Ausgabe April 2003
Ayurveda-Ölmassagen
Haidrun Schäfer war bei Violetta Gouren, die eine Jahresausbildung für Ayurveda-Massagen anbietet.
Seit acht Jahren arbeiten Violetta Gouren und Tashina Kohler zusammen und verwöhnen neugierige und offene Menschen mit ihren erfahrenen Händen. Heute komme ich in den Genuss einer vierhändigen ayurvedischen Ölmassage, das Sahnehäubchen ihrer vielfältigen Angebotspalette verschiedenster Massagemöglichkeiten.
Der Arbeitsraum ist wohlig warm und empfängt schon beim Betreten mit angenehmen Gerüchen. Grundlage der meisten ayurvedischen Massagen ist Sesamöl, in das einige, auf den Massageempfänger abgestimmte ätherische Öle und Kräuter gemischt werden. Ich wünsche mir nach einem Schnuppertest Rose und Ylang-Ylang mit einem Hauch Sandelholz.
Sich massieren zu lassen, ist ein Geschenk. Ein warmes Laken liegt leicht über der nackten Haut, die Augen geschlossen, bleiben Arme und Beine bewegungslos, müssen nichts tun, sondern dürfen einfach nur empfangen. Zuerst die Ruhe und Wärme und dann langsam die Gerüche der Öle, die durch die Erwärmung des Massageöls ihren Duft verströmen. Ich fühle mich warm und geborgen und freue mich auf den bevorstehenden Genuss. Sanft spüre ich zwei Hände an meinen Schläfen und zwei Hände an meinen Füßen - eine Berührungsbegrüßung, die meinen ganzen Körper umschließt. Und dann geht es los: warmes Öl wird über Füße, Beine, Schultern, Arme und Oberkörper gegossen und mit kräftigen Bewegungen beginnt eine vierhändige Ganzkörpermassage, die gleichzeitig eine Erlebnisreise durch den eigenen Körper wird. Am Anfang widmen sich zwei Hände meinen Schultern und meinem Oberkörper, während zwei andere Hände meine Füße massieren. Durch die Berührung dieser beiden weit auseinander liegenden Stellen habe ich das Gefühl, dass sich mein Körper lang ausdehnt und gleichzeitig klar umschlossen bleibt. Angenehm ist es, denn die Hände gleiten kräftig und sanft über die gut eingeölte Haut, sind am Nacken und am großen Zeh, dann wieder an den Waden und in den Haaren. Auch das Gesicht und die Haare werden geölt und massiert - das Gesicht mit einem besonderen Öl, was auch wieder verführerisch riecht. Alles badet in Öl, geschmeidig und duftend. Fließend sind die Übergänge zum nächsten Stadium, wo ihre Hände von den Seiten über die Länge des ganzen Körper massieren. Wieder wird mit warmem Öl geölt, die Beine und Arme, die Füße und Hände, der Bauch und die Brust, der Nacken und die Schultern. Die Stellen von Schultern über Brust und Taille zu den Hüften kommen mir vor wie eine Rutschpartie - schwungvoll sind die Bewegungen, manche meiner Körperstellen kichern ganz leise und äußerst zufrieden. Es entsteht eine Dynamik, die ruhig und kraftvoll ihre Bahnen zieht. Irgendwann muss ich doch eine aktive Bewegung leisten, um mich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Wieder träufelt warmes und duftendes Öl auf meine Beine und über den Rücken bis hin zu den Armen. Gleichzeitig sind die vier Hände auf beiden Beinen, massieren synchron über Rücken und Schultern, streichen bis zu meinen Händen. Diesmal folge ich den Wellen der Berührungen und keine Assoziation zu was auch immer durchkreuzt meine Wahrnehmung, denn ich erlebe etwas, was ich mit nichts anderem vergleichen kann. Irgendwann soll ich mich noch einmal umdrehen und wieder gleiten vier Hände über meinen ganzen Körper. Ich bin überrascht, wie unterschiedlich ich die Massagen an den einzelnen Stellen wahrnehme: meine Hände reagieren freudig verzückt über den Kontakt, ganz aufgeregt und trotzdem genießerisch. Ähnlich geht es meinen Füßen - bei ihnen kommt noch ein Gefühl von tiefer Dankbarkeit hinzu. Mein Rücken gibt sich wohlig schnurrend hin, ähnlich wie die Beine, die gerne der Aufforderung nachkommen, nicht wieder im nächsten Moment aufspringen zu müssen. Meine Taille hingegen verfolgt freudig lächelnd den Schwung, den die Hände in ihren Kurven nehmen, um dann bei den Hüften zu verweilen. Auch meine kleinen Zehen finden die gleichzeitige Bearbeitung äußerst lustig.
Zum Abschluss werden auf meine Augen mit Rosenwasser getränkte Kompressen gelegt, und ich bleibe für eine viertel Stunde mit meinem schnurrenden Körper allein, um die wohlige Entspannung zu genießen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eindeutig geklärt: Gott hat den menschlichen Körper erschaffen, um eine vierhändige Ayurveda-Ölmassage zu genießen.