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Ausgabe Februar 2011
Synergetik


Die Lehre vom Zusammenwirken
Als Heilmethode dient die Synergetik der aktiven Selbstheilung. Wir sprachen zu diesem Thema mit den Heilpraktikern Ingrid Denk-Scharf und Peter Scharf, die in ihren Therapieangeboten systemische Ansätze, Elemente der klassischen und körperorientierten Psychotherapie sowie der Hypnose und des NLP integrieren.

Was ist Synergetik?

Der Begriff der Synergetik kommt eigentlich aus der Physik und wurde von Professor Hermann Haken geprägt. Er hat Zusammenhänge entdeckt, die in Richtung Selbstorganisation gehen. Bestimmte kleine Auslöser ergeben danach immer ein System höherwertiger Ordnung. Bringt man demnach in ein dynamisches System Energie hinein, dann ordnet es sich neu und funktioniert optimaler als zuvor. Dieses Selbstoptimierungs-Prinzip kann man auf viele weitere Bereiche übertragen. Auf das Gehirn bezogen und letztlich als therapeutisches Konzept wurde es in den Achtziger Jahren von Bernd Joschko entwickelt. Ihm fiel auf, dass verschiedene Therapieformen bei Menschen Selbstheilungskräfte in Gang bringen. Doch warum, das wusste keiner richtig. In Experimenten und Selbstversuchen wurde schließlich festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen den Inneren Bildern eines Menschen und seinem seelisch körperlichen Zustand besteht. Kurz gesagt, jemand der gesund ist, hat positive Bilder in sich. Jemand, der krank ist, bei dem sieht es in der Innenwelt eher trist aus. Laut der Synergetik wirkt nun alles miteinander und folglich muss es eine Wechselwirkung geben. Hier setzt unser System an. Die Bilder wirken auf den Organismus und diese Bilder müssen folglich modifiziert werden, um den Menschen zu heilen.


Ist es so eine reine Imagination, wie man es etwa aus der Hypnose kennt?

Nein, das mit der Imagination kennen wir bereits gut durch den Psychologen Carl Gustav Jung, doch in der Praxis war nie richtig Verlass darauf. Mal wirkte Veränderung von Inneren Bildern, mal nicht oder nur sehr kurz. In der Synergetik wurde aber festgestellt, dass es nicht einfach darum geht, einfach die Bilder von außen zu verändern - meistens durch einen Therapeuten, der zum Klienten sagt: Es sieht dunkel in dir aus, stelle dir nun mal vor, es ist hell und schön. Der Klient wird durch diese Imagination vielleicht zufrieden aus der Sitzung gehen, doch es wird keine langfristige Veränderung stattfinden. Das Neue, was Bernd Joschko in diesem Zusammenhang heraus fand, war, dass die Bilder vom Klienten selbst kommen müssen, folglich aus sich selbst heraus, in seiner eigenen Sprache. Alles andere, was von draußen kommt, ist nicht von Dauer.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Jemand hat Probleme in seinem Berufsleben und geht zum Psychoanalytiker. Nach zwei Jahren Analyse stellen sie fest, es gab einen Lehrer in der dritten Klasse, der oft sagte: "Aus dir Flasche wird nie etwas!" Dadurch entstanden die Blockaden. Der Analytiker sagt nun, das ist vorbei und denke positiv und nun aber voran. Der Klient wird in der Folge bei der nächsten Bewerbung aber wieder Probleme haben, denn allein das Bewusstsein für den Grund seiner Blockaden reicht nicht aus. Die innere emotionale Prägung ist nicht weg. Laut der Psychoanalyse reift der Mensch zwar nach, doch es dauert meistens Jahre, um solche Blockaden durch reine Erkenntnis aufzulösen. Das innere Bild des Lehrers wirkt im Hintergrund weiter. Die Synergetik hilft hierbei wesentlich schneller.


Wie schaffen Sie beziehungsweise der Klient das?

Zunächst muss der Klient erneut die Situation in seiner Innenwelt durchleben, er muss durch das alte Gefühl hindurchgehen. Wir fragen ihn ganz konkret, wie fühlst du dich? Intensive Gefühle und Körperwahrnehmungen können hier auftreten.
Wir fragen dann: Wie würdest du aus heutiger Sicht in dieser Situation reagieren. Er kann und darf jetzt sauer, wütend sein und es ausleben. Es ist alles erlaubt, denn wir bewegen uns in der Innenwelt. Der Erwachsene kann nun alles ausdrücken, was früher nicht gelang. Die Anteile in ihm - in diesem Fall er und der Lehrer - werden in direkten Dialog, und zur in direkte Konfrontation gebracht. Und ab da fängt die schnelle Wirkung der Synergetik schon an, denn nun ist es nicht mehr wie damals. Der Klient erlebt und spürt geistig und körperlich seine eigene Handlungskompetenz und Stärke in dieser Situation. Das Innere Bild vom Lehrer wird sich dadurch positiv verändern, er wird quasi "von selbst" wohlwollend und hilfreich sein, sich für die "Flasche" entschuldigen und er wird vom Klienten emotional so erlebt. Auf genau diese selbstorganisatorische (synergetische) Veränderung kommt es an, damit die Blockaden sich auflösen.
Ganz wichtig ist es, dass der Klient selbst auf die Ideen kommt. Energie wird ins System gebracht und der Klient findet selbst die beste Ausdrucks-Möglichkeit. Das kann verbal sein oder körperlich. Je verrückter die Idee, desto besser werden die alten Muster aufgebrochen. In unserem Fall kam der Klient zudem auf die Idee, den Lehrer mit Tomaten zu bewerfen und die gesamte Klasse hat mitgemacht. Das war umso besser, da der Klient sich früher oftmals von der Klassengemeinschaft ausgestoßen fühlte und nun erlebt er, dass sie hinter ihm steht - ein Super-Gefühl. Ein doppelter Heileffekt ergab sich dadurch.


Bieten Sie zum Ausleben auch weitere Hilfsmittel?

Zum körperlichen Ausleben bieten wir auch viele Gegenstände als Hilfsmittel an, wie einen Boxsack oder manchmal stößt jemandem etwas wahrhaft sauer auf, weswegen wir hier auch stets Eimer stehen haben. Das Saure muss raus, notfalls eben in einen Eimer. Aber es kommt dann endlich auch richtig raus. Und nach solch einer Session hat der Klient stets das körperliche Gefühl, es echt erlebt oder eben körperlich durchlebt zu haben, auch mit Anteilen wie Durchatmen oder Lachen. Das befreit und heilt alte Wunden. Hinterher weiß man zwar noch, was damals geschehen war, doch das hemmende Gefühl ist weg. Zur Kontrolle und Nachbearbeitung bieten wir darüber hinaus Audio-Mitschnitte von unseren Sitzungen an, die der Klient zuhause sich anhören kann. Es hat sich als sehr hilfreich erwiesen, um sich selbst und den eigenen Prozess besser zu verstehen.


Folglich ist die schnelle Wirkung der Synergetik gerade auch durch die Körperlichkeit bedingt?

Ja, es ist ganz wichtig, dass mit dem Geist der Körper angesprochen wird. Während einer Sitzung können so Körpersensationen auftreten. Damit arbeiten wir. Wenn zum Beispiel ein Druckgefühl in der Brust auftaucht, fragen wir, was für eine Gestalt es hat. Es ist eine Visualisierung, die von uns angeregt wird. Doch das Bild entsteht aus dem Klienten selbst. Das kann das Bild einer bösen Hexe oder eines riesigen Berges sein. Wir sagen aber nicht, was der Klient zu denken oder zu tun hat. Sie müssen mit diesem Bild es selbst aktiv und mit ihrem ganzen Einsatz erarbeiten und das kann sogar anstrengend sein. Es ist richtige Arbeit, aber es lohnt sich. Dadurch haben wir auch keine richtige "Stammkundschaft", denn die Klienten benötigen uns nur für kurze Zeit, eben bis die alten Muster aufgelöst und die Klienten geheilt sind.

Ingrid Denk-Scharf und Peter Scharf,
„Aktive Selbstheilung durch Angewandte Synergetik“

weitere Infos: www.g-wie-gesund.de


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