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In Harmonie mit dem eigenen Körper. Von Antje Lindner

mögliche Bildunterschrift:Eine liebevolle Beziehung zu seinem Körper zu führen, bedeutet, sich zu erlauben, ihn in seiner optischen Erscheinung wertfrei wahrzunehmen.


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Meiner Beobachtung zufolge pflegen viele Menschen eine eher unliebsame Beziehung zu ihrem Körper. Sie sind unzufrieden, frustriert oder unglücklich, weil ihr Körper nicht so funktioniert, wie sie es gern hätten, erkrankt ist oder nicht dem Schönheitsideal entspricht, das sie sich wünschen. Zudem leben wir in einer Gesellschaft, die eine überaus schablonenhafte Vorstellung von einem schönen, attraktiven Körper entwickelt hat und damit eine in hohem Maße kritische, wertende Haltung gegenüber dem Erscheinungsbild des Körpers nährt. Beeinflusst von Medien, insbesondere der Werbung, sind wir derart geprägt, dass nur ein schlanker, durchtrainierter, makelloser Körper garniert mit ebenmäßiger, glatter und reiner Haut von Schönheit und Sexappeal zeugt. Die meisten Menschen gehen sogar noch weiter und schließen Rückschlüsse aus dem Erscheinungsbild des Köpers zu der entsprechenden Person - je mehr ein Mensch dem gängigen, kultivierten Schönheitsideal gleicht, umso mehr Erfolg, Anerkennung, Attraktivität, Gesundheit und Wertschätzung wird ihm zugesprochen. Dies erzeugt bei vielen Menschen Druck und Stress hinsichtlich ihrer körperlichen, äußeren Erscheinung und führt bei den meisten dazu, dass sie ein unnatürliches, liebloses, distanziertes oder extremes Verhältnis zu ihrem Körper aufbauen.
Häufig erlebe ich Menschen, die ihren Körper zu einer Art Protagonisten hochstilisieren. Sie verwenden viel Aufmerksamkeit, Mühe, Disziplin, Geld und Zeit, ihren Körper zu formen, ihn um-, auf- oder abzubauen, zu schmücken und zu verzieren (bis sogar der Arzt kommt). Sie sind hochmotiviert, das Beste aus ihrem optischen Erscheinungsbild zu machen, sodass sie einen Großteil ihrer Lebensenergie dafür verwenden, ihrem Körper dieses und jenes zuzuführen, um ihrem Körperideal näherzukommen.
Andererseits beobachte ich viele Menschen, die ihren Körper sozusagen als Antagonisten betrachten, als eine Art Gegner oder Widersacher, dessen vermeintliche Makel bei der betreffenden Person Leid, Frust, Scham, Unwohlsein und Unzufriedenheit erzeugen. Häufig strafen sie ihren Körper und ihren Geist mit ablehnenden, negativen Gedanken, welche sich mitunter in - den eigenen Körper und das eigene Selbstbild - ablehnenden oder sogar peinigenden Handlungen manifestieren. Oft wird dem Körper dann eine solch erhebliche Macht zugeschrieben, dass man entweder resigniert und sich als Opfer seines Körpers betrachtet und unzufrieden verharrt oder man versucht, ihm mit Tricks, Entzug oder härteren Bandagen Herr zu werden. Viel zu viele Menschen kasteien ihren Körper durch Verzicht, Diäten, Hungern, abführende Mittel, Tabletten oder Erbrechen, um schlank zu sein. Wie viele Menschen schränken sich in gewissen Bereichen ihres Lebens ein, weil ihnen ihr Körper oder gewisse Körperbereiche nicht ansehnlich genug oder gar hässlich erscheinen; verstecken, verbergen und verhüllen aus Scham. Neben vielen Menschen, die ihrem Körper ein Übermaß an Bedeutung und Aufmerksamkeit schenken, scheint es auch viele Menschen zu geben, welche kaum oder gar keine Beziehung zu ihrem Körper haben. Ihr Körper, seine Gesundheit und sein Wohl scheinen einer solchen Distanz zu unterliegen, dass sie als bedeutungslos und gleichgültig angesehen werden.
Wie viele Menschen nehmen ihren Körper liebevoll und wertfrei so an, wie er ist? Wertschätzend und achtsam, dankbar dafür, was er leistet und zu leisten vermag, trotz seiner vermeintlichen Makel? Ohne ihn letztlich über seine Grenzen hinaus zu fordern und ihm Schaden zuzufügen? Wieviele Menschen kennst Du, die ohne Zweifel, übertriebenem Ego und mit freiem Herzen sagen können: "Ja, ich liebe und schätze meinen Körper, ich fühle mich wohl darin und ich finde mich schön"? Wie würdest Du selbst reagieren, wenn jemand so etwas zu Dir sagt? Könntest Du es ohne Wertung annehmen? Wertungen, Beurteilungen entstehen aus Erwartungshaltungen und erzeugen oft Druck und Stress. Wo steht geschrieben, dass ein Körper oder entsprechende Körperteile auf eine bestimmte Art auszusehen haben, um als schön zu gelten? Die Natur, das Leben an sich kennt solcherart Bewertungen nicht. Das Leben, die Liebe wertet nicht. Kein Baum ist identisch, kein Blatt desselben Baumes gleicht dem anderen. Ob groß, ob klein, üppig, kräftig oder zart - jeder Baum, jedes Blatt ist einzigartig und in sich, in der Art wie das Leben durch sie wirkt, perfekt.
Um unserem Körper liebevoll begegnen zu können, dürfen wir uns auch wieder erlauben, ihn als Wunderwerk der Natur zu bestaunen - in seiner Komplexität, Kraft und jeweiligen Einzigartigkeit. Unser Körper scheint einem Meisterwerk gleich: Er besteht aus Abermillionen winziger Zellen, die miteinander in Verbindung stehen, sich aufeinander abstimmen und ein komplexes System erzeugen. Diese Abermillionen Zellen bilden wiederum eine Vielzahl unterschiedlicher Organe, jedes mit seiner Aufgabe, und dennoch bilden sie eine Einheit. Die Grundart der Zellen jedes Menschen ist gleich und dennoch erfinden sie sich in körperlicher Erscheinung auf solch unterschiedliche, bunte und mannigfache Art und Weise, dass es einem vor Begeisterung den Atem verschlagen kann. Und zu guter Letzt käme der Schritt, sich bewusst zu machen, dass wir nicht unser Körper sind. Jeder Mensch ist viel mehr als ausschließlich Körper. Jeder Mensch für sich bildet ein einzigartiges Energiefeld, genährt und erzeugt durch seine Gedanken und Gefühle, die er hegt. Diese Gedanken und Gefühle, in Form von freigesetzter Energie, sind es letztlich, welche unser Sein, unser Leben und Wirken maßgeblich bestimmen und gestalten. Identifizieren wir uns mit unserem Körper, schaffen wir eine Abhängigkeit, indem wir uns auf das rein Körperliche reduzieren und unsere geistige schöpferische Freiheit untergraben. Wir sind nicht unser Körper, doch ist unser Körper ein Teil von uns, unseres menschlichen Seins. Jeder hat dabei entsprechend seines ganz eigenen Wesens und seiner individuellen Lebensaufgabe seinen ganz persönlichen maßgeschneiderten Körper, mit den entsprechenden Fähigkeiten und Ressourcen.
Ich neige dazu, meinen Körper gewissermaßen wie einen "Partner" zu behandeln, der mir vielfältige Möglichkeiten bietet, das Leben sinnlich zu erfahren und den eigenen Gedanken, Ideen und Gefühlen kreativen Ausdruck zu verleihen. Blockiere ich mein Energiefeld durch ablehnende, negative Gedanken und damit verbundene Handlungsweisen, werden sich diese Blockaden auch körperlich zeigen. Mein Körper kann mir also Aufschluss darüber geben, inwiefern ich mich nicht nur auf der Handlungsebene, sondern insbesondere auf der geistigen Ebene blockiere. Andererseits kann ich meinen Körper dazu nutzen, meinem Geist Gutes zu tun - durch singen, tanzen, Massagen, wohltuende Bewegung und wohltuenden Sport. Den Körper als Partner wahrzunehmen, setzt Intimität und Nähe voraus. Um Nähe zu erzeugen, bedarf es, den Körper als Gegenüber, als "Du" wahrzunehmen. Als "Ich" identifiziere ich mich mit meinem Körper, dann wäre ich mein Körper. Betrachte ich ihn als "Es/Er, Das/Der" nehme ihn als etwas von mir Getrenntes war, als etwas Gegenständliches sozusagen. Durch das "Du" entsteht Nähe und wird ein Bewusstsein der Verbundenheit erzeugt. In dieser bewussten Verbundenheit ist man offen, den Körper wahrzunehmen, in Kontakt mit ihm zu sein, ihn wie ein Buch zu lesen. Auf diese Weise öffnet sich der Geist für die Informationen, die der Körper einem gibt.

Die Autorin Antje Lindner lebt und arbeitet in Karlsruhe. Ideen, Motivation, Grundlagen und Inspiration für ihre Texte schöpft sie aus jahrelangem Selbststudium spiritueller Bücher, Workshops und Seminare, aus ihrer hellwissenden Gabe und aus ihrer beruflichen Tätigkeit in der Familien-, Kinder- und Jugendhilfe sowie als Coach/Berater in persönlichen Lebensthemen und -fragen.
Weitere Informationen: www.soul-joins-life.de