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Ausgabe Februar 2009
Feiern im Einklang mit der Natur

Der "Jahreskreis" gibt dabei den Rhythmus vor. Ein Beitrag von Petra Hinze.

Der Jahreskreis symbolisiert die "Acht Sonnenfeste von Mutter Erde". Diese Feste orientieren sich am gegebenen Kreislauf der Natur. In den alten Mythen der Naturreligion gingen die Menschen davon aus, dass 8 mal im Jahr, also alle 6 Wochen, eine besondere Begegnung von Sonne und Erde stattfindet. Diese Begegnungen von Vater Sonne und Mutter Erde beeinflussen das Wachsen, Werden, Vergehen ebenso, wie das Wachsen und Vergehen des einzelnen Menschen. Dieser Zyklus vollzieht sich Jahr für Jahr erneut und bildet einen ewigen Kreis.
Indem Menschen diese 8 Feste mit Ritualen und Zeremonien begehen, fühlen sie sich eingebunden in den natürlichen Kreislauf eines Jahres und spüren ihre "Wesensverwandtschaft" mit Sonne und Erde. Auf diese Weise wird der Mensch getragen von der Kraft der natürlichen Rhythmen, wird eingebettet in den kosmischen Kreislauf, aus dem Sicherheit und Kraft für das Alltagsleben erwachsen.
Die in der Naturreligion zelebrierten 8 Sonnenfeste ordnen das Handeln des einzelnen Menschen in größere Zusammenhänge ein und berühren nach C.C. Jung das kollektive Unterbewusstsein. Sie sind machtvolle Werkzeuge der Erkenntnis.
Über lange Zeit war dieses uralte Wissen der Menschheit mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Erst in der Gegenwart wenden sich die Menschen wieder vermehrt diesem natürlichen "Rhythmus zu, um Lösungen in dieser verrückten" Zeit zu finden.
In den christlichen Kirchenfesten ist zum Teil noch etwas vom ursprünglichen Charakter dieser Feste erhalten geblieben, z.B. Weihnachten, Ostern, Allerseelen.
Das Leben beginnt nach unserer Vorstellung mit der Geburt und so kann man den Jahreskreis auch mit der Wintersonnenwende beginnen.

Wintersonnenwende
Der 21. Dezember ist die längste Nacht bzw. der kürzeste Tag eines Jahres. Es triumphiert die Dunkelheit. In dieser Nacht, in der auch Christus geboren wurde, wird die Wiedergeburt des Lichtes gefeiert. Ab dieser Nacht kehrt das Licht Tag für Tag ganz langsam zurück und wie von den heutigen Naturwissenschaften nachgewiesen werden konnte, beginnen auch unterirdisch die Säfte in den Pflanzen langsam zu steigen. Somit wird die Wiederkehr des Lebens nach dem Tod gefeiert. Für die Menschen ist es eine gute Zeit der Bestandsaufnahme: Was wurde im letzten Jahr erreicht, was will ich loslassen, was fortführen - also insgesamt eine Zeit der inneren Einkehr und Ruhe.

Lichtfest
Anfang Februar wird bereits in der Natur spürbar, dass das zur Wintersonnenwende gegebene Versprechen der Wiederkehr des Lebens Wirklichkeit wird. Auch wenn es noch kalt und tiefster Winter ist, sind die Tage merklich länger, die Natur beginnt sich zu regen, die ersten Schneeglöckchen erblühen, das Eis auf den Flüssen und Seen beginnt zu brechen, es liegt ein Hauch Frühling in der Luft. Auch die Menschen beginnen aktiv zu werden, es werden die ersten Pläne geschmiedet, es ist die Zeit der Vorbereitung, um dann Entscheidungen für das Kommende treffen zu können.

Frühlings-Tagundnachtgleiche
Am 21. März sind Tag und Nacht gleich lang. Für einen Moment steht die Welt still, das gesamte Leben hält sich in der Waage bevor uns die Natur zeigt, wie Tag für Tag das Licht die Oberhand gewinnt.
Die Menschen feiern das Fest des unsterblichen und ewigen Lichts und mit dem Aufbrechen der Lebensgeister der gesamten Natur die eigenen Auferstehung. Jetzt ist die Zeit, den Samen in die Erde zu stecken. Im übertragenen Sinne bedeutet es für die Menschen den Beginn der Umsetzung ihrer Ziele.

Maifest
Auf der Erde pulsiert das pralle Leben, alles wächst, gedeiht und vermehrt sich.
Himmel und Erde verbinden sich in einem großen Liebesfest, aus dem wiederum neues Leben entstehen kann. In diesen schöpferischen Akt ist auch der Mensch eingebunden. So feiert er im Mai ein Liebes- und Fruchtbarkeitsfest, bei dem er mit fröhlichem Tanz und Singen die junge Schöpfung dieses Jahres, den Überfluss an Energie, den die Natur für alle zur Verfügung stellt, preist und sich so im Einklang mit dem gesamten Universum fühlt. Die inneren Erkenntnisse des Winters werden jetzt in die Tat, in die Welt der Materie umgesetzt.

Sommersonnenwende
Am 21. Juni werden die Sonnenwendfeuer angezündet, denn ab jetzt werden die Tage bereits wieder kürzer. Der Höchststand der Sonne zeigt, dass jedem Höhepunkt bereits die Vernichtung dessen innewohnt, was gerade noch aufstrebt. So wird mit dem Sonnenwendfest die Vorbereitung auf die Ernte sowohl im materiellen wie auch im geistigen Sinne gefeiert. Die Menschen machen sich mit diesem Fest bewusst, dass mit dem höchsten Stand des Lichtes die Wiedergeburt der Dunkelheit stattfindet und sich der Kreis zu schließen beginnt.

Schnitterfest
Anfang August, 6 Wochen später hat der Erntevorgang zwar begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen und in der Naturreligion wird das Fest der Schnitter oder des Brotes gefeiert. Dieses Fest symbolisiert, jetzt muss gemeinsam gearbeitet werden, um den Überfluss, den Mutter Erde hervorgebracht hat, für die Zeit der Dunkelheit zu bewahren. Dieses Fest beinhaltet schon den Dank für das Erhaltene des Jahres.
Herbst-Tagundnachtgleiche
Wir sind angelangt auf der gegenüberliegenden Seite des Jahreskreises, es ist der 21. September. Wieder halten sich Tag und Nacht die Waage, es beginnt der Herbst und die Menschen feiern Erntedank. Nach uraltem Brauch wird Rückblick gehalten auf die Ernte dieses Jahres sowohl in materieller als auch seelischer und geistiger Hinsicht. Die Gaben, die uns Mutter Erde dieses Jahr zuteil werden ließ, werden gewürdigt und geehrt. Die Menschen werden wieder frei um neu säen und ernten zu können. Nach diesem Moment der Balance zwischen Tag und Nacht beginnt Vater Sonne seine Wanderung in die Dunkelheit. Symbolisch folgen die Menschen ihm in die Finsternis, indem erste Vorbereitungen für die Reise in die innere Welt getroffen werden.
Ahnenfest
Nach weiteren 6 Wochen wird das letzte der Sonnenfeste gefeiert. Die Natur hat sich zur Ruhe begeben, die Säfte der Pflanzen in die Wurzeln zurückgezogen. Nach einem langen Jahr voller Betriebsamkeit beginnt die Zeit des Atemholens und des Schweigens. Auch für die Menschen ist der Zeitpunkt gekommen ihre Aufmerksamkeit in die inneren Welten, das Unterbewusstsein, zurückzuziehen. In den alten Mythen ist dies verbunden mit der Kontaktpflege zu den Ahnen. So dient dieses Fest dazu, für die Verstorbenen der Familie zu beten, ihnen Opfer zu bringen, aber sie ebenso um Rat zu befragen. Diese Ahnenfest, in der christlichen Religion der Totensonntag, ist ein Akt der gegenseitigen Achtung und Fürsorge über den Augenblick des Todes hinaus.

Der Kreis ist geschlossen, Sonne, und Erde begegneten sich im Laufe eines Jahres 8 mal an besonders magischen Punkten. Mit dem Zelebrieren der Feste ist der Reigen der Menschen vollendet und sie können mit neuer Kraft, Stärke und uraltem Wissen dem ewigen Kreis folgen zu ihrer eigenen weiteren Entwicklung.

Die Autorin: Petra Hinze ist Heilpraktikerin mit Schwerpunkten in Heilhypnose, Chakraheilung, Geistiges Heilen, Schamanistische Heilarbeit und Reiki. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Literatur
Vicky Gabriel: Der alte Pfad, Wege zur Natur und uns selbst
Barbara G. Walter: Die spirituellen Rituale der Frauen
Ute Schirau: Menschenfrauen fliegen wieder
L. Singerhaft: Rituale, Sinn, Halt und Kraft für die Seele


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