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Beitragsreihe 2017 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Lilium tigrinum


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© Alexander Potapov - Fotolia.com

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H. Schäfer: Blumen stehen selten auf Ihrem Schreibtisch. Wie heißt dieses Farbwunder, was heute auf Ihrem Tisch steht?
Andreas Krüger: Das ist die Tigerlilie - ein Heilmittel, das nicht nur zu einer individuellen Problematik passt, sondern die Problematik unserer Gesellschaft oder zumindest die Problematik vieler Frauen widerspiegelt und tatsächlich auch heilen kann. Wenn man sich eine Pflanze anschaut, kann man allein durch das Anschauen einen Eindruck von den Wesenheiten bekommen, die mit ihr verbunden sind - also die in einer Pflanze "wohnen" oder sie ausmachen. In meiner Jugend habe ich die Gemeinschaft Findhorn in Schottland kennengelernt, wo Menschen in einer Symbiose mit der Natur lebten. Sie waren zum Teil in der Lage, mit den Devas, also den Geistern der Pflanzen, zu sprechen. Diese sagten den Menschen, wie sie sie anbauen sollten, damit sie besonders gut gedeihen konnten. Das funktionierte, wie Paul Hawkins in seinem Buch "The Findhorn Garden" beschreibt. Später bin ich auch in der anthroposophischen Schriftenreihe "Flensburger Hefte" auf Menschen gestoßen, die sich mit Pflanzen unterhalten konnten - also keine Horse Whisperer, sondern Flower Whisperer. Sie erfuhren von den Pflanzen, was ihre Aufgaben innerhalb dieser Schöpfung waren und wo sie den Menschen ihre Unterstützung geben konnten. Man muss nicht unbedingt hellsichtig sein, um die Wesenhaftigkeit einer Pflanze zu begreifen. Für einen ersten Eindruck reicht es, sie anzuschauen und zu sehen, wie sie sich einem offenbart, wie sie riecht und ob sie stachelig oder weich ist. Pulsatilla z.B. lässt, wenn sie alleine steht, oft den Kopf hängen. Da wissen wir, dass Pulsatilla ein Gruppenwesen ist.

Was verrät uns die Tigerlilie?
Hier beinhaltet schon der Name eine Menge Informationen: Er enthält zum einen den Tiger und zum anderen die Lilie. Wir wissen also allein aus diesem Namen, dass dieser Mensch von zwei scheinbar sehr unterschiedlichen Qualitäten geprägt wird. Mir ist die Tigerlilie schon früh begegnet, denn ich habe das Glück, dass mir oft Blumen mit in die Praxis gebracht werden. Einer meiner Lieblingsblumen ist die Lilie. Viele können die nicht riechen, weil ihr Geruch als zu aufdringlich und zu sexuell empfunden wird. Ich liebe diesen kräftigen, sehr sinnlichen und ich finde auch aphrodisierenden Duft. Einmal fragte mich meine Frau, ob ich wieder Lilien geschenkt bekommen hatte, weil Flecken aus meiner weißen Hose nicht raus gingen. Ich konnte mich erinnern, dass ich sehr nah an die Lilie herangegangen bin und Lilien haben ja sehr kraftvolle Fruchtkörper voller gelbem Staub und wenn man diese Samen an der Hose hat, kriegt man sie nicht mehr raus.

Also: Die Lilie duftet, sie hat eine starke sexuelle Ausstrahlung und sie hinterlässt Flecken, die man nicht mehr aus der Kleidung herausbekommt.
Heute weiß man, dass sexuelle Attraktivität nichts mit Brüsten oder Hintern zu tun hat, sondern dass zu fast 90 Prozent der Geruch ausschlaggebend ist. Vor einiger Zeit habe ich mir selber Lilien gekauft und vor dem Einpacken sagte die Floristin: "Die Fruchtkörper schneiden wir am besten ab, dann ist die nicht so dreckig." "Wie bitte?" "Na, 90 Prozent aller Leute, die Lilien kaufen, wollen, dass die Fruchtkörper abgeschnitten werden." Ich war entsetzt: Einer Pflanze schneidet man das ab, was am erotischsten riecht und was Flecken hinterlässt. Schon alleine aus diesem Beispiel kann man herleiten, dass die Lilie ein Mittel für Menschen ist, die eine große sexuelle Ausstrahlung haben, erotische Düfte verbreiten und auch ihre Umwelt durchaus damit markieren, aber dass die Umwelt abwehrend reagiert und einfach das "Übel" abschneidet. Da der Tiger für Sexualität steht, ist die Tigerlilie ein Heilmittel für Menschen, die ganz viele tigerhafte Kräfte mitbringen. Der Tiger wird auch deswegen ausgerottet und massakriert, weil man an seinen Phallus ranwill. Der wird abgeschnitten, getrocknet und verrieben, um impotenten Männern in Kapselform verabreicht zu werden, damit die eine Dauerlatte haben. Tiger sterben also wegen der Potenzprobleme der Menschen aus. In Deutschland gibt es ja auch ein Medikament für Erektionsprobleme, das ein richtiger Renner geworden ist. Dieses Mittel heißt Viagra und Viagra heißt auf Sanskrit "Tiger". Das ist doch irre!

Wofür steht die Lilie?
Die Lilie steht für die reine Maria. Ein Konflikt entsteht, wenn jemand mit einer shivaitischen Sexualität in eine Gesellschaft hineingeboren wird, wo es nur die reine Jungfrau Maria geben darf. An diesem Konflikt können Menschen zerbrechen. Jürgen Becker hat einmal gesagt, dass es das wichtigste Mittel für katholische Haushälterinnen ist, die ihr Leben lang nicht zeigen dürfen, dass sie sexuelle Wesen sind und mit ihren Pfarrern sexuelle Beziehungen führen. Es ist das wichtigste Mittel für Menschen, die in dieser Gesellschaft besonders in Bereichen von Fundamentalismus, Puritanismus, Katholizismus, aber auch fundamentalistischen protestantischen Sekten, diesen Tiger nicht leben dürfen und sich so verhalten müssen, als wenn sie eine Maria wären. Durch die Unterdrückung der sexuellen Energie werden diese Menschen krank, sie werden depressiv und bekommen Angststörungen oder gynäkologische Probleme. Jürgen Becker hat besonders für Frauen das gechannelte Evangelium der Maria Magdalena empfohlen. Maria Magdalena war ja eine Hure und eine enge Freundin von Christus. Wer Christus heterosexuell orientiert sieht, meint, dass er ein Verhältnis mit Maria Magdalena hatte. Homosexuell orientierte Theologen vermuten ein Verhältnis mit Johannes - aber vielleicht hatte er auch als erleuchteter Meister ein Verhältnis mit beiden. Auf jeden Fall lebte Maria Magdalena sehr offen ihre Sexualität und bekam dann, durch den Christuskontakt, einen Impuls zur Spiritualität. Man nimmt sogar an, dass das, was in der männlich geprägten Kirche der Johannes darstellt, in Wirklichkeit die Maria Magdalena war. Sie war es, die mit Josef von Arimathäa und dem Gral nach Europa kam. Also könnte Lilium tigrinum langfristig ein Mittel sein, das gerade Frauen hilft, eine Symbiose wieder herzustellen aus Sexualität und Spiritualität, also den Tiger mit der Lilie als Symbol der Maria zusammen zu bringen.
Jürgen Becker hat uns noch eine andere Persönlichkeit zum Thema Tigerlilie mitgegeben, die auch viel mit Unterdrückung der weiblichen Tigerkraft zu tun hatte und das ist die Lilith. Sie war die erste Frau Adams, die dann verbannt wurde, weil sie nicht so wollte wie Adam, sondern sie wollte autonom, selbstbestimmt und nicht nur seine Rippe sein. Hier sehen wir - obwohl Homöopathie immer eine Medizin der Person und des Individuum ist - dass sich aber in Menschen gesellschaftliche Konflikte widerspiegeln können und den Menschen krank machen, einfach dadurch, dass er sich in dieser Gesellschaft nicht so leben kann, wie er will.
Fazit?
Lilium tigrinum - das Heilmittel für die unterdrückte und verbotene Maria Magdalena, die verbotene und verstoßene Lilith und für den verbotenen und tabuisierten inneren Tiger.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag