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Ausgabe April 2018
Darmgesundheit für Körper, Geist und Seele. Von Barbara Simonsohn


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Was hat der Darm mit Gefühlen und Meditationserlebnissen zu tun? Eine Menge. Der berühmte Darmspezialist Franz Xaver Mayr betrachtete den Darm als „die Wurzel der Pflanze Mensch.“ Er behandelte seine Patienten in Karlsbad so, als hätten sie einen kranken Darm, egal, mit welchen Beschwerden sie kamen. Und: Allen Patienten ging es besser, und viele waren von körperlichen und seelischen Beschwerden geheilt. Wer für einen gesunden Darm sorgt, beugt vielerlei Krankheiten vor.

Unser Verdauungssystem ist vom Mund bis zum After 6 ½ Meter lang, mit einer Gesamtoberfläche von mehr als 300 Quadratmetern und damit den Ausmaßen eines Tennisplatzes. Damit ist unser Verdauungssystem, vor allem der Darm, unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt. In unserem Darm wird unsere Nahrung mithilfe der Darmflora und Verdauungssäften wie Enzymen zerlegt, aufgenommen und verwertet, um unsere Zellen mit Nährstoffen und damit Lebenskraft zu versorgen. Eine gesunde Darmflora spielt dabei eine Schlüsselrolle. Keimfrei aufgezogene Tiere, in denen sich daher keine Darmflora bilden konnte, überlebten nur höchstens 90 Tage.
Rund 70 Prozent aller Abwehrzellen befinden sich in der Darmschleimhaut. Sie produzieren Immunglobuline, die der Körper zur Abwehr von Fremdkörpern braucht. Gesunde Darmbakterien wie Bifidusbakterien und Laktobazillen regen mit ihren Stoffwechselprodukten die Darmbewegung oder Peristaltik an. Eine gesunde Darmflora versorgt uns mit Vitaminen wie Vitamin B12, Vitamin K und Thiamin. Ein Überhandnehmen von pathogenen, das heißt krankhaften, Bakterien gilt als häufigste Ursache von Immunschwäche.

Für eine gesunde Darmflora sind ballaststoffreiche Lebensmittel wie Früchte, Nüsse, Vollkorn-Getreide und Gemüse notwendig. Sie senken die Menge der im Darm produzierten Giftstoffe und liefern die Nahrung für etwa 80 Milliarden (!) Darmbakterien mit 3 Kilogramm Gewicht, welche unseren Darm besiedeln. Der Bundesdeutsche nimmt durchschnittlich nur etwa 15 Gramm Faserstoffe zu sich, notwendig wären 30 Gramm, unsere Steinzeit-Vorfahren kamen sogar auf 60 Gramm. Umweltgifte, Medikamente und Genussmittel können zu einer Entartung und Entgleisung der natürlichen Darmflora führen.
Auch Überessen führt zu Verdauungsproblemen. Schon Goethe hatte postuliert: „Genieße mäßig Füll’ und Segen, Vernunft sei überall zugegen.“ Hippokrates sagte, dass von der Hälfte der Nahrung der Mensch, von der anderen die Ärzte lebten. Die Abendmahlzeit sollte nicht zu reichlich und nicht zu spät ausfallen, denn: Der Darm geht mit den Hühnern schlafen. Viele Menschen trinken zu wenig Wasser und bewegen sich zu wenig und handeln sich dadurch Verstopfung ein. Unter Stress werden Stresshormone wie Cortisol ausgeschüttet, das vegetative Nervensystem und damit die Verdauung gedrosselt. Viele Medikamente wie z.B. Psychopharmaka führen zu Darmträgheit bis hin zu Verstopfung. Obstipation, so der Fachausdruck, führt zu einer Beeinträchtigung der Lebensfreude und des Allgemeinempfindens und kann auf Dauer zu chronischen Entzündungen im Darm und sogar Darmkrebs führen.
Chronische Verstopfung oder Durchfall deuten auf einen kranken Darm hin. Verschlackte Darmwände lassen auch die Haarwurzeln „verhungern“ und führen zu Haarausfall oder frühzeitigem Ergrauen der Haare. „Es sind die im kranken Verdauungsapparat gebildeten Darmgifte, die uns vorzeitig krank, alt und hässlich machen“, schrieb Dr. Mayr vor fast 100 Jahren. Alle Zellen des Körpers werden schlecht ernährt, wir „hungern“ an vollen Töpfen.

Daher: Nur ein leistungsfähiger Darm ist ein Garant für Gesundheit, Wohlbefinden, ein fittes Immunsystem und eine gute Stoffwechselleistung und Zellernährung.

Nicht nur körperliche, sondern auch seelische und geistige Aktivitäten hängen von einer reibungslos funktionierenden Darmtätigkeit ab. Ist unser Darm frei von Ablagerungen, erfolgt die Darmentleerung täglich, sind wir gut gelaunt und körperlich sowie seelisch belastbar. Gelassenheit und eine gute Grundstimmung stellen sich ein. Wir können tiefer meditieren und machen profundere spirituelle Erfahrungen. Franz Xaver Mayr stellte fest, dass bei fortschreitender Verschlackung des Darms „schließlich jedes Organ in Mitleidenschaft gezogen wird“, auch die Haut, - Folgen sind Zellulite, Tränensäcke, Falten, Akne, Pigmentflecke - und das Gehirn. Vergesslichkeit, Mutlosigkeit, Antriebsschwäche, negative Denkweisen, nebulöse Gedanken und sogar Depressionen können die Folgen sein. Daher hat eine Entschlackung des Darms immer eine positive Wirkung auf die Gesamtpersönlichkeit des Menschen.

Verstopfung belastet die Betroffenen seelisch und körperlich. Um Abhilfe zu schaffen, greifen viele zu Laxantien bzw. Abführmitteln in Form von Tees oder Dragees. Was viele Menschen nicht wissen: Abführmittel verschärfen das Problem langfristig, weil sie Kaliumräuber sind. Kalium ist nötig für eine gute Peristaltik und damit zügige Darmpassage. Flüssigkeitsverlust durch dünne Stühle führt ebenfalls zu Verstopfung. Laxantien bringen sowohl den Wasser- als auch den Mineralstoffhaushalt durchein-ander. Gesunde Alternativen sind Flohsamenschalen mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Milchzucker, eingeweichte Trockenfrüchte und die Bauchselbstmassage nach Dr. Renate Collier, einer Mayr-Ärztin.

Darmgesunde Lebensmittel, die den Aufbau einer gesunden Darmflora fördern, sind alle Obstsorten, alle Gemüsesorten, alles Gekeimte, Nüsse und Samen, alle Getreidearten, milchsauer eingelegtes Gemüse wie Sauerkraut, Sauermilchprodukte, mineralarmes Wasser, Kräutertees sowie Obst- und Gemüsesäfte. Da die Verdauung durch Alpha-Amylase bereits im Mund beginnt, sollten vor allem kohlenhydrathaltige Lebensmittel gründlich gekaut und eingespeichelt werden. Der Verzehr von symbiosefeindlichen Nahrungsmitteln sollte eingeschränkt werden, als da sind Zuckerhaltiges, Auszugsmehl, Industriefette, homogenisierte Milch und entsprechend bearbeitete Milchprodukte, Konservierungs-, Farb-, Geschmacks- und künstliche Aromastoffe, Kaffee, Schwarztee, Alkohol und Nikotin. Viele Medikamente, allen voran Antibiotika, schädigen die gesunde Darmflora für Wochen. Je natürlicher und unverarbeiteter die Nahrung, desto wertvoller ist sie für unser Verdauungssystem.

Besonders hilfreich für eine optimale Verdauung sind Tropenfrüchte wie Ananas, Papaya, Mango und Feigen, die wahre Enzymbomben darstellen. Tropenfrüchte bilden besonders viele eiweißspaltende Enzyme, Proteasen, um sich im warmen Klima gegen Fressfeinde zu schützen. Das Papain der Papaya, Bromelain der Ananas oder Mangoferrin der Mango beschleunigen den Aufspaltungsprozess von Eiweiß in körpereigene Aminosäuren und reinigen den Darm von Eiweißschlacken. Diese Eiweißrückstände behindern die Darmperistaltik und führen zu Entzündungen. Tropenfrüchte, getrocknete Exoten oder Fruchtmuse sind die Lösung. Das energetisierte Papayamus „Caricol“, in einem buddhistischen Kloster auf Hawaii entwickelt und im Reformhaus erhältlich, hilft dank seiner Enzyme und Polysaccaride sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall und entzündlichen Prozessen im Darm, wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen.

Das Frühjahr ist die ideale Zeit, sich um seinen Darm zu kümmern. Die Natur reinigt und verjüngt sich, und auch wir dürfen es ihr gleichtun. Eine Darmreinigungskur mit Magnesiumsulfat zur morgendlichen Darmreinigung, Einläufe, Bauchselbstmassagen und Wickel können wir auch zuhause durchführen. Wer Einläufen nichts abgewinnen kann: Viele Heilpraktiker bieten eine Colon-Hydrotherapie zur Reinigung des Dickdarms an. Darmreinigungskuren nach Dr. Collier, die von Heilpraktikern intensiv angeleitet und betreut werden, führt der „Weg der Mitte“ auf Rügen und im Lebensgarten Steyerberg durch. Wenn wir mit Darmreinigung und -pflege für eine optimale Verdauung sorgen, werden wir reichlich belohnt: Wir fühlen uns wie neugeboren.

Barbara Simonsohn
ist Verfasserin unzähliger Bücher zu Ernährung und Gesundheit
sowie Lehrerin des Authentischen Reiki.

Weitere Infos: www.barbara-simonsohn.de


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