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Ausgabe Mai 2008
Geschichte der Esoterik - Teil 1 - Wie die Esoterik zu uns kam


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In Zusammenarbeit mit dem Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung e.V. beginnen wir hiermit eine Serie zur Geschichte der Esoterik. Wir stellen die großen Lehren der Esoterik vor und zeichnen gleichzeitig deren Entwicklung nach. Nach der mehrteiligen Einführung sollen die heute noch aktiven Gruppierungen selbst zu Worte kommen.

Esoterik – die Wissenschaft der Geheimnisse
Esoterik – vom griechischen = esoterikos – bedeutet: verborgen, geheim; ist also der Allgemeinheit gegenüber nicht öffentlich bekannt zu geben. Was hier verborgen bleiben soll, ist das „Wissen von den höheren Dingen“, die der allgemeinen Öffentlichkeit zur jeweiligen Zeit unverständlich geblieben wären. Daher werden diese Lehren als „nicht öffentlich, geheim“ bezeichnet, so heißt es in alten Überlieferungen. Die esoterischen Kernlehren werden deshalb aus gutem Grund seit jeher vorwiegend mündlich überliefert. Das führte bei den davon ausgeschlossenen Menschen zu Neugier und zahlreichen Spekulationen. Auch heute noch kursieren seltsame Vorstellungen darüber, was Esoterik denn sei. So werden nach außen gedrungene Bruchstücke, teilweise phantasievoll angereichert und das Gesamtprodukt oft als „Mystik“ bezeichnet.
Esoterik in der westlichen Welt
Erst mit der Erfindung des Buchdrucks wurden alte Überlieferungen geheimer Lehren in ersten Werken veröffentlicht. Gerade diese Texte belegen und bilden die Grundlage einer ursprünglichen Esoterik. Auf ihr bauen alle großen Lehren auf, die als „wahre Esoterik“ die Herzen der Menschen erreichen und deren Leben meist einschneidend verändern.
Zu den ersten Büchern, die im 16. Jahrhundert verfasst wurden, gehören „Die magischen Werke“ des Autors Agrippia von Nettesheim, der bereits im Jahre 1507 nachweislich eine der ersten geheimen Gesellschaften in Paris gründete, dessen ausschließlicher Zweck das Studium der geheimen Künste war. Ihm folgten die „Mystischen Werke“ von Jacob Böhme, die 1634 erstmals in Augsburg gedruckt und veröffentlicht wurden. Ebenfalls im 17. Jahrhundert hat Emanuel Swedenborg, der zuerst als Wissenschaftler im Bergbau arbeitete und mit 50 Jahren seine hellseherischen Fähigkeiten entdeckte, viele grundlegende Bücher der Esoterik verfasst.
Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden auf all diesen Grundlagen die ersten nachgewiesenen Gemeinschaften der „Freien Maurer“, die den „unbearbeiteten Stein“ – den unerwachten Menschen - durch ihre Lehren des hohen ethischen Verhaltens „glätten“, d.h., zur „harmonischen Reife“ formen wollen.
Im Jahre 1842 ist in dem Schweizer Musiklehrer Jakob Lorber aus Graz seine Medialität erwacht. Er schrieb viele große Werke der Esoterik wie zum Beispiel sein 10-bändiges Johannes Evangelium und brachte dem christlichen Gedankengut damit viele neue tiefe Einsichten.
Fast zeitgleich lebte und wirkte in Frankreich einer der berühmtesten Okkultisten (Vertreter der Lehre der verborgenen Wahrheit), der Pariser Alphonse-Louis Constant, der unter seinem hebr. Pseudonym Eliphas Lévi weltbekannt wurde. Lévi gilt als einer der produktivsten und bedeutendsten Esoteriker überhaupt, schrieb er doch u.a. über 200 Werke. Er hat sich als erster auch wissenschaftlich mit der Chirologie - der Handlesekunst- beschäftigt. Fast alle großen Autoren der Esoterik nach Lévi haben auf seinen Werken aufgebaut und teilweise sogar ganze Abschnitte in ihren eigenen Büchern komplett übernommen.
Im 20. Jahrhundert war es einer der bedeutendsten Mystiker Deutschlands, der deutsche Theologe K.O. Schmidt, der es verstanden hat, die Ganzheitlichkeit der Schöpfung in den verschiedenen großen Religionen der Welt in einem einheitlichen Kontext zu sehen. Ein großer Verdienst seines Wirkens bestand darin, dass er erkannte, dass die Kabbalah der Juden mit ihrer Geheimlehre, dem Sohar, das Gnosis-Wissen, die wahre Yoga-Lehre (Gotteslehre der Inder), die Theosophie (Gottesweisheit) H.P. Blavatskys und die Lehren der Rosenkreuzer im inneren Einklang mit der christlichen Ur-Lehre stehen. Die Tiefe seines religiösen Verständnisses wird in jedem seiner vielen Werke deutlich - insbesondere sein Text über die „Religion der Bergpredigt“ legt davon ein deutliches Zeugnis ab.

Die Grundlagen des esoterischen Wissens
Die Lehrinhalte der oben genannten Autoren waren vorwiegend dem vertieften Studium der christlich-esoterischen Lehren gewidmet. Wir finden in diesen Auslegungen dieser großen Lehrer aber bereits ein tiefes universelles Gedankengut über die Ganzheitlichkeit der Schöpfung. Es baut unverkennbar auf Grundlagen chaldäischen Wissens – wie zum Beispiel der Astrologie – über die großen kosmischen und auf Menschen bezogenen Lehren des Gründers Ägyptens (Thoht); den indischen Lehren Brahma(ns) (Gott) in der Bhagavad-Gita; den indischen Lehren Buddhas sowie dem Wissen der Parsen (Perser) des Zarathustra auf. Die Lehren lassen sich schlüssig durch die Jahrtausende zurückverfolgen, bis zu den frühen Quellen des Wissens, die durch ihr hohes Alter nur noch in den uralten Legenden der Völker vorhanden sind, die über Atlantis, Lemurien und Ur (Nordland) berichten.
Viele der vorgenannten Quellen sind im 20. Jahrhundert ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht worden, daher, mit etwas Suche, dem interessierten Leser auch noch heute zugänglich.
Gerade die esoterischen Veröffentlichungen aus den Jahren ca. 1850 bis 1950 verschiedener Autoren sind in ihren klaren Textaussagen – ihrer direkten Sprachform – für ernsthaft, studierende Schüler der Esoterik von besonderer Bedeutung. Sie bergen viele deutliche Hinweise, wie im Inneren das zuvor gelesene Wissen vertieft werden kann, um die heiligen Kräfte dieses Wissens im eigenen Herzen zu aktivieren.
Die Gesetzmäßigkeiten der Esoterik werden meist in Parabeln, Gleichnissen oder tiefen zweideutigen Texten eingebunden, die nur von bereits vorgebildeten Schülern der Esoterik verstanden werden. Der Name des Gründungsvaters Ägyptens „Thoht“ ist hierzu ein gutes Beispiel. Der Unwissende liest lediglich den Namen. Der im Geheimwissen eingeführte erkennt beim Lesen dagegen sofort das Anagramm, das zeigt, dass der Name rückwärts gelesen gleich bleibt. Er erkennt bei der Namensbetrachtung sodann die „geheime“ Botschaft. Das „o“ steht in der Mitte, symbolisiert den Kreis, die Sonne, den Ursprung der Schöpfung. Aus ihm heraus erkennt er die beiden Buchstaben, die das „Dual“ der Schöpfung symbolisieren. Den im tiefen Wissen eingeführten Esoterikern offenbaren sich noch weitere Informationen, die an dieser Stelle dem eingeweihten Wissen vorbehalten bleiben.
So viel sei gesagt: Das Wort Thoht entspricht vollkommen der esoterischen Botschaft über die Schöpfung des asiatischen Tai Chi (das allgemein als Ying- und Yang-Symbol bezeichnet wird) und auch dem heiligen indischen Zeichen des Lebenskreuzes (Sawista).
Erstmals entstand dann mit der Entwicklung der Theosophie (= Weisheit Gottes) durch H. P. Blavatsky um 1880 die „Geheimlehre“, quasi eine „öffentliche“ Zusammenfassung der großen, alten, wesentlichen Lehren und Themen. Auf diesem Werk haben wiederum fast alle ernsthaften und führenden Autoren der Esoterik des 20. Jahrhundert zurückgegriffen und aufgebaut. Die Theosophie wurde dadurch zu einer nachvollziehbaren Wissensquelle und Grundlage für viele Gruppen des 20. Jahrhunderts.

Esoterik heute
Betrachten wir die gegenwärtigen Lehren des Esoterik-Marktes. Hier finden wir oft Ansätze aus den Ursprungslehren, die jedoch durch eigenes Gedankengut stark verändert wurden, somit ihrem Ursprung nicht mehr gerecht werden. Dies ist einer der wesentlichsten – von vielen – Gründen, warum diese „neuen Lehrsysteme“ keine wirklich befriedigenden Ergebnisse hervorbringen.
Die vielen veränderten Veröffentlichungen dieser Lehren in unzähligen Büchern und Variationen machen aus dem ursprünglich „esoterischen Gedankengut“ eine vollkommen neue öffentliche Lehre. Sie sind daher eher exoterisch zu nennen und widersprechen den esoterischen Lehren oft nicht unerheblich.
Lesen Sie in unserer Juni-Ausgabe weiter: Teil 2 der Geschichte der Esoterik: Was lehrt die Esoterik?


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