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Asiatische Kindermassagen. ...von Heike Brunner

Elemente zum Halt geben und Raum schaffen

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Kinder brauchen körperliche Berührung, um zu wachsen und sich zu entfalten. Ohne Körperkontakt überleben Säuglinge nicht, auch wenn sie ansonsten ausreichend Nahrung erhalten, dies ist in einer traurigen unmenschlichen Studie bereits bewiesen worden. Liebevolle Berührung, über Körperkontakt in Kontakt zu gehen, ist essentiell und fördert eine positive Bindungsfähigkeit. Positive Bindung entsteht durch Vertrauen.

In der chinesischen Medizin ist das Erdelement, mit den Organen Milz und Magen, für unser Ur-Vertrauen zuständig. Der Magen ist der Ort, wo Nahrung und Eindrücke als erstes verdaut werden müssen. Kann er dies gut, verteilt er die Energie weiter, schafft er es nicht, wirkt sich dies auf alle anderen Bereiche störend aus, es läuft nicht mehr rund und Krankheit kann entstehen. Das Erdelement steht für das mütterlich-nährende Prinzip oder auch für die Mutterthemen schlechthin. Die Süße, wie die süße Muttermilch, ist sein Geschmack. Kinder und insbesondere Babys sind elementar mit diesen Themen: Verdauen und Verarbeiten (physisch und psychisch) beschäftigt. Daher können sie hier eine Extraportion an Zuwendung gebrauchen.
Um Kinder zu stärken, sind Massagen, die regulierend und harmonisierend wirken, sehr wertvoll. Als besonders hilfreich sind hier die asiatischen Massagestile: Shiatsu und Tui Na zu nennen. Zunächst beziehen sich beide in ihrer Anwendung auf das Meridiansystem, das Energienetz, welches unseren Körper durchwebt. Shiatsu bedeutet so viel wie „eine ruhende und eine bewegende Hand", Tui Na ist die klassische chinesisch-medizinische Massage und ist eher belebender Natur. An den Energiepunkten, den Akupressur- oder auch Akupunkturpunkten können zudem gezielte Wirkungsimpulse gegeben werden. Die Behandlung der Meridiane mit den verschiedenen Grifftechniken reguliert das energetische System der Kinder. Zuwendung und gesundheitliche Stärkung gehen dabei sprichwörtlich „Hand in Hand".
Die Balancierung, nach einem Tag mit vielen Eindrücken, wird schon allein durch Streichen der Energiebahnen in die richtige Richtung in Minuten wieder hergestellt. Täglich angewandt können die Streichungen zu bestimmten regelmäßigen Zeiten bei Babys eingeführt werden und im Kleinkindalter immer zwischendurch, wenn Kuschelbedarf ist, gegeben werden. Massage-gewöhnte Kinder greifen gerne noch im Schulalter auf die vertrauten, beruhigenden Anwendungen zurück und fragen danach oder sind offen dafür in Zeiten eines Schulwechsels oder anderer Umbrüche/Veränderungen. Raum dafür zu schaffen, ist eine stark vertrauensbildende und gesundheitsfördernde Maßnahme. Die Kinder selbst erleben die Massagen als für sie heilsam. So kann die sogenannte „Bauch-Achten-Massage" von Kindern, die mit dieser Technik vertraut sind, schon mal als direkte Hilfe, bei nächtlichen Magenschmerzen, eingefordert werden. Das vermeintliche nächtliche Drama entfällt und wird in Kürze wieder beruhigt. Die therapeutische Anwendung der Akupressurpunkte gibt zudem die Möglichkeit, Eltern eine vertraute Anwendung zur Linderung der kindertypischen Beschwerden als kleine Erste-Hilfe-Massage anwenden zu lassen. Chronische Krankheiten werden, nach einer Anamnese und Erstellung eines Behandlungsplans, mit bestimmten Punktmassagen und Technikkombinationen behandelt und begleitet.

Ein Beispiel, der Klassiker am Wochenende:
Unsere Familie verreist und nimmt den neuen Schulfreund mit. Am Abend, nach einem aufregenden Tag, bekommt der kleine Junge Bauchschmerzen. Irgendetwas war wohl zu viel an Eindrücken, kann sein Magen gerade nicht mehr verdauen. Das Heimweh klopft auch schon an, er macht sich Sorgen. Essen mochte er nichts und nachdem ich ihn um Erlaubnis gefragt habe, beginne ich ihn mit Shiatsu zu massieren. Unterhalb des Knies, an der Außenseite der Wade, befindet sich ein echter „Magenzauberpunkt", chinesisch heißt er „Su Zan Li" und wird auch als Postboten-Punkt benannt, dies erzähle ich ihm. Mehrfach massiere ich dann sanft die Außenseite der Waden zum zweiten Zeh (also dem „Zeigefinger-Zeh"). Dadurch fließt die Energie des Magenmeridians, der hier entlangläuft, wieder in die richtige Richtung und löst damit den Stau, der ihm das Magendrücken bereitet. Der kleine Junge entspannt sich, fühlt sich wieder sicher und die Schmerzen lassen nach. Er schläft ein und wir verbringen noch ein schönes Wochenende mit ihm.

Um die eigenen Kinder zu stärken, sind die asiatischen Massagetechniken in den verschiedenen Lebensabschnitten, Baby, Kleinkind, Kindergarten bis zum Schulkind für die Eltern, aber auch in der therapeutischen Kinderbehandlung eine wahres Geschenk. Durch die Ganzheitlichkeit des chinesisch- medizinischen Fünf-Elemente-Systems können Beschwerden danach erkannt und behandelt werden. Dies gilt für körperliche als auch psychische Beschwerden. So stehen uns die Holzelemente-Meridiane zur Verfügung, um Ärger und Wut zu kanalisieren, die Feuermeridiane, um Hyperaktivität oder beispielsweise Stottern zu balancieren, die Erdemeridiane, um die Mitte, das Vertrauen zu stärken und Sorgen zu mindern, die Metallmeridiane, um Trauer zu verarbeiten und loszulassen und schließlich die Wassermeridiane, um Ängste zu lösen und für mutige Kinderwesen mit einem starken Rückgrat zu sorgen, denn das Wasserelement sorgt auch für unsere Knochen.

Einer der schönsten „Verwurzelungspunkte", liegt übrigens an den Fußsohlen, direkt unter dem Ballen. Es ist die sogenannte „Sprudelnde Quelle" und ist der Anfangspunkt des Nierenmeridians aus dem Wasserelement. Ihn sanft zu halten, erdet, beruhigt und balanciert die Seele, das tut auch den Eltern gut. Kinder und das Wort „Türangel" haben in der chinesischen Sprache wohl die gleiche Bedeutung, denn an unseren Kindern sehen wir unsere Wurzeln, wo wir herkommen und unsere Zukunft, wo wir hingehen. Das Massage-Geben ist ein Gewinn für beide, Eltern und Kind. Die Eltern entspannen sich mit und Raum für eine heilsame Zeit entsteht. Eltern, die sehr unsicher im Umgang mit ihren Kindern sind, hilft es, die Körpersignale zu verstehen und leichter einschätzen zu können. Dies schafft auch bei ihnen mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, das Kind wahrzunehmen. Dies spiegelt das Kind, wie alles andere auch, zurück, es nimmt das Vertrauen wahr und fühlt sich sicher. Das gegenseitige Aneinander-Wachsen kann dabei immer wieder, auf besonders schöne Art und Weise erlebt werden.

Heike Brunner
Heilpraktikerin und Journalistin.
Naturheilpraxis Chisalon: www.chisalon.de