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Ausgabe Januar 2009
Heile Familie! Bewusste Partner-Identifikation

Ein Beitrag von Irma Dilba-Burnautzki

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Unser Glück in Beziehungen hängt auch vom Verstehen unserer mehr oder weniger bewussten Identifikationen ab, so die Berliner Sachbuch-Autorin Irma Dilba-Burnautzki.

Die Identifikation mit einem Menschen, wie zum Beispiel mit dem Partner, gibt uns emotionalen Halt, um über die Begrenzungen unseres Unterbewusstseins hinauswachsen zu können. Durch die damit verbundene Steigerung unseres Selbstwertgefühls haben wir die Kraft etwas Anderes
auszuprobieren, etwas, das wir noch nicht kennen. Wir nähern uns so dem anderen Menschen und seinen Werten an. Wenn eine Identifikation mit einem anderen Menschen stattfindet, erzeugt sie zunächst intensive gute Gefühle. Es wächst die Nähe, meistens wird dabei eine starke Zuneigung, sogar Liebe empfunden.
Die Identifikation ist hilfreich für die persönliche Veränderung. Sie hilft beim Dazulernen und sich weiter entwickeln. Das Andere wird gefühlsmäßig angenommen. Man probiert sich aus, um sich bestimmte Fähigkeiten, Standpunkte und/oder Werte anzueignen, die vorgelebt werden.
Man kann also sagen, dass in allen engen Beziehungen mit nahe stehenden Menschen, wie Eltern Kindern, Geschwistern und Partnern eine unbewusste Identifikation stattfindet.
Aus solcher Identifikation bildet das Unterbewusstsein ein Beziehungskonzept, woran es sich orientiert. Wird uns dieses Beziehungskonzept bewusst gemacht, dann können wir es überprüfen und gegebenenfalls neu justieren. Meist ist es aber uns nicht bewusst. Wird unbewusst ein leidvolles Beziehungskonzept gelebt, erleben wir Leid. Das Beziehungskonzept wird vom Unterbewusstsein bewahrt wie ein Schatz. Die dadurch übernommenen Gefühle stellen die Bindung zu der Person dar,
mit der die Identifikation stattgefunden hat. Oft ist es eine Person aus der Herkunftsfamilie.
Wenn die Identifikation der Bindung oder dem unreflektierten Dazulernen gedient hat, entsteht das Bedürfnis der Ablösung. Immer derjenige, der dazulernt, löst sich von seinem Vorbild ab, weil er auch selbständig sein möchte und auch von Anderen lernen möchte.
Die "notwendige" Auflösung einer Identifikation bedeutet für beide Betroffene die Trennung. Jede Trennung kann Schmerzen auslösen.So begibt sich der Jugendliche, der sich von den Eltern abwendet, innerlich wie äußerlich auf unsichere Pfade.
Auch für die Person, die als Vorbild gedient hat, kann die Loslösung des Anderen als eine indirekte Abwertung empfunden werden, denn sie hat sich mit ihrer Rolle identifiziert, die für sie eine Aufwertung gewesen ist.
Das Identifikationsobjekt muss den anderen sich ablösen lassen können. Es muss die Ablösung zulassen und darf nicht auf dem Weiterbestehen der Identifikation beharren. Findet die erforderliche Ablösung, also die Auflösung der Identifikation nicht statt, kippt die Liebe um in Ablehnung,
Wut, und in manchen Fällen sogar in Hass. Wir identifizieren uns wie selbstverständlich mit unseren Gedanken und halten sie für die Wahrheit. Wir verlangen, dass der Partner unsere Gedanken, die wir viel zu ernst nehmen, ungeprüft zu übernehmen hat.
Solche Machtkämpfe in Partnerschaften werden unbewusst, von beiden Partnern betrieben. Die Kämpfe werden ausgefochten wegen einer Idee, einem Urteil, einer Rechthaberei oder was es immer auch sei, die aus der Identifikation entstanden sind. Als Folge der unbewussten Identifikation gehen wir mit den Menschen so um, wie wir mit uns umgehen, mit allen guten aber auch mit allen
schlechten Eigenarten.
Für einen unbewussten Menschen ist das Ich sehr wichtig, es ist seine Identität. Man spricht auch von einem aufgeblasenen Selbstwertgefühl, das nur hohl ist und nichts als Luft (Ideen) beinhaltet. Menschen, die sich emotional auf ihre Ideen oder einen Menschen fixieren, verleihen diesem
sehr viel Kraft über sich. Wenn die Identifikation durch äußere Umstände unabsichtlich aufgelöst wird, stürzen diese Menschen in eine Krise.
Sich seiner Identifikation bewusst zu werden, heißt viel mehr Freiheit für unser Leben und unsere Beziehungen zu gewinnen. Sie zu genießen und uns daran zu erfreuen, was wir sind und haben. Wir können dann neue befruchtende Identifikationen eingehen und sie bewusst wieder auflösen, wenn wir erkennen, dass sie uns nicht mehr gut tun.


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