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Ausgabe Oktober 2011
Dan Millman: Die vier Ziele des Lebens

Für ein bewussteres, zielgerichtetes Leben plädiert Dan Millman, der Autor des bekannten Titels „Der Pfad des friedvollen Kriegers“.

Die vier Ziele
In dieser Welt des Wandels mit ihrer immer schneller werdenden Gangart kann es schwierig sein, ausgeglichen zu bleiben und sich einen klaren Richtungssinn zu bewahren. Das möchten wir aber, denn dieses Gefühl, zu etwas Sinnvollem unterwegs zu sein, macht vielleicht einen Großteil unseres Glücks aus. Dabei ist der Weg vielleicht wichtiger als das Ziel, aber ohne einen Fluchtpunkt für unser Streben gehen wir im Grunde keinen Weg, sondern streifen nur so umher.
Wir sind von früher Kindheit an auf Ziele aus, immer hingezogen zu den Objekten unseres Begehrens. Doch irgendwo unterwegs, meist in den Zwiespälten und Bedrängnissen der Pubertät, scheint sich Verwirrung über das einfache Wünschen und Wollen der Kindheit zu legen. Was wir möchten, ist auf einmal nicht mehr so klar, es trübt sich durch eigene oder fremde Erwartungen und Ansprüche, die uns sagen, was wir tun sollten. Jetzt zweifeln wir mehr und mehr an unseren Wünschen, trauen unseren eigenen Antrieben nicht mehr und fragen uns, wohin wir eigentlich unterwegs sind und weshalb.
In meinem ersten Buch, Der Pfad des friedvollen Kriegers, gab der alte Mann, den ich Socrates nannte, Inhaber einer Tankstelle und Werkstatt, zu verstehen, dass alles Suchen und Trachten nach Erkenntnis oder Leistung, nach Macht oder Lust, nach Liebe, Reichtum oder auch spiritueller Erfahrung vom Versprechen des Glücks getrieben ist. Allerdings verstärkt unser Suchen nur das Dilemma, das am Anfang der Suche stand. Deshalb riet er mir, das Streben nach künftigem Glück durch „unvernünftiges Glücklichsein“ in jedem neuen Augenblick zu ersetzen.

Als mein Suchen endete und dieses „praktizierte Glück“ begann, wurde mir deutlich, dass wir klare Zielsetzungen noch dringender benötigen als Glücksgefühle. Wir brauchen Ziele, die uns etwas sagen, und Aufgaben, die uns mit den anderen Menschen verbinden. Zielsetzung und Ausrichtung, das schrieb schon Viktor Frankl in seinem Buch „Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ könnte für unsere psychische Entwicklung so unentbehrlich sein wie Nahrung für das Leben unseres Körpers.
Doch die Pflichten des Alltags lassen uns wenig Zeit zur Betrachtung solch übergeordneter Fragen – außer in seltenen stillen Stunden oder in Umbruchszeiten und traumatischen Phasen, in denen sich Fragen wie diese stellen: Was will ich eigentlich wirklich? Wenn ich es hätte, woran würde ich das erkennen? Was, wenn ich es bekäme? Würde es mich dorthin bringen, wo ich sein möchte? Und schließlich: Was ist eigentlich der Sinn und Zweck meines Lebens?
Dieses Buch, zu dem meine eigene Suche nach dem Sinn und Zweck meines Lebens den Anstoß gab, enthält Elemente aus meinen früheren Veröffentlichungen und stellt erstmals den Gesamtzusammenhang her.

Bei der ersten in diesem Buch betrachteten Zielsetzung, „die Lektionen des Lebens lernen“, betrachten wir die Erde als Schule und unser tägliches Leben als das Klassenzimmer und werden sehen, dass uns die Herausforderungen des Lebens – auf den Gebieten Beziehungen, Arbeit, Finanzen und Gesundheit – lernen, wachsen und einen klaren Blick gewinnen lassen.

Bei der zweiten Zielsetzung, „Beruf und Berufung finden“, geht es um die entscheidende Bedeutung der Selbsterkenntnis sowie der Verflechtung von Intuition und Logik für wirklich kluge Lebensentscheidungen.

Die dritte Zielsetzung, „Ihren Lebensweg finden“, spricht die verborgene Berufung an, der Sie sich in diesem Leben widmen sollen, einen ganz persönlichen Weg, der sich den meisten Menschen nicht ohne Weiteres erschließt.
Die vierte Zielsetzung, „auf den gerade eintretenden Augenblick achten“, bündelt gleichsam die ersten drei und macht sie konkret anwendbar, was Sie in die Lage versetzt, all das in jedem sich bietenden Augenblick bewusst und mit natürlicher Selbstverständlichkeit zusammenzuführen.
Aus dem Vorwort mit freundlicher Erlaubnis des Ansata Verlages

Auch eine Schule des Lebens
Wie finde ich meinen Platz in einer Welt des rasanten Wandels, fragt Dan Millman in seinem neuesten Buch. Wir drucken einen kleinen Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

„Snood“ ist ein Computerspiel, und zwar eines, das süchtig macht. Wie die meisten dieser Spiele besticht es durch seinen simplen Aufbau. Man schießt auf kleine farbige Spielfiguren, die Snoods, wobei es darum geht, Gruppen von gleichfarbigen Snoods zu treffen. Wenn das gelingt, dann verschwinden sie. Man muss möglichst viele Snoods eliminieren, um das Spiel zu gewinnen. Praktischen Nährwert hat das nicht, außer dass man mit der Zeit eine gewisse Zielsicherheit bekommt, aber man ist für ein paar Minuten (oder viele totgeschlagene Stunden) ganz absorbiert und versunken. Man könnte es als eine Art Schatten-Meditation bezeichnen, einen Sport, bei dem man sich nicht bewegt, etwas, das man ganz für sich allein und ohne jeden Außenbezug tut.
Aber Snood hat auch eine verborgene schöne Seite, die nach einiger Zeit der Beschäftigung mit dem Spiel eine transzendente Lehre preisgibt, die Lehre vom frischen und unschuldigen Erleben jedes Augenblicks, ohne Urteil und Erwartung. Aber rechtfertigt diese wunderbare Offenbarung, die ich jetzt an Sie weitergeben möchte, die vielen Stunden Mausarbeit, in denen ich immer wieder meine letzte Bestleistung zu überbieten versuchte?
Bei diesem Computerspiel ist es so, dass die ganze Aufstellung der Snoods nach jeweils etwa fünf Schüssen wechselt. Was eben noch war, ist jetzt nicht mehr. Alles ändert sich, ganz wie im Leben. Alles, was ich mir für den nächsten Schuss an Strategie zurechtgelegt hatte, ist auf einmal nichts mehr wert. Ich mag es bedauern oder hadern, es nützt nichts – wieder ganz wie im Leben. Die Karten (Snoods) werden sozusagen neu gemischt. Man muss schnellstens umdenken, genau hinschauen und sich dann nach dem richten, was jetzt gerade ist, in diesem eben eintretenden Augenblick.
Von Snood habe ich gelernt, mich nicht an das zu hängen, was fast schon eingetreten ist oder hätte sein können oder sollen, sondern bei dem zu bleiben, was jetzt tatsächlich ist.

Dan Millman: Die 4 Ziele des Lebens – persönliche Erfüllung finden in einer Welt des Wandels, Ansata, München, 2011, 208 Seiten, 14,99 Euro


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