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Ausgabe Dezember 2011
Übertragung in Familien; von Christian Schilling

Gerade in der Weihnachtszeit beschäftigen sich viele Menschen mit ihren Angehörigen, „der Familie“. Einige freuen sich auf ein lang ersehntes Wiedersehen mit Eltern, Geschwistern, Kindern, halt allen, die Dazugehören. Und dann gibt es auch die, die wir nicht sehen wollen, aber müssen. Da müssen wir durch, sagt eine innere Stimme zu uns, hoffentlich nicht wieder Streit …


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Ich erlebe die Aufstellungsarbeit manchmal wie eine Zeitreise in die Matrix der Vergangenheit, um die Gegenwart zu heilen. Um mit Lösungssätzen in der Vergangenheit die entstandenen Gefühle zu verändern, beispielsweise alleine durch das Aussprechen von „Lösungssätzen“. Doch es bedarf so einiger Bewegungen der Seele und des Geistes, um wirklich „frei“ zu werden.
Nach meiner Erfahrung tragen viele Menschen Schicksale von anderen aus ihrer Sippe, und das muss nicht sein! So etwas kann man versuchen zu lösen, wir sagen, wir geben es da hin, wo es hingehört. Leichter gesagt als getan. Da ist z.B. die Tochter, „Papas Tochter“, sie ist immer zu nahe bei ihrem Vater, die Mutter wird oftmals abgelehnt, der eigene Partner wird dadurch oft nicht richtig gesehen, der Papa ist immer dazwischen, er ist halt der bessere Mann. Das gleiche natürlich andersherum. Der Sohn ist zu dicht bei der Mutter, Mamas Liebling - ist fast schon ein Schimpfwort. Da wird die eigene Partnerin nicht gesehen. Wer da zu dicht bei einem Elterteil ist, bekommt von seinen Geschwistern oft Vorwürfe zu hören, „ immer bekommt Er/Sie alles, ich nichts“. Das entsteht meist durch das, was wir „Übertragungen“ nennen, wir tragen Schicksale von Personen aus unserer Sippe. Dadurch können viele Kinder, sprich wir, die wir alle Kinder zweier Eltern sind, unsere Eltern nicht annehmen, das heißt „Ja“ zu ihnen sagen. Wer „Ja“ sagen kann zu seinen Eltern, der kann auch „Ja“ zu sich sagen, behaupte ich mal. Und da fängt das Spiel ohne Ende an.

Wir alle sind Kinder zweier Eltern, alle wurden von einem Vater gezeugt und kommen aus einer Mutter, sprich unserer Mutter, jeder nimmt zirka neun Monate bedingungslos von seiner Mutter, wird geboren und braucht dann noch mehrere Jahre Betreuung von seinen Eltern (oder anderen Helfern), bis er alleine leben kann. Und wer es von seinen Eltern nicht nehmen kann, dem fällt es oft schwer, das eigene Leben zu nehmen, es sich gut gehen zu lassen. Wir tragen Schicksale überwiegend der leiblichen Eltern, manchmal gibt es auch zum „Erzeuger eine heimliche verbotene Liebe“, wir sind zu Hälfte ER oder SIE.

Wie eine Übertragung entstehen kann Der Vater hatte vor der Ehe eine erste Partnerin, diese hat sich von ihm getrennt, er fiel erst mal ins Bodenlose. Dann lernte er die Mutter kennen. Eine gewisse Sehnsucht zu seiner ersten Frau blieb. Seine erste Tochter wurde geboren und nun beginnt die Übertragung, der Vater denkt heimlich, wenn meine erste Frau mich noch will, bin ich weg - und geh zu ihr um dann glücklich zu sein. Ein unbewusster Teil aus vielen Tausenden Jahren Menschheitsgeschichte, ein Instinkt, sagt der Tochter, Papa, wenn du gehst verhungere ich, ich mach alles damit du bleibst, ich vertrete diese Frau und bin ein wenig wie Sie. Papa sagt dankend zu und bleibt und hat ja jetzt seine Tochter ganz für sich und jenes Gefühl von damals. Mutter ist da ein wenig die Dumme, erstmal sagt sie zu ihrer Tochter ja, aber einiges macht die Tochter immer falsch…...einfach immer, der Sohn oder die zweite Tochter bekommen einfach immer mehr an Zuwendung. Welch Frau will die Erste von ihren Mann mit im Haus haben? Und unsere Tochter klagt die ganze Welt an, was für eine Ungerechtigkeit in unserer Familie, durch meine Mutter. Der spätere Mann der Tochter kann es ihr auch nicht rechtmachen, der Papa steht dazwischen, denn wenn sie Papa verlässt stirbt sie, also bleibt sie beim Papa und wechselt schon mal den Mann. Das Ganze ist absolut unbewusst. Das Gleiche natürlich andersherum, Sohn Mutter und chancenlose Frau des Sohnes. Dann gibt es natürlich auch, dass beide Partner von Ihren Eltern tragen, oder Großeltern, mit Kriegsvergangenheit, sprich Partnern aus besetzten Kriegsgebieten, Zwangsarbeitern .... Um mit Lösungssätzen in der Vergangenheit die entstandenen Gefühle zu verändern, reicht beispielsweise alleine das Aussprechen bei unserem Vater, „Ich liebe Sie noch immer und trage es allein“.“Und du Tochter bist frei.“

Der Autor Christian Schilling ist seit über zehn Jahren Familienaufsteller, arbeitet in vielen Städten, auch in Berlin,
weitere Informationen auf www.Familienstellen.org


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