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Beitragsreihe 2017 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Vipera berus - die Heilung des kollektiven Verrats


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© petra b. - Fotolia.com

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H. Schäfer: Bienvenu - die Sommerpause ist vorbei. Was haben Sie mitgebracht?
Andreas Krüger: Ich möchte heute über Vipera berus sprechen, die europäische Kreuzotter. Mein Lehrer Jürgen Becker, der leider vor kurzem verstarb, sagte immer, es gibt mehrere Schlangen, die geografische Bereiche abdecken und das wäre für den nordamerikanischen Bereich die Klapperschlange, für den südamerikanischen Bereich eher die Lachesis, also die Buschmeisterschlange, und für den europäischen Bereich wäre es die Kreuzotter. Alle Schlangenthemen werden oft in den geografischen Abgrenzungen von einer Schlange dominant dargestellt und wenn man an Lachesis denkt, es aber nicht hilft, dann sollte man Vipera versuchen, wenn es jemand ist, der aus dem europäischen Kontext kommt.

Wobei hilft sie denn?
Jeder therapeutisch arbeitende Mensch weiß, dass wir von den sozialen Gegebenheiten geprägt werden, in denen wir aufwachsen. Wir leben in Deutschland, aber Menschen, die in der Bundesrepublik aufgewachsen sind, haben andere Chips im Gehirn als Menschen, die eine DDR-Biografie haben. Vipera ist ein Mittel für Menschen, die krank geworden sind an den Strukturen der DDR, besonders an dem ständigen Gefühl des Mistrauens, der Überwachung und nie wirklich zu wissen, wo man sicher ist. Ich würde sagen, dass Vipera das primäre Mittel für Menschen ist, die durch die politische Wirklichkeit der DDR ein tiefes Gefühl von Verunsicherung mitgenommen haben. Ich glaube nicht, dass die DDR an sich verunsichert hat. Es gab bestimmt Menschen, die die DDR toll fanden und sich dort sicher fühlten. In der Homöopathie geht es ja nicht um richtig oder falsch, sondern es geht um Phänomene. Aber es gibt viele Menschen, die chronisch verunsichert aus der DDR hervorgegangen sind und später im Westen nie wieder die Sicherheit gefunden haben, die ein anderer Mensch hat, der in einem politischen System aufgewachsen ist, wo nicht so stark das Thema Überwachung und Bespitzelung im Vordergrund steht. Aus meiner Erfahrung ist Vipera das wichtigste Mittel für alle Erkrankungen, die etwas mit dem Thema Stasi zu tun haben. Das können Schocks beim Einblick in die eigene Akte sein oder die Erkenntnis, jahrelang von der Stasi bespitzelt worden zu sein. Oder es betrifft die tiefe Enttäuschung über Menschen, die jahrelang bei der Stasi waren und eine Freundschaft vorgetäuscht haben.

Haben Sie einen Beispielfall?
Ja. Es ging um eine emanzipierte Krankenschwester, die zu mir kam, weil sie gehört hatte, dass ich gute Erfahrungen bei Veränderungen des Gebärmuttermundes angesammelt hatte, wenn Zellen dort anfangen zu entarten. Die meisten kennen es unter dem Begriff Pap-Test: Ein Abstrich, der bei Frauen gemacht wird und wenn der schlecht ist, empfehlen viele Ärzte, die oberen Schichten entfernen zu lassen. Man kann sich vorstellen, was mit einem Menschen passiert, dem man von einem seiner sensibelsten Organe etwas rausschneidet. Diese Frau hatte ein Pap IV b, also sehr schlechte Werte, die Überweisung schon in der Tasche und wusste, dass sie damit rechnen musste, dass man ihr die Gebärmutter und die Eierstöcke mitentfernen würde. Vorher kam sie zu mir und ich fragte sie, was im Bereich Sexualität gerade bei ihr passierte und was auslösend sein könnte, dass sich ihre Lebenskraft so weit aus diesem Bereich ihres Leibes zurückgezogen hat. Man sagt in der Anthroposophie, dass Krebszellen nicht mehr vom Ich strukturiert werden, sondern so etwas wie eine pflanzliche Autonomie kriegen und nicht mehr jedes Mal, wenn eine Zelle entsteht, der Stempel aufgedrückt wird: zack Andreas Krüger.
Darum suche ich bei jeder Krebskrankheit den Grund, warum sich die Lebenskraft aus diesem Teil des Körpers zurückgezogen hat und warum sie gerade dort zusammengebrochen ist. Diese Frau hatte eigentlich eine schöne Sexualität, denn 25 Jahre lang zweimal täglich Sex mit dem eigenen Mann zu haben, ist eine große Ausnahme. Als ich nach einem möglichen Trauma fragte, sagte sie, dass ihr Mann am Tag der Wende auf einmal weg war. Sie ging zur Polizei, ließ ihn suchen, aber er wurde nicht gefunden. Jahre später fand sie heraus, dass ihr Mann einer Organisation der Staatssicherheit angehörte, der "Organisation Romeo", abgeleitet von Romeo und Julia. Ganz überzeugte Mitarbeiter dieser Organisation fanden sich bereit, mit Menschen Liebesbeziehungen einzugehen und sie sogar zu heiraten, weil diese Menschen für den Staat so wichtig waren, dass man alles über sie wissen musste. Sie war die Tochter eines Superintendenten, eines sehr hohen Führers in der DDR, und dieser Mann war wirklich auf sie angesetzt worden, um sie und ihr Familiensystem auszuspionieren. Und am Tag der Wende war er weg. Man nimmt an, dass er sich mit dem Geld, das er in 25 Jahren Stasiarbeit verdient hatte, sofort in die nächste Maschine nach Kuba gesetzt hatte und jetzt mit den alten Genossen den alten Zeiten nachweint. Es gibt ja die Idee, dass sich viele Menschen damals abgesetzt haben, weil sie wussten, dass die DDR verloren war. Diese Erkenntnis hatte diese Frau so getroffen, dass sie sich auf einer tiefen Ebene entschied zu sterben.

Was haben Sie dieser Frau geraten?
Ich bin ja jemand, der immer die Wahrheit sagt, aber hier habe ich eine Heillüge benutzt, weil sie mich immer wieder fragte, ob der Mann nicht doch irgendwann mal in sie verliebt gewesen war. Ich habe ihr gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er es nicht war. Nach seinem Verschwinden misstraute sie jedem Mann und konnte sich nicht mehr auf eine enge Beziehung einlassen. Ich gab ihr Vipera und daraufhin erschien ihr dieser Mann im Traum und sagte, dass es ihm leid täte, aber er konnte nicht anders, weil er seinen Staat so liebte. Es war keine Heilung, aber es gab ein gewisses Loslassen. Sie musste nicht operiert werden, denn der Pap bildete sich zusammen mit Hilfe anderer Mittel aus der Hildegard-Medizin zurück. Ihr Gebärmuttermund ist wieder völlig gesund und sie hat sich in einen Mann verliebt, mit dem sie in einer glücklichen Beziehung lebt. Ich glaube, dass Vipera hilfreich ist, um dieses immer noch auf uns wirkende DDR-Karma bei vielen Menschen zu lösen und einer wirklichen Wiedervereinigung einen ganz großen Dienst zu erweisen.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Mehr über ihn unter andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag