aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juli 2011
In die Tiefen der Seele tauchen, dem Herzenslied lauschen. Von Katja Neumann

Katja Neumann geht der Frage nach, was uns am Schamanismus so fasziniert und warum er aktueller ist denn je.

Der Schamanismus geht nach offiziellen Funden wie Höhlenmalereien, dem Auswerten von Gräbern, in denen bei mutmaßlichen Schamanen rituelle Werkzeuge gefunden wurden, auf über mindestens 40-50 000 Jahre zurück. Gerade in den letzten Jahren, in denen bildgebende Verfahren aus der Medizin und DNA-Analysen zum Einsatz kamen, stellte sich unter anderem auch heraus, dass viele der geborgenen Skelette/Mumien nicht, wie selbstverständlich angenommen, männlich waren, sondern eben weiblich und dass demnach auch mindestens genauso viele Frauen seit Jahrtausenden als Schamaninnen tätig waren.
Dass der Schamanismus in unserer schnelllebigen und durchorganisierten Zeit einen so enormen Zulauf erfährt und sich seit einigen Jahren in den Top 10 der spirituellen Arbeitsweisen ganz oben hält, lässt sich ganz einfach erklären: Wir haben Sehnsucht nach unserer Natur.
Schamanismus ist Natur pur. Es gab ja in den Anfängen auch nichts anderes. Sich damit zu verbinden, sich darin wiederzufinden, sich aufgehoben und geborgen zu fühlen bedeutet - vielleicht gerade für uns Stadtmenschen - Stück für Stück, jeden Tag ein Schrittchen, heim zu uns selbst zu finden.
Seine Schlichtheit und Einfachheit macht ihn für viele Menschen - auch für die, die dem Spirituellen skeptisch gegenüberstehen - greifbar und vor allem anwendbar. Jeder kann sofort damit anfangen, keine geheimen Einweihungen oder Diplome sind nötig.
Die Zeit ist reif und gut, sie nicht mit zäher, häppchenweiser Informationsversorgung zu vertun. Wir lernen am Besten durchs Machen, denn wir tragen das uralte Wissen alle in uns.

Wo wir stehen
Ich habe bei einem Vortrag von Gregg Braden von einem interessantes Experiment gehört: Er erzählte, dass zwei Gruppen junger Katzen in zwei Räume aufgeteilt wurden, in dem sie fortan lebten. Der eine Raum war quer gestreift, der andere längs. Nach einiger Zeit nahm man die Katzen aus dem quergestreiften Raum und setzte sie in den längsgestreiften Raum, wo sie, wie man schnell feststellte, überall dagegen rannten. Sie konnten die Längstreifen nicht sehen, denn sie waren in ihrem Fundus im Hirn nicht angelegt.
Abgesehen davon, dass ich hoffe, dass es den Katzen gut geht, hat mir die Geschichte gefallen - denn sie ist ein gutes Beispiel für das, was Leben heute mit uns macht, was uns über die Jahrhunderte geprägt hat und was ich oft wahrnehme im Umgang mit Menschen, sowohl in meiner schamanischen Praxis als auch ganz allgemein im Alltag.

Wir haben verlernt zu sehen. Und wir haben vergessen, worum es wirklich geht und wer wir sind unter all den Schichten aus Alltag, Job und Funktionieren.
Zu unserer Natur zurückzufinden bedeutet, dass wir das, was wir „Wahrheit“ nennen, nicht mehr allzu ernst bzw. zu eng nehmen – denn: Was ist denn wahr? Ist es nicht viel mehr so, dass wir über all das, was wir eigentlich sind, viele viele Filter und Schablonen angelegt haben? Eine Schablone heißt z.B. „Schuld“, eine andere „Liebe nur gegen Leistung“, noch eine andere vielleicht „90-60-90“…
Filter nenne ich das, was alles an Lebensfreude so gründlich durchsiebt, dass nichts mehr übrig bleibt: „Ich bin nicht gut genug!“ - „Das macht man nicht!“ Oder auch schön: „Was sollen denn die Nachbarn denken?!“ Sie könnten die Liste selbst stundenlang weiter füllen. Und ich sage: Tun Sie´s nicht. Wir wollen das Ganze ja umdrehen. Oder möchten Sie in dem Raum mit den Querstreifen bleiben?
Der Mensch ist ein erstaunlich kreatives Wesen beim Erfinden seiner eigenen Selbstsabotage-Programme.
Und diese Programme finde ich in unglaublich schillernden Abwandlungen überall, wo ich gehe und stehe, wieder und staune, wie viel Kraft fürs Aufrechterhalten wir investieren. Ich nehme mich da gern als erstes Vorzeige-Kätzchen.

Mit der Seele wandern gehen
Ich mache schamanischen Reisen, privat und beruflich und mit Leib und Seele – also vor allem mit der Seele. Zu reisen bedeutet, mit einem Teil der Seele wandern gehen - fremde vertraute Orte in sich wiederfinden, vorhandenen Antworten endlich hören lernen, wieder weit werden in sich, Schablonen und Filter abstreifen, neue Energien und Lebensentwürfe kreieren und damit nicht mehr ohnmächtig gefangen sein in der physischen 3D-Ebene.
Wenn ich Klienten die Seele beschreibe, wie ich sie wahrnehme, dann spreche ich gern von einer Wolke. Ganz groß und satt mit vielen Rundungen, so wie wir sie als Kinder gemalt haben. Ich behaupte, gerade mal ein kleiner Zipfel, so wie die Spitze des Eisberges, wenn nicht weniger, ist das, was wir bewusst von uns wahrnehmen. Der Rest ist meist eine große Unbekannte, aber nicht weniger aktiv. Es ist ein Kommen und Gehen. Wir dehnen uns aus und ziehen uns zusammen. Schon wenn wir an jemanden denken, wandern ein paar Nebelfunken von uns zu Demjenigen. Und wundern oder freuen uns dann, wenn der andere zum Hörer greift und wir sagen können: Gerade habe ich an dich gedacht…!
Hin und wieder im Laufe eines Lebens, kommt uns auch etwas von dieser Wolke abhanden, wir spalten es im Schmerz, Schock oder aus „Vernunft“ (vielleicht weil ein Wunsch nicht sein darf) ab, trennen uns davon, um als Rest-Wolke überleben und weiter funktionieren zu können. Im Schamanismus reden wir dann von dem Verlust eines Seelenanteils. Das Schöne ist ja: Nichts geht wirklich verloren und so kann ich mich über die schamanische Reise auf den Weg machen und sie zurückbringen. Meist ist es leichter, es für andere als für sich zu tun, denn an uns selbst sich wir meist zu dicht dran, geleitet von Gefühlen, Ängsten und Verdrängungsmechanismen.
Die Spirits, also die schamanischen geistigen Helfer wie Krafttiere und Lehrer, die auf der Reise den Weg weisen, bzw. die eigentliche Arbeit machen, tun dies für Dritte auch besonders mitfühlend. Wenn der Schamane sich rein als Kanal (oder in alt-schamanisch gesprochen „hohler Knochen“) zur Verfügung stellt, ohne eigenes Anliegen und Befindlichkeiten, einfach nur als Vermittler zwischen den Welten - oder um bei dem Bild der Wolke zu bleiben - zwischen dem kleinen Zipfel und dem großen Rest, der wir auch - oder vor allem sind.

Herzlied
Wir haben die Wahl, wie viel wir von uns kennenlernen und damit auch heilen möchten.
Wir können wie die Kätzchen einfach im quergestreiften Raum bleiben, dann laufen wir nirgendwo dagegen, tun uns nicht weh, aber unsere Welt bleibt dieser kleine Raum, in dem man sich gemütlich einrichten kann – oder aber wir gehen raus und holen uns ein paar blaue Flecken, können aber die Musik hören, die überall da draußen spielt. Und auch die Melodie ganz tief drinnen, die des Herzens, die hört man nur da draußen in der Resonanz mit der großen weiten Wolke.

Schamanische Telepathie

Eine schöne Übung, die man mit einem Partner machen kann: Einer geht raus und sucht sich etwas, das er bewusst anschaut (nicht starren, eher den Fokus weitstellen). Zu einem verabredeten Zeitpunkt, etwa fünf Min. später, konzentriert sich der, der drinnen geblieben ist, auf „Empfangen“, der der draußen ist auf „Senden“. Das erste Bild das dem Empfänger erscheint, soll er aufschreiben oder besser malen. Dann erst zeigt der Sender, was er angeschaut hat. Das trainiert, den inneren Bildern wieder zu vertrauen.

Buchtipps: für Fakten: „Die Kunst der Schamanin“ von Barbara Tedlock - und fürs Herz: “Der Wind des Herzens“ von Emah

Katja Neumann ist Heilpraktikerin und schamanische Heilerin für kleine und große Menschen, Tiere und Orte
www.katja-neumann.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.