Ausgabe April 2005
Heilsame Begegnung mit Pflanzen
Erkenntnis aus dem Buch der Natur
Die Heilpraktikerin und Dipl.-Biologin Svenja Zuther berichtet von den Möglichkeiten, wieder an traditionelles Heilpflanzenwissen anzuknüpfen und sich zu einem heilsamen Miteinander mit der Natur zu verbinden.
Paracelsus empfahl zu seiner Zeit, nicht so viel Zeit in Bibliotheken zu verbringen, sondern vielmehr im "Buch der Natur" zu lesen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Wesen und der Geschichte einer Heilpflanze kann unsere Sicht auf bestimmte Aspekte des Lebens erweitern und verändern. Die entsprechenden Kräfte der Pflanze können uns helfen, einen bewussten, heilsamen Umgang mit uns selbst und mit der Natur zu pflegen. Für die Heilpflanzenerkenntnis ist die Signaturenlehre eine große Hilfe: Kosmische Grundideen, die sich auf allen Ebenen des Daseins finden, können wir auch in den Pflanzen erkennen. In der traditionellen abendländischen Kosmologie betrachtet man hier vor allem die sieben bereits im Mittelalter bekannten Planeten unseres Sonnensystems.
Signaturenlehre
Die Sonne steht als alles belebende Kraft im Zentrum. Die anderen Planeten gruppieren sich paarweise um die Sonne und haben daher jeweils einen ausgleichenden Gegenspieler. Mars und Venus gelten als die beiden gegensätzlichen, sich ergänzenden emotionalen Kräfte des Kosmos – männlich und weiblich. Mars verkörpert die impulsive, hitzige Energie und den tatkräftigen Lebenswillen. Er ist der feurige rote Kriegsgott, der verteidigt, beschützt und auch zerstört. Im Körper sind ihm die Galle, das Blut und das Abwehrsystem zugeordnet. Venus hingegen ist der Planet der Regeneration: grün, lieblich und sanft. Venus ist Erholung, Erfrischung, seelisches Wohlbefinden und sie steht mit Hingabe, Empfänglichkeit und Fruchtbarkeit in Zusammenhang.
Für ein gesundes Leben brauchen wir beide, wie den ausgeglichenen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Eine typische Marskrankheit ist z.B. der Bluthochdruck: heute weit verbreitet, da Venusqualitäten in unserer Welt wenig vertreten sind. Auch Allergien und Autoimmunkrankheiten sprechen für ein unausgewogenes Verhältnis von Mars- und Venusenergien. Wenn Mars und Venus in Liebe zueinander finden, entsteht Harmonie, es geht um die Kunst, diese gegensätzlichen Kräfte zu vereinen. Manche Pflanzen können uns hier Vorbilder sein.
Pflanzen als Vorbilder und Heilmittel
Am Weißdorn z.B. zeigt sich die Venussignatur in der zarten, weißen Blütenpracht, die im Mai wohl jeden Spaziergänger bezaubert. Wer genauer hinschaut oder gar versucht, sich einem Weißdorn zu nähern, begegnet den kräftigen, sehr spitzen Dornen, die einen Weißdornbusch zu einer undurchdringlichen Festung machen – gemeinsam mit den feuerroten Früchten im Herbst eine unmissverständliche Marssignatur. Ein frei stehender Weißdorn kann zu einem gewölbeartigen Schutzraum heranwachsen. Die Äste hängen dann in weitem Bogen bis zum Boden herab. Wer in solch eine Kuppel eines alten Weißdornbusches eintritt, kann spüren, wie Spannungen durch Stress und Eile abfallen und ein anderes Thema sich in den Vordergrund des Bewusstseins drängt: die Liebe. Im Reich des Baumes fühlt man sich geschützt vor dem Rest der Welt. Hier kann man aufatmen, hier kann das Herz ruhig und kräftig schlagen. Angesichts des hölzernen Schutzwalls um mich herum, kann ich hier mein Herz öffnen, ohne Angst verletzt zu werden. Hier kann ich meine Sorgen an die Zweige spießen und hinter mir lassen. Der Weißdorn erzählt mir: "Die grausame Zeit hat hier keine Macht!" und bringt mich zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Zeit. "Ich kann die Abkehr von der Liebe heilen, sagt er. Der Weißdorn ist heute die einzige bekannte herzwirksame Arznei, die die Herzaktion stärkt und gleichzeitig den Herzrhythmus stabilisiert. In der Volksheilkunde wird sie sowohl bei leichten Formen des Bluthochdrucks als auch des zu niedrigen Blutdrucks angewandt. Und für von Sorgen und Ängsten geplagte Menschen hat sich der Weißdorn als beruhigendes und den Schlaf förderndes Mittel bewährt.