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Wieviel Körper braucht die Seele?. Von Mo Feuerlein

Es gibt viele Möglichkeiten, seelische Prozesse ohne physische Berührung oder sogar über die Ferne zu begleiten. Wo sind die Grenzen einer solchen "körperlosen" Arbeit?


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Wenn man sich erstmal den Wundern des Universums gegenüber geöffnet hat, sind Raum und Zeit keine Grenzen gesetzt: Wir können rund um den Globus heilende Impulse verschicken, gemeinsam mit Menschen im Nahen Osten Segensfelder erschaffen, ja sogar einen Zeitpunkt in der Vergangenheit oder Zukunft energetisch aufladen oder reinigen. Dabei können wir als modern-spirituelle Erdenwesen einfach bei uns zu Hause auf dem Sofa sitzen - nur unsere Konzepte von der Welt, die müssen sich zuvor ein gutes Stück bewegen.

Seelenvoll - Körperlos?
Die Erfahrung zeigt also: Viele spirituelle Heilmethoden kommen auch ohne direkten Kontakt zum physischen Körper aus - und können ihn dennoch wirkungsvoll erreichen. Beispielsweise beruht schamanische Arbeit zu einem großen Teil darauf, dass alle Erfahrungen eines Menschen, aus diesem und aus vergangenen Leben, in seiner persönlichen Akasha-Chronik, seinem Energiekörper gespeichert sind. Sie zeigen sich dort als verfestigte, kristalline Energien, die sichtige Menschen sehen oder fühlenkönnen. Werden diese eingefrorenen Lebensenergieklumpen entfernt, können auch die physischen Selbstheilungskräfte des Betreffenden wieder ihre Kraft entfalten. Viele Menschen berichten, dass sie während einer solchen rein feinstofflichen Behandlung Reaktionen in ihrem Körper spüren, wie zum Beispiel Wärme oder Kälte, ein Ziehen, Zittern oder sogar leichten Schmerz. Das "Gedächtnis" unseres Energiekörpers ist mit unserem physischen Körper vermutlich ähnlich verbunden wie Blaupause und Kopie oder wie Schlüssel und Schloss.

Wo sind die Grenzen?
So wie es sinnvoll und notwendig ist, dass trotz aller heilenden Segensfelder auch weiterhin Menschen in Krisenregionen fahren, Dörfer aufbauen, Versorgungsnetze etablieren und ganz einfach da sind, ist es auch sinnvoll und für viele Situationen notwendig, in spirituelle Heilungsprozesse den Körper direkt einzubinden. Abgesehen davon, dass für viele Menschen allein schon die heilsame Berührung, das Gehalten- und Berührtsein Linderung mit sich bringt, kann der Körper auch selbst Geschichten erzählen und uns "Short Cuts" (Abkürzungen) aufzeigen, mit denen es auch auf anderen Ebenen wieder besser fließt. Ein Beispiel sind die als MET oder EFT bekannten kinesiologischen Klopfmethoden, bei denen Akupunkturpunkte geklopft werden, um gestaute Gefühle in Fluss zu bringen.
Noch tiefer in den physiologischen Prozessen landen wir, wenn wir an den basalen Überlebensinstinkten arbeiten wollen, die im ältesten Teil unseres Gehirns, dem sogenannten Reptiliengehirn gespeichert sind. Sie sind dafür verantwortlich, dass wir in Panik verfallen, wenn das Konto in die roten Zahlen geht, zur wilden Kampfhornisse werden, wenn jemand "mein Kind anmacht" oder nächtlich mit den Zähnen knirschen: All diese als Kampf-Flucht-Mechanismen zusammengefassten Reaktionen, die noch um viele weitere Beispiele erweitert werden könnten, sind von unserem Verstand praktisch nicht kontrollierbare Abläufe des autonomen Nervensystems, die evolutionsgeschichtlich für die Verteidigung gegen den Säbelzahntiger oder einen feindlichen Kriegerclan entwickelt wurden, in der heutigen Zeit aber meist völlig unangemessen und auch gesundheitlich abträglich sind. Geraten wir - beispielsweise durch Traumata oder Dauerstress - in eine Art Daueralarmzustand, halten uns ganz alltägliche Auslöser nicht nur in überzogenen Verhaltensweisen gefangen, sondern setzen im Körper biochemische Reaktionsketten in Gang, deren Auswirkungen vielfältig spürbar sind, von Herz-Kreislaufproblemen über Schlafstörungen, Verspannungen und Konzentrationsblockaden bis hin zu Unfruchtbarkeit und psychischen Problemen.

Körperarbeit am "Urzeitgedächtnis"
Der Australier Peter Erikson hat eine bislang leider nur wenig verbreitete Methode entwickelt, um diesen Kampf-Flucht-Instinkt Schicht um Schicht zu beruhigen und damit wieder zurück an seinen eigentlichen Platz zu führen. Ich bin der Ansicht, dass das von ihm entwickelte System eine regelrechte Steinbrucharbeit am kollektiven Urzeitgedächtnis unseres Körpers ist. Mit der kurz "NICE" (Neurale Integration) genannten Methode wird versucht, aufbauend auf neurobiologischen Erkenntnissen, über eine Kombination von Cranio-, Akupressur und Kinesiologie zunächst eine Grundentspannung wiederherzustellen und darauf aufbauend die körperliche Erinnerung an physische oder emotionale Traumata wie Geburt, Unfälle, Operationen oder Scheidung von der Kampf-Flucht-Reaktion systematisch zu entkoppeln. Dies ist sinnvoll, weil sonst beispielsweise bei jedem gefühlten "Engpass" das Ohnmachtsgefühl der eigenen Geburt getriggert wird. Gerade bei Unfällen, bei denen Kopf oder Steißbein mitbeteiligt sind, können oft viele Jahre später auch Probleme in der kognitiven Informationsverarbeitung sowie Schmerzen auftreten. Mit NICE wird der Körper zunächst angeregt, den in den Faszien und Zellen gespeicherten Stress sichtbar zu machen. Dann wird dem Körper ein Weg aufgezeigt, wieder in die Normalität zurückzufinden. Kinesiologen verwenden gern das Bild der Umprogrammierung, um diesen Prozess zu beschreiben. Bereits unmittelbar nach einer solchen Balance fällt oft auf, dass Menschen aufrechter stehen oder gehen und sich auch generell mehr in sich zu Hause fühlen.

Gibt es ein Zellgedächtnis?
Es kann sein, dass sich unmittelbar nach einer NICE-Balance kurzfristig verlorene Erinnerungen ins Gedächtnis schieben: Bei mir selber waren dies zum Beispiel diffuse Gefühle von Zersplitterung am Hinterkopf und ein Zustand von Verwirrung, die mich an einen Unfall mit Gehirnerschütterung als Kind erinnerten. Diese Gefühle lösen sich - gemeinsam mit dem durch sie ausgelösten Stress - aus dem Körper, um dann in Wohlgefallen zu verschwinden.
Das Zellgedächtnis ist bislang nur ein Modell um bestimmte Phänomene zu erklären, die auch in der Genetik beobachtbar sind: Beispielsweise beschreiben Stammzellbiologen "Erinnerungsmechanismen", die gewährleisten, dass Tochterzellen das gleiche Expressionsmuster aufweisen wie Ausgangszellen. Sie stellten außerdem fest, dass die Erfahrung von Hunger in der Ahnenlinie bei den Nachfahren epigenetisch eingespeichert ist.
Ich bin der Überzeugung, dass Traumata sowohl über den psychischen als auch über den feinstofflichen Körper bearbeitet werden können - je physischer das Ursprungstrauma ist und je physischer sich das Trauma manifestiert, desto sinnvoller scheint es mir jedoch, dabei auch über den Körper anzusetzen.


Monika Feuerlein ist Kinesiologin und schamanische Begleiterin in Berlin und Buckow (Märkische Schweiz). In ihrer Praxis Lebensrad arbeitet sie sowohl mit dem feinstofflichen als auch mit dem physischen Körper, u.a. mit der beschriebenen Methode NICE.
Mehr Infos unter www.lebensrad.net


Am 14. November veranstaltet sie den Abendworkshop "Einführung in den Muskeltest", weitere Informationen hierzu ebenfalls auf der Webseite.
web: http://www.lebensrad.net