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Ausgabe Januar 2006
Ahnen, Göttinnen und andere Freunde

Arbeiten mit schamanischen Urkräften

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Katja Neumann arbeitet schamanisch und berichtet über ihre Reisen in die nichtalltägliche Wirklichkeit und über das Phänomen von verlorenen Seelenanteilen.

Doch, doch – das geht, glauben Sie mir. Ich bin mit einer Göttin befreundet. Ich kann mit Löwen und Eichhörnchen sprechen, mit Zwergen und anderen Naturgeistern – dort, in der nichtalltäglichen Wirklichkeit. Sie kennen die nichtalltägliche Wirklichkeit nicht? Oh doch! Als Kind wussten Sie um die Wahrheit Peter Pans, aber dann wurde er Ihnen ausgeredet. Jetzt sind Sie selber groß und haben das alles aus Ihrem Leben verbannt. Die meisten jedenfalls.

Die nichtalltägliche Wirklichkeit
Ich will erklären, wie die nichtalltägliche Wirklichkeit oder NAW funktioniert: Sie existiert neben unserer alltäglichen Welt. Wir haben sie genauso weggeblendet wie Peter Pan, Sylphen oder andere Naturgeister. Aber genau dorthin reise ich, wenn ich schamanisch arbeite. Ich muss mich dazu physisch nicht vom Fleck bewegen – und doch habe ich, wenn ich zurückkomme, viel erlebt und Antworten auf meine Fragen bekommen. Es ist schön dort, in der NAW, paradiesisch – ich hoffe, Sie glauben wenigstens ans Paradies... Die alltäglichen Probleme, die hier so schwer wiegen, werden unwichtig. Man hat seine Krafttiere, Lehrer und Helfer um sich und diese sind wohlwollend und zugewandt. Entscheidet man sich allerdings ernsthaft für ein Leben mit der NAW, ist Wegschauen und Verdrängen nicht mehr erlaubt. Die Themen, die angeschaut werden wollen, werden einem glasklar und unverblümt präsentiert. Nun heißt es, die Verantwortung für sich und sein Handeln anzunehmen. Nicht jeder ist darauf vorbereitet. Den Zugang zu bekommen, braucht Geduld und Übung. Die Krafttiere und Lehrer zu finden und zu verstehen, fordert Aufmerksamkeit. Manchmal ist der innere Leistungsdruck oder die Skepsis sogar so groß, dass man sich selbst blockiert. Wenn Sie sich wirklich auf die Chance einlassen, auf dieser Ebene für sich und andere zu arbeiten, kann es auch anstrengend und manchmal sogar ein bisschen gefährlich werden. Sie sollten die Regeln der NAW kennen und achten. Deshalb ist es ratsam, als Anfänger oder bei langen intensiven Reisen einen Lehrer bzw. Mentor zu haben.

Verlorene Seelenanteile
Meine Krafttiere, Lehrer und andere Helfer erwarten mich in der NAW und helfen mir auch, verlorene Seelenanteile von Menschen wiederzufinden und zurückzubringen. Im Schamanismus geht man davon aus, dass jeder Mensch Verluste von Seelenanteilen zu verzeichnen hat, denn wir alle haben unsere kleineren und größeren Dramen erlebt: Traumen durch Trennung, Operationen, Unfälle, Missbrauch, Todesfälle etc. Und um diese auszuhalten oder sogar überhaupt zu überleben, spalten sich kleinere oder größere Anteile unserer Seele ab, „fliehen“ aus reinem Selbstschutz, nehmen den Schmerz, die Erinnerung an das Trauma mit. Dann ist jemand “nicht ganz bei sich” oder “fühlt sich neben der Spur”. Manche können sogar das Loch beschreiben, das sie im Bauch oder im Kopf spüren. Auch Erinnerungslücken, permanenter Energiemangel und chronische Depressionen sprechen für den möglichen Verlust eines Seelenanteils. Nicht jeder muss darunter automatisch leiden oder es überhaupt als Defizit wahrnehmen. Wir sind sehr anpassungs- und improvisationsfähig. Die Verdrängungskunst tut im Zweifelsfall ihr übriges. Außerdem kann man bis zu einem gewissen Maß natürlich auch ohne sogenannte Komplikationen damit leben – so wie mit nur einer Niere. Wenn es sichtbar wird, zeigt es sich oft über Suchtverhalten. Die Leere oder das Loch will irgendwie gefüllt werden: Man ist auf der Suche nach dem passenden Puzzle-Stück und greift aus Mangel an Besserem auf Arbeit, Essen, Drogen, Sport etc. zurück. Chronische Krankheiten sind ein anderes Beispiel. Sandra Ingerman schreibt dazu in ihrem Buch: “Da das Universum Leere nicht aushält, die dadurch entsteht, dass uns Teile fehlen, kann eine Krankheit auftreten, um diesen Platz einzunehmen. Koma ist das extremste Beispiel für Seelenverlust.”

Seelenraub
Nicht immer geht die Seele oder Teile von ihr aus freien Stücken, es gibt auch den Seelenraub. Das klingt sehr kriminell, ist aber in den meisten Fällen nicht so zu verstehen. Diese Art des Seelenverlusts geschieht immer wieder bei Trennungen. Der eine geht und der andere möchte es verhindern, denn er will nicht ohne den geliebten Menschen sein. Auf der physischen Ebene hat der Verlassene wenig Chancen – aber ein Stück der Seele kann er erhaschen. Und es funktioniert auch andersherum: Der eine geht und der andere heftet sich bzw. einen Teil seiner Seele an, weil er “ohne den andern nicht leben kann”. Wie Sie sich sicher schon denken können, ist weder das eine noch das andere besonders hilfreich, geschweige denn gesund. Denn sofort entsteht ein Ungleichgewicht. Der eine hat zu viel, der andere zu wenig. Es gibt so viele Geschichten und Erfahrungsberichte über Menschen, die nach einer Trennung, einem Umzug oder einem Todesfall einfach nicht mehr auf die Beine kommen wollen. Diese Seelenanteile nehmen – und das darf man nicht unterschätzen – etwas von dem Menschen mit, was ihn ausmacht: Lebensfreude, Kreativität, Stärke, Fähigkeit zum Enthusiasmus, Fähigkeit Nähe zuzulassen, Erinnerungen. Daher ist oft erstaunlich, was passiert, wenn man einem Menschen Seelenanteile zurückbringt. Danach haben viele anfangs ein großes Bedürfnis nach Ruhe und Zurückgezogenheit. Ein Gefühl der Zerbrechlichkeit und Schutzbedürftigkeit geht vielleicht mit einer leichten, alten Traurigkeit einher. Viel öfter aber werden “friedliche Stimmung” und “heiteres in-sich-hinein-horchen” beschrieben, Gelassenheit bis hin zu intensiverem Wahrnehmen von Farben und Gerüchen.
Für den Klienten beginnt die Arbeit nach der schamanischen Sitzung erst richtig, aber er kann sie mit einer ganz anderen Kraft angehen. Nicht selten werden ganze Strukturen über den Haufen geworfen, Wohnungen ausgemistet, manchmal auch die Beziehung, Jobs gekündigt und Ausbildungen angefangen – kurz: Dinge werden wieder möglich, von denen man lange nur träumen konnte. Man ist einfach mehr DA. Im Hier und Jetzt. Heute.


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