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Das Heilige in der Natur – ein Weg zu uns selbst. ...von Amoura Schneider-Ahmed


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In den letzten 150 Jahren hat unser Verhältnis zur Natur einen großen Wandel erfahren und es sieht so aus als sei unsere Verbindung zur Natur verloren gegangen. Die Zeiten, als die Natur unseren Tagesablauf und unser Leben bestimmte, gehören längst der Vergangenheit an. Unser Essen kaufen wir im Supermarkt und Missernten, welche unsere Vorfahren einst ihre Existenz kosten konnten, spüren wir höchstens an ein paar Cent mehr an der Kasse. Wir haben das große Glück, von fast allen Naturkatastrophen, die unseren Planeten bis jetzt heimgesucht haben, weitgehend verschont geblieben zu sein, und wir erfahren von ihnen lediglich aus den Medien. So fühlen wir uns von der gewaltigen Kraft der Natur weitgehend unberührt.

In der Stadt erleben wir ihre Auswirkungen - wenn es zum Beispiel regnet - höchstens an dem erhöhten Verkehrsaufkommen oder daran, dass wir es einmal nicht trockenen Fußes zur Arbeit geschafft haben. Es scheint als lebten wir weitgehend unabhängig von all dem, was Natur ausmacht. So beschränken wir uns oft auf die Urlaubszeit, um uns der Kraft und Schönheit der Natur etwas zu nähern - und selbst dann sind wir oft mit anderen Dingen beschäftigt und nehmen die Natur lediglich als schöne Kulisse wahr.

Wir haben uns die Natur untertan gemacht
Für unsere Vorväter hatte die Natur noch einen anderen Stellenwert und je weiter wir in der Menschheitsgeschichte zurückgehen, umso mehr war die Verbindung des Menschen zur Natur von Mythen und spirituellen Themen geprägt. Jeder Naturgewalt wurden Götter zugeordnet und man war sich zutiefst bewusst, wie sehr unsere Existenz von Mutter Natur abhängt. Ihre lebensspendende oder lebenszerstörende Kraft war immer präsent, der Mensch war der Natur vollkommen ausgeliefert. Aus diesem Grund galt für lange Zeit das oberste Ziel, sich die Natur untertan zu machen, sie zu beherrschen, um schließlich weitgehend unabhängig von ihr zu werden. Wir sind dazu übergegangen die Natur nach unseren „vermeintlichen“ Bedürfnissen auszurichten und haben über die Jahrhunderte dabei vergessen, dass wir nicht nur ein Teil dieser, sondern Natur selbst sind. Je mehr wir die Natur ignorieren und missachten desto gewaltiger meldet sie sich zu Wort. Dass durch dieses Verhalten das gesamte Ökosystem unserer Erde aus den Fugen geraten ist, kann man anhand der sich häufenden Naturkatastrophen deutlich erkennen. Aber es gibt noch einen weit subtileren, feineren Aspekt, der sich auf der quasi kleinsten Ebene unseres Daseins bemerkbar macht: Indem wir uns über die Jahrhunderte hinweg von der Natur entfremdet haben, haben wir uns gleichzeitig von einem essentiellen Teil unseres persönlichen Daseins abgetrennt und diesen gedanklich und emotional verbannt. Die Folge daraus ist eine schmerzhafte innere Leere.

Ein hoher Preis: Sinnlosigkeit und Leere in der heutigen Zeit
Uns wurde diese distanzierte Haltung zur Natur zu einer schlechten Gewohnheit. Wir haben im Laufe der Zeit schlichtweg vergessen, wie essentiell die Natur nicht nur für unsere Existenz, sondern auch für unsere Seele ist. Wir spüren dies durch eine Art Entfremdung von uns selbst, einer subtilen inneren Leere, die sich durch nichts zu füllen lassen scheint. Dass dieses Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere in direktem Zusammenhang mit unserer Entfremdung von der Natur zusammenhängen könnte, wird erst deutlich, wenn wir für einige Zeit wieder mit der Natur in Kontakt kommen - meistens im Urlaub, im eigenen Garten oder bei einem Spaziergang im Wald oder Aufenthalt im Park. Dann können wir, wenn wir uns darauf einlassen, ihre wohltuende Präsenz spüren - atmen auf und schöpfen neue Kraft. Je öfter, länger und bewusster wir dies tun, desto mehr scheinen wir zu uns selbst zu finden. Wir fühlen uns plötzlich wieder vollständig und im Reinen mit uns selbst. Haben wir dieses Gefühl erst einmal für uns zurückerobert, können wir unsere schlechte Gewohnheit der Trennung von und der scheinbaren Überlegenheit über die Natur nach und nach verlieren. Sie wird uns dann ihre ganze Magie und Heiligkeit nach und nach offenbaren. Jeder Aufenthalt in der Natur kann zu einem beglückenden und beseelten Erlebnis werden.

Der wahre Schatz: Die Natur als Spiegel unserer Seele
Vielleicht ist es bereits deutlich geworden: Wir sind nicht nur untrennbar mit der Natur verwoben, wir sind selbst Natur, auch wenn wir uns weit von ihr entfernt glauben. Sobald wir uns unserem Körper zuwenden wird uns dies auf eine unter Umständen schmerzliche Art bewusst. Unser Körper altert, wird vielleicht krank, streikt oder schmerzt. Wir sind empfindliche, verletzliche und letztendlich sterbliche Wesen. Dann stellen wir uns mit etwas Glück die Frage nach dem Sinn unserer kurzen Existenz. Wir suchen eine Antwort auf die Natur der Dinge, die Natur des Lebens und die wahre Natur von uns selbst. So nähern wir uns der Natur auf einer geistig, spirituellen Ebene und betrachten das, was Natur in ihrer ganzen Dimension bedeutet. Auf diese Weise führt uns die Hinwendung zur Natur auf direktem Weg zu einer Erfahrung von dem was wir Gott oder das Göttliche nennen. Denn wenn die Natur untrennbar mit uns selbst verwoben ist, kann diese bei eingehender Betrachtung nur unser eigenes Selbst sein. Wir können erkennen, dass es in Wirklichkeit nicht möglich ist, sich von der Natur zu trennen. Wir können zwar einen Teil von uns selbst verdrängen und vernachlässigen - allerdings führt dies früher oder später unweigerlich zu einem Gefühl von Mangel und Leiden. Haben wir aber einmal in vollem Umfang erfahren wie die wirkliche Beziehung zwischen Mensch und Natur ist, zeigt sich unser Verhältnis in einem völlig anderen Licht. Dann wird uns bewusst, dass eine Trennung zu keiner Zeit existiert haben kann, dass alles, was wir für und gegen die Natur unternehmen, ein Für-oder-gegen-uns-selbst, also unsere eigene Seele ist. In diesem Sinne ist unsere Rückverbindung zur Natur Heilung und Ganzwerdung im wahrsten Sinne des Wortes.

Natur kann vieles für uns sein. Sie ist unser Lebensraum, spendet unsere Nahrung und dient uns zur Freude und Erbauung. Schon allein deshalb sollten wir sie schätzen und gut behandeln. All dies wäre Grund genug, sie als heilig und magisch zu bezeichnen. Gehen wir jedoch einen Schritt weiter und nähern wir uns der Natur auf der seelischen Ebene, eröffnet sich uns eine vollkommen andere, neue und göttliche Dimension.


Infos zur Autorin Amoura Schneider-Ahmed unter www.blei-zu-gold.de