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Ausgabe April 2018
Für Ihre Schönheit und Vitalität. Von Oliver Lohse

Ganzheitliche Ernährung nach TCM

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Schönheit kommt von innen. Die TCM hat in ihrer jahrtausendealten Entwicklungsgeschichte viele Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Schönheit hergestellt. Arznei- und Nahrungsmittel werden in der TCM nicht strikt getrennt, viele der Heilkräuter werden auch in alltäglichen Essenszubereitung genutzt. Ob ein Kraut, eine Frucht, ein Gemüse oder ein tierscher Bestandteil in der Medizin oder als Nahrungsmittel Einsatz findet, hängt von der Dosis, der Qualität, der Herkunftsregion und der Art der Einnahme ab.
Beachten Sie, dass Ihre Ernährung als Ganzes ausgewogen ist. Salat beispielsweise gilt als sehr gesund. Salat ist kühl, reinigend und befeuchtend. Würden Sie jetzt aber ausschließlich Salat essen, entzögen Sie all jenen Prozessen Ihres Körpers die Arbeitsgrundlage, welche auf Wärme, Trockenheit und Gemächlichkeit angewiesen sind. Bei einer heißen Konstitution macht sich das erst sehr spät bemerkbar und kann sogar therapeutisch sinnvoll sein. Aber bei einer kalten Konstitution würde so eine Ernährung schnell zu Durchfall und Müdigkeit führen. Seien Sie auch bei der Kombination Ihrer Lebensmittel freundlich und achtsam mit sich selbst! Vitale und strahlende Haut und Haare, moderates Gewicht, harmonische Durchblutung, starke Nägel und wache Augen sind Nebeneffekte harmonischer Prozesse unseres Körpers. Das Fundament für diese Prozesse ist unsere Ernährung. All die folgenden Mittel eignen sich zur dauerhaften Ergänzung ihres Speiseplans und fördern Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden.

Rosenknospen
Sie haben eine wunderbar erwärmende und durchblutungsfördernde Wirkung. Besonders im Gesicht und den Händen sorgen diese, als Aufguss, durch Förderung der Mikrozirkulation für gesunde Farbe und Wärme. Dies, in Kombination mit antiviralen Eigenschaften, sorgt auch für eine Stärkung des Immunsystems, nicht nur im Winter. Rosenknospen fördern nicht nur die Bewegung von Blut, sondern auch von Qi. Gestautes Qi macht sich durch Völlegefühle, Brustspannung, emotionale Unausgewogenheit, Krämpfe und Unwohlsein (nicht nur vor der Menstruation und nicht nur bei Frauen) bemerkbar. Die einfachste Art, Rosenknospen einzunehmen, ist der Teeaufguss. Eine andere tolle Methode ist, die Knospen zu zermahlen und mit Mehl zum Backen von Keksen oder Kuchen zu benutzen.

Saflor oder falscher Safran
Oft wird Ihnen hier der teurere, echte Safran angeboten, welcher ganz ähnliche Eigenschaften hat wie Saffor. Dieser, auch Färberdistel genannt, weist durch seine rote Farbe schon auf seine Beziehung zum Blut hin. Saflor wirkt noch stärker blutbewegend und wärmend als Rosenblüten und lindert Blutstasen, die zu PMS und Ausfluss, aber auch zu Rücken- und Schulterverspannungen sowie Konzentrationsschwäche führen können. Weil Saflor die Durchblutung der Haut anregt, sorgt es für einen frischen Teint und lindert schuppige, trockene Haut. Haut, die zu bläulicher Verfärbung neigt, profitiert besonders. Bei akuten, kleineren Verletzungen fördert Saflor die Wundheilung. Die beste Art, Saflor zu konsumieren, ist der Aufguss.

Rettich und Radieschen
Rettich wird in China als der Ginseng der armen Leute bezeichnet. Aber nicht, weil die Wirkungen so ähnlich sind, sondern weil beide lebensverlängernd wirken. Dem Ginseng werden diese Eigenschaften zugeschrieben, weil er das Qi auf sehr tiefer Ebene stabilisiert und tonisiert. Rettich funktioniert ganz anders. Er ist kühl, scharf, reinigt und entlastet unsere Verdauungsorgane. Das hilft natürlich bei Verstopfung und Blähungen, langfristig steigert das aber auch unsere Lebenskraft, da wir weniger Gifte mit uns herumtragen. Ganz nebenbei verbessert sich deswegen auch unsere Hautbeschaffenheit und unser Atem wird frischer. Von der entschleimenden Wirkung des Rettichs profitieren auch unsere Abwehr und Tiefenatmung. Rettich und Radieschen lassen sich vorzüglich als Gemüse im Salat oder in einer Suppe genießen.

Silberohr
Ein beliebter Speisepilz, den Sie hierzulande meist in getrockneter Form im Asia-Shop finden. Über Nacht im Wasser eingeweicht wird aus dem trocknen und zerbrechlichen Schwamm ein flexibler, gummiartiger Fruchtkörper. Silberohr wirkt in TCM-Terminologie stark Yin-tonisierend. Es kühlt und befeuchtet, insbesondere Lunge, Magen und Nieren. Das führt zu einer Ernährung in energetisch tiefen Schichten unseres Körpers, welche sonst durch Krankheit und Alter angegriffen werden und sich dabei nach und nach erhitzen. Silberohr in Ihrem Speiseplan führt deswegen unter anderem zu erfrischter und verjüngter Haut. Silberohr macht sich gut in Suppen oder Wokgemüse. Ein Dekokt mit Silberohr lässt sich äußerlich zur Behandlung trockener Haut einsetzen.

Chinesische Datteln
Weniger süß und klebrig als Datteln aus Nahost sind chinesische Datteln. Sie tonisieren die Mitte und stärken so den ganzen Körper, indem sie bei der Blut- und Muskelbildung helfen. Überschüssige Flüssigkeit kann durch Einnahme von chinesischen Datteln leichter ausgeschieden werden. Das hilft bei Müdigkeit, Schweregefühl, Blässe, lockerem Stuhl, Unlust zu sprechen und Vergesslichkeit. Doch Vorsicht! Wir im Westen sind mit süßem Geschmack meist völlig übersättigt. Chinesische Dattel ist darum als eine Alternative zu anderen süßen Speisen zu betrachten. Sie machen sich gut als Dreingabe zu Suppen und anderen gekochten Speisen.

Poria
Auch er stärkt und harmonisiert die Mitte und hilft bei der Bildung von Muskeln. Seine größte Stärke liegt aber in der Unterstützung des Körpers in der Ausscheidung überschüssiger Flüssigkeiten und der Entspannung unserer Psyche. Poria kann pulverisiert gemeinsam mit der Dattel in Suppen eingesetzt werden. Sein Geschmack ist fade und sollte darum bei ersten Versuchen vorsichtig eingesetzt werden, sonst schmeckt es nicht. Durch seine Milde ist Poria aber auch in fast jeder Dosierung gut verträglich. Poriapulver mit etwas Honig vermischt lässt sich gut als Gesichtsmaske über Nacht tragen und nährt und verjüngt so die Haut.

Gojibeeren
Die kleinen roten Früchte haben einen Hype als Superfood hinter sich. Den Status haben sie zurecht, allerdings können auch Gojis nicht alles und sind daher nur als eine weitere Ergänzung zu Ihrer hoffentlich ausgeglichenen Ernährung anzusehen. Gojis nähren das Blut und das Jing, eine besondere wichtige Form von Yin, die in den Nieren gespeichert wird und sich langsam im Laufe ihres Lebens verzehrt. Der Verlust von Jing ist mit dem Alterungsprozess gleichzusetzen. Daran kann man sehen, als wie wertvoll die Gojibeere in der TCM gilt. Aber auch hier kann man es übertreiben. Da Gojis süß und klebrig sind, können Sie damit auch die Verdauung schwächen und dann nützen auch die wunderbaren Eigenschaften nichts. Wenige Beeren dauerhaft eingenommen wirken besser als viele Beeren auf einmal. Neben den Anti-Aging-Eigenschaften ist der nährende Effekt auf die Augen für uns besonders wichtig. Wir alle starren ständig auf Bildschirme und verbrauchen dabei Yin-Flüssigkeiten in unseren Augen. Gojis wirken direkt auf dieses Augen-Yin und schon zwei bis fünf Beeren können die Augen spürbar entspannen und revitalisieren. Gojis lassen sich roh und erhitzt im Müsli, in der Suppe oder als Aufguss einnehmen.

Chinesische Angelikawurzel
Auch Dang Gui bzw. Dong Kuai hat so viele hilfreiche Eigenschaften, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Es gehört zur Gruppe der Bluttonisierer und Blutbeweger, wirkt also allen möglichen Problemen entgegen, die durch Stagnation im Körper entstehen. In der TCM wird gesagt, es tonisiert das Qi innerhalb des Blutes, womit auf die vielen vitalisierenden Eigenschaften verwiesen wird. Frauen konsumieren Angelikawurzel aufgrund ihrer entspannenden und wohltuenden Wirkung auf die Menstruation. Sie gilt generell als lindernd bei Schmerzen in allen Teilen des Körpers.
Da Dang Gui scharf und trocknend ist, sollten Menschen mit Neigung zu innerer Hitze, nur wenig davon zu sich nehmen. Am besten lässt es sich gekocht in Suppen verwenden.

Schwarzer Sesam
Ein Nieren-Yin-Tonikum und daher auch ein wirksames Anti-Aging-Mittel. Nieren-Yin-Mangel führt zu schwachen Knochen und Zähnen, Schwächeanfällen, Haarverlust und grauen Haaren. Auch die Hitzewallungen, die in den Wechseljahren auftreten, sind ein Symptom von Nieren-Yin-Schwäche. Schwarzer Sesam lässt sich im Müsli, in der Suppe, im Auflauf, im Mehl, im Salat und eigentlich fast überall mit in den Speiseplan einarbeiten. Im Asia-Shop finden Sie auch gemahlenes schwarzes Sesampuder. Etwas Süße und Wasser hinzuzugegeben, macht bereits ein köstliches Dessert.

Litschi
Die schleimhautpflegende Kühle von Litschis wirkt wie ein nährendes Erfrischungsbad für Ihre Gewebe. Ihre Haut wird davon befeuchtet und gleichzeitig von Hitze gereinigt, die zu Akne und Ausschlag führen kann. Die köstliche Frucht nährt Leber-Yin und Blut und lindert so die Neigung, sich zu ärgern und aufzuregen. Das entstresst den durch unseren schnellen Lebensstil überhitzten Geist.Litschis lassen sich als Obst verspeisen oder getrocknet als Aufguss oder in der Suppe zubereiten. Sehr schmackhaft ist auch Litschisaft, der aber meist stark gezuckert ist.

Alle genannten Speisen können Sie günstig im gut sortierten Asia-Shop finden oder teilweise, in höherer Qualität, im Bioladen. Rosenknospen, Saflor, Jujuben, Poria, Gojibeeren, Dang Gui und schwarzen Sesam in sehr hoher Qualität bekommen Sie in einer auf TCM spezialisierten Apotheke, von denen wir mehrere in Berlin haben. Für die alltägliche Ernährung ist der Asia-Shop aber meiner Meinung nach völlig ausreichend.


Um den Winter aus dem Körper auszutreiben und zur generellen energetischen Stärkung folgt nun eine absolute Powerrezeptur.

Mit diesem so simplen wie genialem Pulver können Sie Ihre Nahrungsergänzungsmittel getrost im Schrank stehen lassen. Sie brauchen einen Mixer (oder eine elektrische Kräuter- oder Kaffeemühle)

Zutaten für zwei Portionen:

20g schwarzen Sesam
10g getrocknete Yamswurzel
10g getrocknete Adzukibohnen
10g Hafer(flocken)
10g Walnüsse
10g chinesische Datteln
15g Gojibeeren
10g getrockneten Apfel


Zerkleinern Sie diese Zutaten im Mixer, bis Sie ein möglichst feines Pulver erhalten. Köcheln Sie die Mischung 20 Minuten in 400 ml Wasser, um einen Powerpudding damit zu machen, oder geben Sie sie einfach zu Ihrer bevorzugten Suppe dazu.

Sie haben sich mit dieser einfachen Kombination ein wertvolles Qi-, Blut-, Yin- und Yang-tonisierendes und harmonsierendes Powerfood hergestellt.

Sie können das Pulver auch roh verzehren, z.B. zu Ihrem Müsli geben, aber lassen Sie dann bitte die rote Bohne weg, da diese gekocht werden muss, um genießbar zu sein. Für eine erhabene gute Laune und eine spürbare Stärkung Ihrer Wachheit, Leistungs- und Abwehrfähigkeit konsumieren Sie bitte einen Monat lang täglich eine halbe bis zwei Portionen von diesem süßem Powerpulver.

Oliver Lohse ist Heilpraktiker und leitet die Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Berlin-Charlottenburg.
Derzeit befindet er sich auf Bildungsreise in China und bietet bis zum Sommer Online-Sitzungen an.
Weitere Informationen: www.tcm-oliver-lohse.de
Kontakt: praxis@tcm-oliver-lohse.de



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