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Ausgabe November 2006
Bildungsfreiheit statt Schulzwang!

- Homeschooling -

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Die Söhne der Neubronners lernen lieber und besser zu Hause als in der überfüllten und lauten Schule.Auf den Antrag der Eltern auf Homeschooling hat das Land Bremen mit der Wahl zwischen Zwangsgeld oder Erzwingungshaft reagiert. Jetzt haben Neubronners gegen das Land Bremen geklagt. Ein kleiner Bericht von Dagmar Neubronner.


Deutschland ist eine Insel. Nicht geografisch, aber bildungspolitisch. In den meisten europäischen Ländern, USA, Kanada, Australien und Neuseeland können Kinder frei entscheiden, wie sie lernen wollen. Für Kinder in Deutschland gibt es seit 1938 nur eine einzige Art, wie sie lernen dürfen: in der Schule. Unvorstellbar, dass Kinder ihre eifrige, begeisterte, eigenständige Erforschung der Welt an einem anderen Ort fortsetzen als 12 Jahre lang in einem staatlich verordneten Raum mit meistens 30 anderen Kindern, nach Plan und Rhythmus für Inhalt, Tempo, Methode, mit festgelegten Zeiten, wann sie essen, trinken, sich unterhalten, sich bewegen und den Raum verlassen dürfen. Manchen Kindern macht das Spaß, für manche ist es eine Qual. So wie für unsere beiden Söhne von inzwischen 7 und 9 Jahren. Beide Kinder konnten schon lange vor der Einschulung lesen und schreiben und reagierten auf den Lärm und die Langeweile in der Schule mit Bauchweh, Kopfweh, Alpträumen und Lernblockaden. Unser Antrag auf Homeschooling wurde abgelehnt, stattdessen wurde uns ein Zwangsgeld von 6000 Euro oder Erzwingungshaft angedroht, wenn wir unsere Kinder nicht zum Schulbesuch zwingen würden. Jetzt haben wir gegen das Land Bremen geklagt: Am 3. November um 10 Uhr ist die Gerichtsverhandlung. Die Androhung von Zwangsgeld und Haft ist bis zum endgültigen Gerichtsentscheid ausgesetzt. So lange werden die Kinder unter begleitender Kontrolle der Schule weiter zu Hause unterrichtet und am Ende jedes Schulhalbjahres geprüft - dieses Verfahren könnte Modellcharakter haben, auch wenn es deutlich strenger ist als in den meisten anderen Ländern. (In Österreich reicht eine Prüfung pro Jahr.) Aber in Deutschland wird das Grundrecht auf Bildung gleichgesetzt mit Schulzwang. Dabei zeigen sämtliche Studien, dass Kinder, die sich eigenständig von Zu Hause aus bilden dürfen, statistisch nicht nur mehr lernen, sondern hohe Sozialkompetenz aufweisen. Jugendkriminalität kommt bei “Homeschoolern” praktisch nicht vor, von Universitäten werden sie umworben – im Ausland. Das Spannende am Lernen zu Hause ist die Art und Weise, wie Kinder lernen, wenn man sie in Ruhe lässt. Unsere Kinder haben z.B. einen Comic-Verlag gegründet und monatelang Hunderte von Comicseiten gezeichnet und beschriftet, selbsterfundene Geschichten mit Fortsetzungen natürlich, teilweise eingescannt und als pdf (selbstgemacht!) gegen Rechnung (selbstgemacht!) mit Abonnentenrabatt (selbst errechnet!) an Verwandte und Freunde verschickt – was sie dabei alles gelernt haben, ist mit keinem Lehrplan der Welt erfassbar! Doch in Deutschland landen Eltern, die ihren Kindern eigenständiges Lernen ermöglichen wollen, vor dem Richter. Viele Homeschool-Familien wandern deswegen mit ihren gut gebildeten, bestens sozialisierten, lernmotivierten Kindern aus. Schade! Auch Deutschland sollte sich endlich die Bildungsfreiheit gönnen, die einer pluralistischen Demokratie im Informationszeitalter angemessen ist.



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