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Ausgabe März 2018
Beitragsreihe 2018 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Psorinum

Gott würfelt nicht

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H. Schäfer: Worum geht es heute?
Andreas Krüger: Heute möchte ich über Psorinum sprechen, das aus dem Sekret von Krätzebläschen hergestellt wird. Ich möchte ein paar Sätze voranstellen, die die Idee dieses Mittels beschreiben und treffen. Der erste Satz ist „Gott würfelt“ oder „Gott verarscht mich“. Der zweite Satz ist „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“ Der dritte „Die schnellste Art der Fortbewegung ist, sich voranzuscheitern.“ Und der letzte Satz kommt von Mao Zedong: „Vorwärts Kammeraden, sprich Genossen, von Niederlage zu Niederlage zum Sieg.“ Ich will den Psorinum-Prozess wie folgt beschreiben: Ein Mensch ist fleißig auf dem Weg - denn er macht seine Therapien, seine Meditationen und holt sich seine astrologischen Inputs, lernt und liest von heiligen Männern und ist auf dem Weg, wie man sagt. Oder wie Dürkheim sagte: „Die zentrale Aufgabe eines Menschen ist, transparent zu werden für seine immanente Transzendenz“, was ja nichts anderes bedeutet, als transparent zu werden für seine eigene Göttlichkeit.

Das ist ja erst mal nicht krankhaft.
Ja, aber dann passiert plötzlich etwas, was zu einem typischen Psorinum-Symptom führt, nämlich das Gefühl, von Gott verarscht und verraten zu werden und nur Teil eines göttlichen Würfelspiels zu sein. Ich wurde in meinem Leben mit vielen Wundern und Heilerlebnissen verwöhnt, aber wenn man ein Stück weit Psorinum-Krankheit in sich trägt, entstehen in Situation, wo man etwas erreicht hatte, auf einmal Gefühle von tiefster Verzweiflung. Es ist ein Gefühl, dass alles umsonst war und man sieht nicht, was sich alles verändert hat, sondern man sieht nur noch die völlige Niederlage. Man hat auch das Gefühl, dass kein homöopathisches Mittel wirkt und alles einfach nur ein einziger Irrtum ist…

Wahrscheinlich ist in so einem Zustand auch Gott ein Irrtum.
Aber dann gibt es dieses Gnadenerleben: Man nimmt Psorinum und merkt, es geht trotzdem weiter. Und nicht nur weiter, sondern man erkennt Dank Psoriunum den Benefit dieser scheinbar völligen Niederlage. Ich wollte ja mal als Hippie Militärhistoriker werden. Und bevor ich Heilpraktiker wurde, gab es zwei Berufsaussichten: Pfarrer oder Militärhistoriker. Ich habe mich lange mit der napoleonischen Ära beschäftigt und der größter Sieg von Napoleon war Austerlitz und wenn die Sonne vor einer Schlacht schien, kam sein persönlicher Adjutant und sagte: „Mein Kaiser, heute kann nichts schief gehen - es scheint die Sonne von Austerlitz.“ Deswegen sage ich in meinem Leben: „Das ist mein Austerlitz.“ Und dann gibt es aber auch Zustände, die ich meine tiefsten Waterloos nenne. Eine meiner besten Freundinnen, für die ich alles getan habe, was ich tun konnte, stirbt jetzt wahrscheinlich an ihrem Krebs. Und ich fühle mich wie der letzte Versager. Da können mir alle Therapeuten oder Astrologen sagen, dass es doch ihre Verantwortung ist, das hilft mir überhaupt nicht, wenn ich in so einem Psorinum-Zustand bin. Es war meine Pflicht, sie zu heilen, und ich habe versagt. Mit jedem Psorinum-Nehmen in den letzten 30 Jahren - und ich hatte solche Zustände ungefähr sechs Mal - wird es ein bisschen weniger katastrophal und der Schritt der Erkenntnis ein bisschen kürzer. Deswegen kann ich das Mittel früher nehmen und mich früher aus diesem Zustand rausbewegen. Ich kenne das in meiner therapeutischen Arbeit, dass ich im Sonnenschein des lieben Gottes stehe und dann - dann - verschleiert der fiese Hund sein Gesicht. Im jüdischen Glauben gibt es ja das Bild, dass Gott sein Gesicht verschleiert hat - er hat sein Antlitz zurückgezogen. Ganz viele Dichter haben während der Nazizeit gesagt, Gott zog sein Antlitz von seinem Volk zurück. Und so ein Gefühl hat Psorinum: Ich habe in der Gnade Gottes gestanden und jetzt hat er es wieder zurückgenommen. Mein furchtbarster Absturz war mein Burnout 2001 bis 2002. Mein Astrologe Peter Orban sagte, dass man da nix machen könne, das wäre das tiefe Tal der Seele, da könne man nur durchatmen. Das hörte auch irgendwann wieder auf, im Sommer 2003 verabschiedete sich Pluto und Jupiter kam wieder zum Vorschein. Aber im Frühjahr 2001 hatte ich das Gefühl: Gott hat mich völlig verlassen.

Und wodurch ist er wieder aufgetaucht?
In dieser Zeit empfahl mir mein Therapeut die Geschichte von Hiob, die im Alten Testament steht. Hiob war ein Knecht Gottes par excellence. Er liebte seinen Gott und er war gut zu den Menschen und Gott belohnte ihn mit vielen Herden und noch mehr Kindern - kurz: Er lebte ein gutes Leben. Und irgendwann einmal saßen Gott und Teufel beim Kaffee und der Teufel wollte Gott mal wieder ärgern und sagte: „Meinst du denn wirklich, dass die dich so lieben, dass ihre Liebe unerschütterlich ist?“ Und Gott sagte: „Ja, nicht alle, aber es gibt welche.“ Und der Teufel sagte: „Das glaube ich nicht, denn jede Liebe ist erschütterbar.“ Und Gott sagte: „Nein, denn da gibt es meinen Knecht Hiob. Der liebt mich und ist total treu und nicht zu erschüttern.“ Der Teufel sagt: „Komm, wir machen eine Wette. Ich versuche den, in seiner Gottesliebe zu erschüttern.“ Und Gott sagt: „Das schaffst du nicht.“ Der Teufel widersprach, dass er es schafft. Und dann sagt Gott: „Ok, du kannst ihm alles nehmen, aber nicht sein Leben. Und dann sehen wir, ob er erschüttern wird, ob er abschwört und mich verstößt.“ Hiob lebte wirklich dieses gottgefällige Leben und der Teufel fing an, ihn zu drangsalieren. Als Erstes ließ er seine Schafe sterben, dann ließ er seine Kinder sterben, dann ließ er seine Frau sterben. Und dann schickte der Teufel ihm die Krätze. Und Hiob hatte furchtbare Augen und juckte sich, denn die Psorinum-Ausschläge stinken und gehen auch durch Waschen nicht weg - es ist einfach furchtbar. Und Hiob war echt sauer mit Gott und haderte. Aber er schwor nicht ab. In all seinem Hadern, in all seinem Vorwurf, in all seiner Verzweiflung blieb Hiob treu. Und der Teufel merkte, dass es nicht klappte. Und toi, toi, toi ist das mein Erleben mit Hiob. Es gibt Briefe aus der Klinik, in der ich 2003 war, die ich mit Andreas Hiob unterschrieben habe, denn ich bin in meiner Essenz in meiner Liebe geblieben. Für mich ist Psorinum das Mittel, das uns aus unserer tiefster Verzweiflung führen kann, denn Gott belohnt seine treuen Knechte. Und Gott gab Hiob das Zehnfache, was er vorher hatte. Und das muss ich auch sagen: Wenn ich sehe, was ich vor meinem schweren Burnout hatte, dann habe ich jetzt das Zehnfache. Und ich verdanke Psorinum, dass dieses Mittel mir geholfen hat, nicht abzuschwören.

In diesem Sinne:
Sagen wir Ja zu unserm inneren Hiob, sagen wir Ja zu unserem inneren Verzweifeln, auch wenn ich an allem zweifele, liebe ich mich trotzdem und schaue freundlich auf mich.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


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