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Ausgabe September 2009
Die Kunst der Diagnose

Worin liegt die Kunst bei der Ausübung von traditioneller chinesischer Medizin? Haidrun Schäfer befragte die TCM-Ausbilderin Margot Schlemender-Mischo.

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KGS: Sie unterrichten chinesische Medizin. Ein wichtiger Baustein ist die Diagnose. Braucht es bestimmte Fähigkeiten, um zu einer Diagnose zu kommen?

Frau Schlemender-Mischo: Auf jeden Fall. Wenn jemand mit Kopfschmerzen zu mir kommt, können die Ursachen auf so viele unterschiedliche Auslöser zurückzuführen sein, dass die Kunst darin besteht, genau herauszufinden, wo die Ursache liegt. Dafür stehen in der chinesischen Medizin verschiedene Diagnosemittel zur Verfügung, wie die Zungen- und die Pulsdiagnose.


Wieso haben Sie sich als Europäerin für die chinesische Medizin entschieden?

Was die chinesische Medizin einzigartig macht, sind ihre verschiedenen Diagnostikmethoden. Es gibt die Zugendiagnostik, die Pulsdiagnostik und die persönliche Wahrnehmung des Patienten – dieses Zusammenspiel führt zu einer Diagnose und der daraus resultierenden Behandlung.


Die Pulsdiagnose ist ja sehr speziell und unterscheidet sich von dem herkömmlichen Pulszählen.

Es gibt in der chinesischen Medizin 28 Pulsqualitäten. Das hört sich kompliziert an, ist aber einfach zu lernen, wenn man einen guten Lehrer hat. Über die Pulsdiagnostik sieht man die Energieverteilung im Körper – wo fließt zu viel, wo zu wenig, wie ist die Qualität der Energie. So ist zum Beispiel im Falle einer Blasenentzündung mit Kälteursache der Puls gespannt. Diese Information gibt einen Hinweis für die Patholgoie und die Behandlung, nämlich die Kälte aus der Blase zu vertreiben.


Sie lehren an dieser Schule eine Ausbildung für TCM. Wie lange dauert dieser Lehrgang?

Die Grundausbildung Akupunktur dauert drei Jahre. Das sind ca. 1200 Stunden, einschließlich 480 Stunden im PraxisAmbulatorium. Für die chinesische Arzneimittellehre braucht man 520 Stunden. Unsere Ausbildung ist praxisorientiert , d.h. die SchülerInnen sind ab dem 2. Ausbildungsjahr unter Supervision in der Schulpraxis.


Wer scheitert in der Praxis?

Einmal diejenigen, die nicht gut ausgebildet sind und dann auch diejenigen, die über keine empathischen Fähigkeiten verfügen.


Empathie scheint mir eine Grundlage für alle heilende Berufe.

Eine sehr wichtige. Und das möchten wir in dieser Schule auch den Schülern mitgeben: Wie gehe ich auf den Patienten ein? Wie nehme ich einen Menschen wahr? Welche Information bekomme ich über seine Erscheinung von Körper und Gesicht, seine Stimme, seine Augen etc.? Was erzählt er und wie erzählt er es? Dies sind Schlüsselmerkmale, die für die Zusammenarbeit mit dem Patienten wesentlich sind. In unserer Ausbildung setzen wir einen Schwerpunkt auf diese Wahrnehmung.


Wie war Ihr eigener Werdegang?

Ich war ursprünglich Arzthelferin und als mein damaliger Chef schwer krank wurde, kam ich in Kontakt mit Alternativmedizin.
Ich habe zuerst Ohrakupunktur gelernt und 1987 angefangen, chinesische Medizin zu studieren. Damals gab es noch keine Schule, sondern man musste sich seine Lehrer suchen. Ich war in China und hatte auch viele internationale Lehrer.
Seit 1991 habe ich eine Praxis mit dem Schwerpunkt chinesische Medizin. Ich habe einige Jahre hier in Berlin die Weiterbildungen in chinesischer Medizin für die Arbeitsgemeinschaft für klassische Akupunktur (AGTCM) geleitet. Seit 2005 bin ich die Schulleiterin von Shou Zhong, die 1991 gegründet wurde und ein gemeinnütziger Verein ist, ein Non-Profit-Unterernehmen, und nicht einer Privatperson gehört. Wir sehen u.a. unsere Aufgabe darin, unseren AbsolventInnen die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie brauchen, um als TherapeutIn erfolgreich chinesische Medizin zu praktizieren.



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