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Ausgabe Oktober 2009
Paaraufstellungen

Wann sie helfen und was sie bewirken – von Manuela Komorek

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Das Thema Partnerschaft begleitet uns ein Leben lang. Es beginnt mit der ersten Bindung an die Mutter und den Vater und setzt sich fort über die Pubertät hin zur Vereinigung und tiefen Bindung an einen Partner bis zum Loslassen nach Trennung oder Tod.

Eine glückliche und erfüllende Beziehung ist für uns Antrieb und manchmal Sinn für das eigene Handeln. Selbst als Single bleibt das Thema Partnerschaft als Suche, Mangel, Verzicht oder Vermeidung erhalten. Oft jedoch leiden wir an diesem Thema. Glück und Erfüllung bleiben aus und an ihre Stelle treten Einsamkeit und Verzweiflung. Gegenseitige Verletzungen sind plötzlich zum Alltag geworden. Häufige Trennungen scheinen eine neue Bindung unmöglich zu machen. Wir stecken fest im Leid.

In dieser Situation kann eine Aufstellung die richtige Methode sein, um Klarheit und neue Wege zu finden. Mit Hilfe von Stellvertretern werfen wir einen Blick auf das, was uns innerlich bewegt und zu einem Partner hin oder von ihm weg zieht. Es ist als würden wir unseren inneren Beziehungsraum betreten und dort das Licht einschalten. Oft nach langer Zeit der Dunkelheit. Endlich sehen wir, was - oder besser: wer - sich dort in diesem Raum aufhält. Manchmal ist das eine schmerzhafte Erkenntnis und doch ist es letztlich gut zu wissen, wie es in uns aussieht. Wenn dann nach der Aufstellung das „Licht wieder aus geht“ vergessen wir trotzdem nicht was wir gesehen haben und richten uns innerlich neu aus.

Es gibt drei unterschiedliche Problemsituationen, bei denen Aufstellungen besonders hilfreich sind: Die langjährige erfolglose Suche nach einem Partner, Probleme innerhalb einer bestehenden Partnerschaft oder bei Schwierigkeiten nach einer Trennung.
Da diese drei Anliegen von ihrem Wesen ganz grundsätzlich unterschiedlich sind, möchte ich hier auf die dahinter liegende Dynamik eingehen, die sich in Aufstellungen gezeigt hat und auch auf Lösungsmöglichkeiten hinweisen.



Die lange erfolglose Suche nach einem Partner

Wer schon lange als Single lebt und das als schmerzhaft empfindet, könnte unbewusst mit einem Angehörigen verstrickt sein. Meist mit einer Person aus dem eigenen System, die ein schweres Schicksal hatte oder vergessen wurde. Dann stehen wir z.B. innerlich auf dem Platz neben dem Vater oder der Mutter und verhalten uns wie ein Partner dieses Elternteils. Das hat zur Folge, dass wir uns unbewusst so fühlen, als hätten wir bereits einen Partner.
Ebenso kann es die Ursache dieses Problems sein, dass wir den falschen Platz innerhalb der Rangordnung unter den Geschwistern einnehmen, wenn wir z.B. unseren Platz als jüngstes Kind nicht akzeptieren, sondern den ersten Platz haben wollen, geraten wir leicht in Konkurrenzkämpfe – auch mit oder gegen einen Partner. Ein weiterer Hintergrund bei dieser Dynamik ist der Verlust von einem früh verstorbenen Geschwister, dann wollen wir diesem nachfolgen und trauen uns nicht, ein erfülltes Leben zu haben. Wir sind dann für einen möglichen Partner unerreichbar und könnten diesen auch nicht wahrnehmen, wenn er vor uns stünde. Das zeigt sich in Aufstellungen immer wieder.
Hilfreich ist es hier, sich mittels einer Aufstellung bewusst zu werden, mit wem wir innerlich verbunden sind, sich dann aber an den eigenen Platz zu stellen und wahr zu nehmen, wie es sich dort anfühlt. Wir stehen dann innerhalb der Reihe unserer Geschwister, vor den Eltern. Dieser Platz gibt uns Kraft für das eigene Leben. Nun kann ein Stellvertreter für den „Traumpartner“ dazu gebeten werden. Und häufig ist es erst jetzt möglich, diesen überhaupt zu sehen und einen Schritt auf ihn zuzugehen.



Probleme in einer bestehenden Partnerschaft

Tauchen massive Probleme innerhalb einer Partnerschaft auf, können diese natürlich genauso von den o.g. Verstrickungen herrühren, häufiger aber ist es die Verbindung der beiden Systeme, die die gegenseitige Akzeptanz und Achtung erschwert. Denn beim Zusammenkommen von zwei Menschen verbinden sich nicht nur diese, sondern auch ihre Herkunftsfamilien miteinander. Wenn wir das System des Partners als das „falsche“ System und unseres als das „richtige“ erleben, führt das ganz konkret zu Schwierigkeiten im Alltag. Vor allem bei Verhaltensmustern, die wir aus unserer Herkunftsfamilie übernommen und tief verinnerlicht haben wie z.B. die Kindererziehung oder die Gestaltung des Weihnachtsfestes und anderer Familienfeiern. Um nun auch das System des Partners zu achten, können in einer Aufstellung beide Partner voreinander stehen und hinter ihnen die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Mit einer leichten Verneigung geben sie den Ahnen des Partners die Achtung, die hilft sich aus dem Herkunftssystem zu lösen und gemeinsam ein neues System zu entwickeln.
Wenn wir uns nicht von der Herkunftsfamilie gelöst haben, können wir für einen Partner nicht als Mann oder Frau zur Verfügung stehen. Wir schauen dann innerlich wie Kinder auf die Eltern und wollen noch etwas von ihnen haben. Kann diese Situation in einer Aufstellung sichtbar gemacht werden, ist der nächste Schritt sich umzudrehen und dann nach vorn in das eigene Leben zu gehen. Um dann in die männliche oder weibliche Kraft zu kommen, gibt es ein Ritual, das in der Aufstellungsarbeit entstanden ist. Handelt es sich bei dem Klienten um einen Mann, dann stellen sich alle männlichen Teilnehmer der Gruppe hinter diesen als Stellvertreter für die Männer aus dem System des Klienten. Der letzte in der Reihe beginnt dann, die männliche Kraft in Form eines festen Schlages zwischen die Schulterblätter nach vorne weiter zu geben, bis sie mehrfach potenziert beim Klienten der ganz vorne steht ankommt.

Bei Frauen ist die Vorgehensweise ähnlich, doch die Weitergabe der weiblichen Kraft erfolgt eher sanft. Häufig lasse ich die letzte Frau einen Stein oder ein kleines Symbol weiter geben durch die Reihe der Frauen bis nach vorn zur Klientin.
Dann können sich die Partner als Mann und Frau begegnen und aus der Bedürftigkeit des Kindes herauswachsen.



Schwierigkeiten nach einer Trennung

Vergangene Beziehungen wirken manchmal noch stark bindend auf uns. Dann sind wir vielleicht in einen jahrelangen Rechtsstreit verwickelt oder lassen uns auf keinen neuen Partner mehr ein, aus Angst erneut verletzt zu werden. Hier lohnt sich ein Blick zurück, um klarer nach vorne schauen zu können. Gerade wenn gemeinsame Kinder die ehemaligen Partner ein Leben lang als Eltern verbinden. Häufig fehlt die Achtung des früheren Partners. Die Erinnerungen an ein Scheitern überwiegen. Wenn wir das, was wir von unseren Partnern bekommen haben, nicht achten und wertschätzen, dann bleiben wir ihnen etwas schuldig und wir können sie nicht loslassen. Gleichzeitig missachten wir auch einen Teil von uns, den Teil, der diesen Partner einmal geliebt hat. Hilfreich ist hier, sich innerhalb einer Aufstellung vor einen Stellvertreter des Ex-Partners zu stellen und noch einmal zu spüren, wie es uns mit ihm geht. Tauchen Ablehnung und Widerstand auf, gibt es hilfreiche Sätze wie: „Ich achte das was ich von dir bekommen habe“ oder „Was ich dir gegeben habe, habe ich dir gerne gegeben, du darfst es behalten“ und „Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung für das was zwischen uns nicht geklappt hat und lasse deinen Teil bei dir“. Wenn diese Sätze gesammelt gesagt werden, haben sie eine tiefe Wirkung.



Nach einer Aufstellung

Aufstellungen erwecken manchmal den Anschein eines Hollywoodfilms mit Happyend. Sie erleben sich auch so. Aber es ist nicht das Happyend es ist das „Happybeginning“, denn die eigentliche Leistung der Integration des Erlebten findet in der Zeit danach statt. Und häufig erfordert diese Zeit tiefgreifende Veränderungen, da etwas Neues ins Bewusstsein gekommen ist.

www.manuelakomorek.de


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