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Ausgabe Februar 2011
Heimweh nach Hause - ein Beitrag von Katja Neumann


Die schamanische Heilpraktikerin Katja Neumann unterwegs auf Abwegen, die ihre eigenen guten Absichten immer wieder durchkreuzen.

Unheilige Momente

Alles schön und gut: die großartigen Vorhaben die Welt zu verbessern, das Hoffen auf Erleuchtung, auf 2012, die spirituelle Selbstkasteiung…Haben Sie nicht auch hin und wieder die Nase voll, möchten alles hinschmeißen: all die Bemühungen, die Ideale für die Sie leben und arbeiten?
Die anhaltende Zerstörung der Erde aus Gier, die scheinbar winzigen Fortschritte in ein bewusstes Dasein, die Dummheit der politischen Entscheidungen etc. nimmt mir in schwachen Momenten fast den Atem und ich möchte platzen vor Ungeduld. Schwer fällt es mir dann, Liebe zu allen und immer zu senden. Dann bin ich kein bisschen heilig, kein bisschen gütig und auch kein bisschen friedlich. Und gelegentlich möchte ich dann doch gerne kündigen, meine Sachen packen und gehen.


Heimweh

Es ist dieses Ziehen im Solar Plexus, manchmal. Ganz besonders schlimm, wenn die Gänse im Herbst gen Süden fliegen. Dann will ich mit, bitte! Heim! …wo immer das ist.
Früher, als Kind dachte ich, ich bin die einzige auf der großen weiten Welt, die das hat und konnte es keinem erzählen. Weil ich spinne. Eine Krankheit ohne Namen und Katja, 5 Jahre, einziger Patient, unheilbar. Also habe ich in den Himmel geschaut und geweint. Stumm und nach innen. Und die Einsamkeit war noch größer als sonst. Und ich war noch kleiner als sonst. Ich habe angefangen, mir meine eigenen Welten zu schaffen, mich darin zu verkriechen, habe den ganzen Tag vor mich hingeträumt. Dort war es schön, heil, sonnig und ich war Held. Gerne Tarzan. Denn der war im Gegensatz zu Jane stark und konnte mit den Tieren reden.


Die Fast-Heilung

Geheilt bin ich von der Träumerei immer noch nicht - oder sagen wir so: eine gewisse Tendenz zur Rückfälligkeit habe ich mir erhalten. Und mit Tieren rede ich auch immer noch – mit meinen Krafttieren. Dank der schamanischen Arbeit, die ich jeden Tag in meiner Praxis tun darf, ganz legal und von den Klienten erwünscht, reise ich zu ihnen und all den anderen Verbündeten.
Die schamanische Reise, die den Hauptbestandteil meiner Arbeit darstellt, ist dem Träumen sehr verwandt, vergleichbar mit dem sogenannten Alpha-Zustand kurz vorm Einschlafen. Die Bilder im Kopf laufen, aber man ist sich seiner dabei noch bewusst. Eine leichte Trance also. Die Seele, oder genauer - ein Teil von ihr - reist an andere Orte in einer anderen Wirklichkeit.
Jeder Mensch ist durch die Anwesenheit der Seele ein spirituelles, übersinnliches Wesen. Will sagen: unbegrenzt, multidimensional, göttlich. Jeder kann schamanisch reisen!
Aber: Das Streben nach intellektueller Bildung, Karriere, Reichtum, Liebe nur gegen Leistung, funktionieren müssen, negieren von allem, was nicht sein kann, hätte es fast geschafft, uns komplett von uns abzutrennen. Es begrenzt uns in eine Drei-, bzw. mit Zeit, Vierdimensionalität, lässt uns vergessen, was doch eigentlich selbstverständlich ist. Eingelullt von Medien und Schreckensmeldungen setzt die Gleichgültigkeit ein. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht diese Sehnsucht, dieses Ziehen im Bauch oder im Herzen wäre, das Heimweh. Das ist das, was uns weckt. Das ist, was uns rettet.


Anfängerfehler

Die uralte Methode des Schamanischen Reisens war meinem täglichen Mich-Weg-Träumen so nah, dass ich fast übergangslos von einem zum anderen übergewechselt bin. Das Problem dabei war, dass es einen soweit weg beamt vom Hier und Jetzt. Und ich immer wieder versucht habe, „drüben“ zu bleiben. Es erschien mir so viel verlockender und ich hatte ja doch Heimweh.
Ich kann mich erinnern, dass ich relativ zu Beginn meiner schamanischen Ausbildung einmal dachte, das Schicksal herausfordern zu können. Wir machten eine sehr lange Trance-Reise zum Ursprung des Seins. Jeder musste vorher schriftlich festhalten, also versprechen, dass er zurückkommt, im Namen der Ausbilder, im Namen der Angehörigen und um meiner selbst Willen und Verantwortung (es gab wohl schon einschlägige Erfahrungen). Dazu sollte jeder „Codewörter“ angeben, für die es sich lohnt, zurückzukommen. Also Namen von Partnern, Kindern, Lieblingsessen etc., mit denen man im Zweifelsfall auch erinnert und zurückgerufen wurde, sollte man sein Versprechen doch vergessen haben - schließlich war es, wie gesagt, eine lange Reise.
Ich habe es nicht vergessen, aber ich habe versucht es zu unterschlagen, zu ignorieren. So kam es, dass ich regelrecht rausgeschmissen wurde aus der sogenannten nicht alltäglichen Wirklichkeit, denn wenn man dorthin reist, um seine Spirits, seine Verbündeten, Krafttiere und Lehrer, zu treffen, ist man Gast, hat sich dementsprechend respektvoll zu benehmen und vor allem, wie jeder gute Gast, auch irgendwann wieder zu gehen. Was ja nicht bedeutet, dass damit die Verbindung zur geistigen Welt gekappt ist, aber soweit ging mein Vertrauen damals noch nicht. Ergebnis war, dass ich wie ein kleiner Punkt irgendwo in meinem Körper steckte, unfähig, mich zu bewegen, nicht mehr dort war, aber auch nicht richtig hier. Anfangs fand ich das noch ganz angenehm, es entsprach meiner faulen Ader: einfach nichts tun müssen. Dann kam aber einer der Assistenten vorbei, die unsere Reise überwachten, was ich durchaus wahrnahm – auch, dass er den Zettel mit meinen Codewörtern aufnahm, las und mir ins Ohr flüsterte. Erst mal passierte nichts und dann plötzlich, war es ein Gefühl, wie wenn man träumt, man fällt, und entsetzt aufwacht, weil man auf der Erde aufschlägt. Es war die unsanfteste Rückkehr, die ich je erlebt habe und das Gefühl des Aufschlagens und des Entsetzens hielt noch den ganzen Tag. Es war mir eine Lehre.


Wir haben hier einen Job - einen guten!

Seitdem habe ich viele Jahre geübt und kann sagen, wir können es wieder lernen, die Magie.
Vermutlich sind wir hier, um uns wieder daran zu erinnern. Denn sie war nie weg. Die schamanischen Rituale, die Reisen in die nichtalltägliche Wirklichkeit, der Kontakt zu mitfühlenden Helfern sowohl in der alltäglichen als auch in der nichtalltäglichen Ebene, vor allem der Kontakt zur eigenen Seele ist wie ein Aufwachen aus einem langen Schlaf. Dann ist es auch nicht mehr notwendig, sich wegzuträumen, zu fliehen. Dann haben wir „ZUHAUSE“ immer dabei, in uns.

Wir, die wir mit den Menschen arbeiten, all die, die für sie schreiben, singen, malen…haben sich erinnert, warum wir hier sind: die Magie wieder auf die Erde zu bringen.

Den Spirits sei Dank.

Katja Neumann ist Heilpraktikerin und mit ihrer schamanischer Praxis im Prenzlauer Berg zu Hause. Schamanische Ausbildung durch FSS (Foundation for Shamanic Studies), außerdem Ausbildung für Cranioscrale Behandlung und Didgeridoo als weiteres Ritualinstrument und Klangkörper.

www.katja-neumann.de


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