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Lavendel in der Naturheilkunde. ...von Silke Gugenberger-Wachtler und Martha Pichler


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Lavendel duftet nicht nur gut, er weist auch zahlreiche Heilwirkungen auf, die sich die Naturheilkunde seit Jahrtausenden zunutze macht. So wird Lavendel bereits seit alter Zeit als Schönheitselixier, zur Körperpflege und als Heilmittel verwendet. Die alten Ägypter nutzten ihn zur Einbalsamierung und auch in der Bibel wird der Lavendel erwähnt. Speiklavendel etwa ist eine der Hauptzutaten beim sogenannten „Magdalenenöl“, das Maria Magdalena zur Salbung Jesu verwendete.
In der Materia medica von Dioskurides im 1. Jahrhundert nach Christus wird der Schopflavendel (Lavandula stoechas) als gutes Mittel gegen Brustleiden genannt sowie als Gegenmittel bei Vergiftungen. Es finden sich Rezepte für Lavendelwein und Lavendelessig, die Schleim lösen, gegen Blähungen wirken und sogar zur Behandlung von Epilepsie geeignet sein sollen. Auch die alten Römer wussten um die wunderbaren Eigenschaften des Lavendels und parfümierten damit ihr Badewasser. Vom lateinischen Wort lavare, das „waschen“ oder „baden“ bedeutet, leitet sich übrigens auch sein lateinischer Name ab: Lavandula. Vor allem bei den römischen Truppen war Lavendel hoch angesehen: So bedufteten sich die Soldaten im Angesicht einer bevorstehenden Schlacht, um Unruhe zu lindern und Tapferkeit sowie Mut zu verstärken. Und tatsächlich wirkt Lavendel beruhigend, ohne müde zu machen, und stärkt den Geist.

Lavendel in der Traditionellen Chinesischen Medizin
Auch in der traditionellen chinesischen Medizin nutzt man die Heilkraft des Lavendels. Lavendel wirkt thermisch kühlend und löst somit übermäßige Hitze auf. Er beruhigt das Yang, wirkt schmerzstillend und löst Blockaden der Lebenskraft (Chi). Die ihm zugeordneten Organe sind Leber, Herz und Magen.

Lavendel bei Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen (1098–1179) zählt zu den bekanntesten Heilerinnen des Mittelalters in Europa. Der Rat der Benediktinernonne und späteren Äbtissin war in allen Ecken Europas gefragt und sie unterhielt regen Briefverkehr mit Bischöfen, Kaisern, Fürsten, Äbten und Nonnen.
Die Heilkraft des Lavendels war ihr nicht unbekannt und so findet sich in ihrem Werk auch ein Abschnitt über diese wunderbare Heilpflanze. Hildegard berichtet über den Lavendel: „Der wilde Lavendel ist warm und trocken, und seine Wärme ist gesund. Wer Lavendel mit Wein kocht, oder, wenn er keinen Wein hat, mit Honig und Wasser kocht und so oft lau trinkt, der mildert den Schmerz in der Leber und Lunge. Es bereitet ihm einen reinen Verstand und löst die Kurzatmigkeit in seiner Brust.“
Lavendelwein galt nach Hildegard von Bingen also als Tonikum zur Stärkung von Lunge und Leber und soll auch das klare Denken fördern. Bei Bedarf sollte man ein Likörglas voll vor dem Schlafengehen trinken.

Rezept Lavendelwein nach Hildegard von Bingen
Zutaten:
• eine Flasche Wein
• drei Esslöffel getrocknete Lavendelblüten
• 1–2 TL Honig (nach Belieben)

Kochen Sie den Lavendel für 3 Minuten mit dem Wein auf. Danach muss der Wein ohne Wärmezufuhr noch weitere 15 Minuten ziehen. Filtern Sie den Lavendel nun heraus (z.B. mit einem Kaffeefilter oder einem sauberen Baumwolltuch). Füllen Sie den Wein nun in eine gut gereinigte Flasche und süßen sie diesen – je nach Gusto – mit 1–2 TL Honig.


Veröffentlichung des Buchauszugs mit freundlicher Genehmigung des Windpferd Verlags.

Die Autorinnen Silke Gugenberger-Wachtler und Martha Pichler thematisieren neben dem ausführlichen Einsatz von Lavendel in der Aromatherapie auch Gesundheitsthemen der modernen Wissenschaft.

Buchtipp:
Silke Gugenberger-Wachtler & Martha Pichler:
Das Lavendelbuch, Alles Wissenswerte zur Heilpflanze
Windpferd Verlag, Oberstdorf 2018
160 Seiten, 19,95 Euro