüche zu heilen, gebundene Seelen und Seelenanteile zu befreien.
Nichts geht verloren: Wir können es uns alles wieder holen. Und so kommt es, dass immer mehr von dem alten Wissen wieder freigesetzt wird, immer mehr Menschen aufwachen und wie eine Laola-Welle die nächsten anstecken. Wir schließen den Kreis nicht, wir schwingen uns auf in der Spirale. Und dazu gehört auch, den Tod wieder mit einzubeziehen, ihn zu vollziehen, wie alle Rituale, bewusst hinüber zu gehen und dafür genauso die Verantwortung zu übernehmen wie für alles andere auch.
Irgendwann müssen wir uns dann auch wirklich nicht mehr schützen. Vor nichts und niemanden. Und auch diesen Planeten nicht mehr vor uns.






Die Autorin Katja Neumann ist Heilpraktikerin und Certiefied Shamanic Counselor in eigener Praxis in Berlin - www.katja-neumann.de


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