Ausgabe Februar 2011
Angst, Trauer, Wut ... vom neuen Umgang mit unseren Gefühlen
von Robert T. Betz
Wir Menschen leiden an nichts anderem als an unseren eigenen Schöpfungen. Das zu erkennen, weigert sich unser Verstand meist beharrlich. Denn wo kämen wir hin, wenn wir andere Menschen, Vater und Mutter, Schwester, Bruder oder Expartner nicht mehr dafür verantwortlich machen könnten, dass es uns nicht gut geht? Müssten wir dann nicht unsere Urteile zurücknehmen und erkennen, dass wir uns gewaltig geirrt haben? Ja, und genau das steht jetzt an und wird von immer mehr Menschen begriffen.
Das Zeitalter der Verurteilung, des trennenden Denkens, des Opfer-Bewusstseins geht in diesen Jahren 2010 bis 2012 zu Ende. Denn der Mensch begreift jetzt sehr schnell, wie das Leben funktioniert und wie er selbst "tickt". Ob Krankheiten, Konflikte, Schicksalsschläge oder psychische Krisen – nichts von alledem kommt "von oben" oder wird von unseren Mitmenschen oder unserer Gesellschaft verursacht. Es sind die logischen Folgen unseres bisher chronisch unbewussten Erschaffens. Begreift der Mensch dies, dreht er an seinem Lebensrad und verwandelt Leiden in Freude, Krankheit in Gesundheit, Unfrieden in Frieden.
Die Vertreibung aus dem Paradies
Als wir auf diese Erde kamen, war unser Herz noch offen, unverletzt und voller Liebe. Wir verurteilten weder uns noch die anderen und wollten alles umarmen und näherten uns anderen ohne Vorurteile. Doch eins wussten wir: Allein sind wir nicht überlebensfähig. Wir waren auf die Liebe anderer angewiesen. Ein Kind braucht die Aufmerksamkeit mindestens eines Menschen, denn sie ist lebensnotwendige Nahrung für ihn. Wird ein Kind beharrlich ignoriert und nicht beachtet, stirbt es, selbst wenn es die nötige physische Nahrung erhält.
Der erste Schock unseres Lebens war für die meisten von uns die Geburt, das Getrennt-werden von der Mutter. Der zweite Schock folgte kurz darauf, als wir erkannten: Das, was ich am dringendsten benötige, die Aufmerksamkeit, die Berührung, das Lächeln und die Annahme der anderen bekomme ich nur, wenn ich ihre Erwartungen erfülle. Und die Erwartungen und Bedingungen, auf die wir stießen hießen: "Sei still. Sei brav und pass dich an. Sei nicht so wild, so laut, so eigenwillig, so verspielt, so verträumt, so frech, so faul, so gierig usw.!" Die erste Lektion hieß also: "Liebe bekommt man hier nur gegen Leistung, Wohlverhalten und Anpassung." Es war für jeden von uns ein Schock zu bemerken, dass wir nicht so geliebt wurden, wie wir waren und stattdessen zu hören: "Ändere dich! Stell dich nicht so an! Reiß dich zusammen! – Was glaubst du eigentlich, wer du bist?"
Selbstverurteilungen
Dies war die Vertreibung aus dem Paradies, die jeder von uns in den ersten Jahren seines Lebens erfuhr, auch das Kind im ‚besten Elternhaus’. Und hier liegt auch die Geburtsstätte für die größten Leiden, die der Mensch in den nächsten Jahrzehnten erfahren sollte. Denn das kleine Kind begann sich selbst zu verurteilen und über sich zu denken: "So, wie ich bin, bin ich nicht richtig, nicht in Ordnung. Ich muss mich ändern, mich anstrengen, schlechte Seiten verstecken, so tun, als ob. Ich muss mich zurücknehmen und aufpassen, was andere von mir erwarten. Ich muss mir Liebe und Anerkennung durch Leistung verdienen!" Diese Selbstverurteilungen sind eine große schöpferische Leistung des Kindes, mit denen er in sich eine Unmenge von Angst, Trauer, Wut, Scham, Schuld, Minderwertigkeit und andere Emotionen erschafft, an denen er meist sein Leben lang leidet. Denn niemand erzählt dem Kind oder dem Jugendlichen und nicht einmal die Psychologen lernen es an der Uni, wie man mit seinen selbst erschaffenen Gefühlen umgeht.
Kommt das Kind mit einem dieser Gefühle an und zeigt "Ich habe Angst!" oder "Ich bin traurig oder wütend!", steht es damit vor hilflosen Eltern. Diese meinen es zwar gut, wenn sie sagen "Du musst doch keine Angst haben!", aber hieraus schließt das Kind nur "Ich bin anscheinend nicht in Ordnung, denn ich habe doch Angst!" Und wenn es wütend ist, ist die Reaktion schon härter und lauter. Mutter und Vater suchen beim Kind den Knopf, um die Wut abzustellen. Aber auch ihnen hat niemand vermittelt, wie man mit solchen Gefühlen umgeht und so brüllen viele das Kind am Ende an: "Sei still, stell dich nicht so an. Reiß dich zusammen, oder…." und greifen zu Drohungen und Strafen. Die logische Folge war, dass wir als Kind begannen, unsere Gefühle zu verdrängen und abzulehnen. Gefühle wollen aber fließen, darum nennen wir sie auch ‚E-Motionen’, was nichts anderes bedeutet als ‚Energie in Bewegung’. Gefühle wollen wieder aus unseren feinstofflichen Körper hinaus fließen, können dies aber nicht, weil wir sie nicht fühlen wollen. Unser ‚Nein’ zu ihnen verhindert dies und so füllen wir uns mehr und mehr damit an.
Arschengel
So gehen wir um die zwanzig aus dem Elternhaus ins Leben und sind bis oben gefüllt mit tausend Gedanken der Selbstverurteilung und mit Tonnen von Gefühlen der Angst, Trauer, Wut, Kleinheit usw. In der Folge kommt es in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis immer wieder zu Begegnungen mit Menschen, die unsere "Knöpfe" drücken, indem sie unsere Erwartungen nach Annahme nicht erfüllen, sondern uns herabsetzen, lieblos behandeln und scheinbar verletzen. Aber in Wirklichkeit sind sie unsere Helfer, die uns darauf aufmerksam machen, wie wenig wir uns selbst lieben und wie viele Emotionen wir in uns abgelehnt und verdrängt haben. Ich nenne sie gerne unsere "Arsch-Engel", denn unser Kopf verurteilt sie als ‚blöde, doof, Idioten, Arsch’ und ähnliches, in Wirklichkeit jedoch sind sie auf ihre unbewusste Art Engel für uns.
Auch im schmerzlichsten Vorgang - ob unser Partner fremdgeht, unser Kollege uns mobbt, unser Chef uns klein und machtlos fühlen lässt - immer steckt darin ein wichtiges Geschenk mit zwei Aufforderungen: erstens, zu erkennen, wie wenig wir uns selbst lieben und stattdessen oft hassen und zweitens, wie sehr unsere Gefühle, die der andere nur auslöst in uns, aber nie verursacht, darauf warten, endlich von uns selbst angenommen und verwandelt zu werden.
Bejahendes Fühlen - Meditation
Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe für Ihre bisher als unangenehm wahrgenommenen Gefühle. Setzen Sie sich mindesten zwei, drei mal pro Woche hin, sorgen Sie für eine störungfreie Zeit von 30-45 Minuten, schließen die Augen und gehen in einen sanften, tiefen Atemrhythmus. Mit Ihrer Aufmerksamkeit gehen Sie dann zunächst zu Ihrem physischen Körper und nehmen neugierig wahr, was er im Moment an unangenehmen Symptomen wie Enge, Schwere, Druck, Kälte, Starre, Schwindel und vielleicht sogar Schmerz zeigt und sprechen Sie die ersten wichtigen Sätze, die lauten: "Alles in mir darf jetzt da sein. Ich bin bereit, es zu fühlen." Dann atmen Sie weiter und erspüren, welche dieser Empfindungen sich im Moment am deutlichsten bemerkbar macht und gehen mit Ihrer Aufmerksamkeit in die entsprechende Region Ihres Körpers. Denn unsere Emotionen stehen in direktem Zusammenhang mit den Empfindungen des physischen Körpers. So steckt die Angst oft hinter der Enge in Brust und Hals, die Trauer verbirgt sich oft hinter den Augen, im Herzen oder in der Schwere auf den Schultern, die Wut steckt oft in unseren Kiefern, im Kopf oder in Bauch und in den Muskeln des Unterarms usw.
Wenn Sie Ihre aktuelle Empfindung deutlich fühlen, sagen Sie z.B. "Du, die Enge in meiner Brust darfst jetzt da sein. Ich bin bereit, dich zu fühlen. Denn du bist meine Enge. Ich habe dich einmal erschaffen und jetzt darfst du da sein." Durch diese Sätze trennen Sie sich nicht weiter von diesen Symptomen, sondern nehmen sie in Besitz und übernehmen damit Ihre Schöpferverantwortung für sie. Diese Haltung ist extrem wichtig, denn sowohl die Empfindungen unseres physischen Körpers als auch die Emotionen unseres Emotionalkörpers hören und verstehen ganz genau, ob wir sie ablehnen und wegmachen wollen oder ob wir sie annehmen und bereit sind, sie bejahend zu fühlen.
Nach wenigen Minuten bereits, wenn nicht schon zu Anfang, machen sich die Emotionen hinter den Empfindungen des Körpers bemerkbar, d.h. die Angst oder die Trauer oder die Wut sind jetzt deutlich wahrnehmbar. Und auch diese bitte ich Sie, zu begrüßen und ihnen zu versichern: "Du, meine Angst (Trauer, Wut etc.) darfst jetzt da sein. Ich bin jetzt bereit, dich bejahend zu fühlen. Denn du bist meine Angst." Dieses JA zum Fühlen des Gefühls ist der entscheidende Akt, diese Energien ins Fließen zu bringen. Und so fließt jetzt auch oft manche Träne aus unseren Augen.
Wichtig ist hierbei, dass ich jetzt in der Haltung des Erwachsenen, des Schöpfers, bleibe und nicht in das Bewusstsein des Kindes oder des Opfers rutsche, denn dieses fühlt sich immer machtlos und seinen Gefühlen ohnmächtig ausgeliefert. Niemand stirbt am bejahenden Fühlen seiner Gefühle, sondern schafft hierdurch die einzige Voraussetzung, diese Gefühle in Freude zu verwandeln.
Nach wenigen Minuten des bejahenden Fühlens empfehle ich Ihnen, in ihrer Vorstellung den ganzen Körper in glitzernd-silbernem Licht zu baden, so als ob Sie unter einer Lichtdusche mit silbernem Licht ständen. Hier reichen 30-60 Sekunden Lichtbad aus, bevor sie als zweite Farbe das violette Licht rufen bzw. es sich vorstellen. Das silberne Licht hat die Funktion der Befreiung, der Reinigung, des Lösens, das violette Licht verwandelt das Gelöste. Und nach wieder einer Minute fragen Sie Ihre Innere Führung, welche Farbe Sie jetzt am meisten brauchen, um wieder zu Freude, Leichtigkeit und Harmonie in sich zu gelangen. Innerhalb von Sekunden nehmen Sie eine dritte Farbe wahr, die für jeden eine andere sein kann, ob rot, grün, blau, gelb, gold oder weiß. In dieser Farbe baden Sie abschließend eine weitere Minute.
Durch diese, Ihre Gefühle annehmende und bejahende Meditation, verwandeln Sie jedes Mal eine große Menge der Emotionen, an denen Sie bisher gelitten haben. Machen Sie diese oder eine auf CD geführte Meditation regelmäßig und Sie werden jedes Mal eine große emotionale Erleichterung spüren und nach wenigen Wochen ein anderes Grundlebensgefühl genießen können. Auch körperliche Probleme lösen sich durch diese Übungen oft mit auf, denn die Hauptursache für Krankheiten besteht in den über Jahrzehnte abgelehnten und in den Körper zurückgedrängten Emotionen.
Empfohlene Meditationen auf CD von Robert Betz: Negative Emotionen in Freude verwandeln, Frieden mit meinen "Arsch-Engeln", Befreie und heile das Kind in dir, Ärger, Wut und Hass in Frieden verwandeln, Besuche und verwandle das kleine Mädchen in dir.
Der Autor Robert Betz ist Psychologe und lebt in München. Seine Vorträge begeistern und berühren die Zuhörer. Als Buchautor trat Robert Betz zum ersten Mal im November 2007 in Erscheinung. Inzwischen erschienen von ihm fünf Titel, von denen bisher über 100.000 Exemplare verkauft wurden, zuletzt: Robert T. Betz, So wird der Mann ein Mann! - Wie Männer wieder Freude am Mann-Sein finden, Ansata Verlag.
weitere Infos: www.robert-betz.de