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Ausgabe März 2006
Ostara – Das Frühlingserwachen

Thomas Zerbst über das zweite Jahreskreisfest im Jahr: die Frühlings-Tagundnachtgleiche.

Deutete sich im Februar zu Imbolc das Neue bereits zart und teils noch verborgen an, so sprießt das Leben jetzt allerorten aus dem Boden. Es ist die Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche, die Kräfte der Dunkelheit und des Lichts halten sich die Waage. Doch das Licht wird die Oberhand gewinnen und mit dem Wachsen des Lichtes beginnt auch die Zeit des Wachstums, die bis Mittsommer anhält. Ostara ist ein Sonnenfest, das in der heidnischen Tradition, der der Name des Festes entlehnt ist, eine untergeordnete Rolle spielt, jedoch finden wir Feiern des Frühlingsanfangs in sehr vielen Kulturen. Ostara und Tagundnachtgleiche sind nahezu identisch. In der Regel wird Ostara zur Tagundnachtgleiche gefeiert und ist quasi die heidnische Bezeichnung des Festes. Es gibt aber auch Hexentraditionen, die das Fest an dem auf die Tagundnachtgleiche folgenden Vollmond feiern, was sich wiederum mit der christlichen Tradition deckt, die Ostern am Sonntag nach eben diesem Vollmond feiert. Auch ob sich der heidnische Name Ostara tatsächlich von einer Göttin Ostara oder Eostre herleitet – daher übrigens der Name des weiblichen Hormons Östrogen – ist umstritten. Es ist nicht einmal gesichert, ob solch eine Göttin jemals verehrt wurde. Möglicherweise handelt es sich um eine neuzeitliche Erfindung.

Der Sieg des Lichtes
Mit der Equinox, der Frühlings-Tagundnachtgleiche, tritt die Sonne in das Sternzeichen Widder ein, ein Zeitpunkt, der in nahezu allen europäischen Kulturen sowie auf dem amerikanischen Kontinent und im Nahen Osten den Beginn des neuen Lebens markierte. Ob in Nordeuropa sich die ersten Knospen entfalteten oder in Südeuropa bereits das Leben frühsommerlich erblühte, immer feierte man das erwachende Leben, die Kraft des Lichtes. Augenscheinlich ist in diesem Zusammenhang die etymologische Verwandschaft von Osten und Ostern, im Englischen East und Easter, die deutlich auf den Bezug zur im Osten aufgehenden Sonne hinweist. Und auch die heute noch gebräuchlichen Osterfeuer huldigen der Kraft der Sonne.

Der Abstieg in die Unterwelt
Wo Licht ist, ist auch Schatten und so besteht der zweite große kulturübergreifende Mythos der Frühlings-Equinox im Abstieg in die Unterwelt, welchen der Gott oder die Göttin für drei Tage auf sich nehmen musste, um schließlich neugeboren wieder zum Leben zu erwachen. Die Geschichten der Persephone oder von König Arthur und natürlich die Auferstehung Jesu zeugen von diesem Mythos. Und auch Attis, der ebenfalls jungfräulich geborene Liebhaber der phrygischen Kybele, die bereits vor Jesus und später dann zeitgleich mit ihm verehrt wurde, musste für drei Tage in die Unterwelt hinabsteigen.

Die fruchtbare Zeit
Doch vor allem ist Ostara natürlich ein Fruchtbarkeitsfest, das erste der zwei Fruchtbarkeitsfeste im Jahreskreis und Fruchtbarkeit verheißende Symbole wie der Hase und das Ei begleiten dieses Fest seit Urzeiten. Der Hase, der in dieser Zeit besonders seine Fruchtbarkeit unter Beweis stellt, wurde oft auch als der Mondhase der Göttin betrachtet. Zur Entstehung unseres Osterhasen gibt es die schöne Geschichte der Eostre, die im Winter einen verletzten Vogel fand. Um diesen zu retten, verwandelte sie ihn in einen Hasen, aber die Verwandlung war nicht vollständig, denn der Hase legte weiterhin Eier. Hinter all den Fruchtbarkeitssymbolen findet sich ein kulturübergreifendes Mythos von Empfängnis und Schwangerschaft, die neun Monate später schließlich, zur Zeit der Wintersonnenwende, zur Geburt führen (!). Auch unsere umstrittene Ostara paarte sich in dieser Zeit mit dem Sonnengott, um neun Monate später ein Kind zu gebären.Ostara ist die Zeit des jungen Lebens, der Jugend, des Ungestümen und der Abenteurer. Es ist die Zeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein – eine heitere Zeit, unschuldig und voller Leben. Es ist, als läge ein Versprechen in der Luft, eine Knospe, die ihre Blüte bereits erahnt, und an Beltane ihre Erfüllung finden wird.

Das Element Luft im Osten – Luftmeditation
Achten Sie bewusst auf die Luft, die Sie umgibt und die Sie atmen. Entspannen Sie sich, schließen Sie die Augen und stellen Sie sich das Element Luft in allen möglichen Formen vor: als leichten Wind, kalten Sturm oder wilden Orkan, als eine warme Brise oder einen milden Lufthauch. Stellen Sie sich vor, Sie verbänden sich mit dem Element Luft und würden zur Luft. Wie fühlt es sich an, Luft zu sein? Was erleben Sie? Wie geht es Ihnen? Bedanken Sie sich bei der Luft für die gemachte Erfahrung und lösen Sie sich dann wieder von Ihren inneren Bildern. Nehmen Sie Ihren Körper wahr und kommen Sie erfrischt und gestärkt in die Gegenwart zurück.


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