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Ausgabe Juli 2003
Lebensschulen für Kinder

... mit Wissen, was man wirklich braucht.

In der Schule haben wir Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt. Wir haben gelernt, wie viele Einwohner New York hat, wie lang der Nil ist und wie viel Gold in Australien gefördert wird - eben "die wichtigen Dinge, die wir täglich brauchen". Irgendwann stehen wir vor der Aufgabe, wirklich zu leben und müssen erkennen, dass uns das niemand gezeigt hat. Marco Leonardo widmet sich seit 1996 dem Aufbau von Lebensschulen für Kinder.

Die Schule der Tiere
"Eines Tages versammelten sich ein Hase, eine Amsel, ein Eichhörnchen, ein Fisch und ein Aal im Wald mit dem Zweck, eine Schule zu gründen. Sie bildeten einen Schulrat und ein jeder brachte seine Vorstellungen ein. Der Hase forderte, dass Schnelllauf in den Lehrplan aufgenommen werden müsse, die Amsel bestand darauf, dass Fliegen zum Lehrplan gehöre, das Eichhörnchen meinte, senkrechtes Bäumeklettern sei absolut wichtig und der Aal bestand darauf, dass das Löcher-in-die-Erde-bohren als Fach aufgenommen wird. Sie nahmen alle diese Fächer und Disziplinen in den Lehrplan auf und erklärten es zur Regel, dass jedes Tier alle Fächer belegen müsse. Obwohl der Hase ein "sehr gut" im Schnelllauf bekam, stellte sich heraus, dass er ernsthafte Probleme hatte, senkrecht auf die Bäume zu klettern. Er fiel immer sofort hintenüber. Nach kurzer Zeit war er von den vielen Gehirnerschütterungen geistig nicht mehr auf der Höhe und konnte beim besten Willen nicht mehr so gut laufen. Anstatt einer Eins im Laufen bekam er jetzt eine Vier und natürlich nach wie vor eine Sechs im Bäumeklettern. Die Amsel war ausgezeichnet im Fliegen, aber wenn es darum ging, Löcher in die Erde zu bohren, brach sie sich den Schnabel und verletzte ihre Flügel. Bald bekam sie nur noch eine Vier im Fliegen, eine Sechs im Löcher in die Erde bohren und beim Schwimmen erging es ihr ganz schlecht. Der geistig minderbemittelte Aal ging als Klassenbester hervor, weil er alles halbwegs richtig machte."

"Unser Hauptfehler liegt in dem Versäumnis, die in einem Menschen vorhandenen Tugenden zu fördern. Stattdessen verlangen wir von ihm Tugenden, die er nicht hat."
Kaiser Hadrian
Unsere alte Erziehungsstruktur zollt dem Individuum nicht den geringsten Respekt, sondern zwingt alle in ein bestimmtes Muster. Dieses Muster mag zufällig für ein paar Menschen passend sein, die Mehrzahl aber geht unter oder verliert sehr schnell die natürliche Freude am Lernen.

Falscher Platz im Leben?
Fast jeder ist "am falschen Platz", denn wer lange genug von seiner wahren Natur abgelenkt wurde, fragt andere, was er im Leben machen soll, oder er erfüllt die Erwartungen derer, die es gut meinen, er reiht sich ein und folgt der Masse. Derjenige, der Dichter hätte werden können, steht hinter einem Bankschalter und ein anderer, der immer malen wollte, wird Steuerberater. Jeder Mensch möchte im Leben erfolgreich sein, seinen Platz und seine Aufgabe im Leben optimal erfüllen. Kinder sind auf natürliche Weise lernbereit und wollen vieles herausfinden.
Intellekt wird fälschlicherweise für Intelligenz gehalten. Psychologen haben festgestellt, dass jedes Kind intelligent ist, bis es in die Schule kommt. "Normale Schulen" entfernen uns von der Wirklichkeit, sie gehen am wirklichen Leben und den Bedürfnissen des Einzelnen vorbei. Immer noch werden die Schüler nach starren Lehrplänen unterrichtet und mit totem Wissen voll gestopft. Auf der Strecke bleiben so oft Herzensbildung, Selbstentfaltung und ein klares, waches Bewusstsein, also genau die Werte, die ein erfüllendes Leben ausmachen. Was wir in der normalen Schule nicht lernen ist, wie man seinen Körper gesund erhält, wie man seine Probleme löst und seine Ziele sicher erreicht. Aber um genau das geht es im Leben und eine Schule sollte dem Menschen dienen, ihm helfen, sich selbst zu entfalten und sein schöpferisches Potential zu verwirklichen.

Die Schule fürs Leben
Die Lebensschule fördert die Eigenschaften des Schülers, die seinem individuellen Weg entsprechen und seinem Lebenserfolg dienen. Lebe Dein Leben - echt ehrlich und authentisch, das ist die Botschaft der Lebensschule. Durch Entspannung und Meditation wird der "Weg nach Innen" gefördert, so dass die Schüler ihre Lebensvision und ihr Selbst-Bewusstsein finden. Phantasiereisen wirken gleichzeitig ausgleichend entspannend und harmonisierend und stärken die Fähigkeit der Imagination. Einfache Übungen wie Balancieren, Fühlübungen mit geschlossenen Augen, welche Konzentration, Aufmerksamkeit und Gleichgewichtssinn trainieren, fördern letztendlich ein waches Bewusstsein und der Lernprozess wird wieder natürlich und leicht, weil alle inneren Sinne gleichzeitig "beteiligt" sind. Durch mehr Gewahrsein und mehr Aufmerksamkeit verbessern sich Schulleistungen und Prüfungsergebnisse "automatisch". Wenn Kinder ihr eigenes Zentrum fühlen und darin verwurzelt sind, können sie sich jederzeit daran "er-innern". So finden sie mühelos in entsprechenden Situationen den Zugang zu einer entspannten inneren Atmosphäre und Lernblockaden und Ängste lösen sich auf.

Meine Lebensschule
1996 gab es erste Gespräche mit Schulleitern und den entsprechenden Verwaltungsbehörden. Schließlich bekam ich die Erlaubnis, an einer Grundschule im Unterricht mit allen Klassen ein Entspannungstraining durchzuführen. Die Kinder waren so begeistert, dass sich über 30 von ihnen für eine regelmäßige Teilnahme entschieden und so begann ich, nach und nach andere Grundschulen und auch Kindergärten aufzusuchen und dort schulbegleitend mit Kindern zu meditieren. Später ging ich auch in Sekundarschulen, Gymnasien und Berufsschulen. Dort stand das Thema Stressbewältigung an erster Stelle, gefolgt von Lebenssinn, Lebenswegplanung, Zielfindung und Zielverwirklichung. So haben über 3000 Schüler Berührung damit gehabt, über 200 entschieden sich spontan, regelmäßig teilzunehmen.
Das ist ein Aufruf an Menschen, die sich von der Idee angesprochen fühlen, in ihrer Stadt eine Lebensschule zu gründen.
Viele Kinder warten sehnsüchtig darauf, dass ihnen jemand die Unterstützung gibt, sie selbst zu sein. Bei der Umsetzung helfe ich gern.


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