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Schamanismus als Weg von Cornelia Künzel


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Schamanismus ist ein Weltbild, eine Philosophie mit zahlreichen praktischen Facetten. Für die Bereiche und Tätigkeiten, die in indigenen Kulturen im Allgemeinen unter dem Begriff "Schamanismus" zusammengefasst werden, gibt es bei uns eine Vielzahl von Begrifflichkeiten, durch die das Gemeinsame leicht in den Hintergrund tritt. Hierzulande sprechen wir von Wahrsagen, Energiearbeit, schamanischen Heilungsreisen und Ritualen, Visionssuche in der Wildnis sowie von Geomantie, wenn es um die Verbindung zur Erde geht. All diesen Bereichen gemeinsam ist die Verbindung zu Kräften der sogenannten nichtalltäglichen Wirklichkeit, zur Welt der Geistwesen, der Spirits. Das kann die Kommunikation mit den Spirits von Pflanzen, den Geistwesen eines Ortes, Krafttieren, den Seelen Verstorbener, Ratgebern, Helfern und Heilerinnen verschiedener Ebenen sein.

Krafttiere, Verbündete, Totemtiere, so werden im Schamanismus hilfreiche Tiergeister genannt, die uns Menschen zur Seite stehen. In Märchen gibt es bei uns noch diese enge Verbindung zwischen Mensch und Tier, Menschen können sich in Tiere verwandeln und mit ihnen kommunizieren.
Das Krafttier heißt so, weil es Kraft hat. Es ist ein Repräsentant seiner Gattung und verbindet uns mit deren Kraft, so wie man Strom bekommt, wenn man etwas an eine Steckdose anschließt. Das verleiht uns Widerstand gegen Krankheiten und beschützt uns vor Unfällen, indem es unseren Körper samt Aura kräftigt, sodass es keine Öffnungen im Energiekörper gibt, durch die Negativität eindringen könnte. Das Krafttier bildet ein Kraftfeld um uns, erhöht unsere physische Energie und die mentale Wachheit. Zeichen, dass das Krafttier verschwunden ist, könnnen Depression, ständige Unfälle und chronische Krankheiten wie dauerhafte Erkältungen sein. Bei amerikanischen Stämmen heißt es, dass jedes Kind ein Krafttier hat und dadurch die Kindheit überlebt. Meine Kinder waren begeistert, als sie von Krafttieren erfuhren und fragten genau nach, ob es auch zuerst klein ist und dann mit ihnen zusammen wächst, ob es sich auch ein Bein bricht, wenn sie sich ein Bein brechen und vieles mehr.

Ich habe in etlichen Fällen beobachten können, wie die Kontaktaufnahme zum Krafttier Menschen in schwierigen Lebensphasen unterstützt hat und lange hinausgezögerte Veränderungen möglich wurden. Andrea war in einem sozialen Beruf tätig und überlegte seit langem, ihre Arbeitsstelle zu wechseln, da die Bedingungen sie physisch und psychisch stark belasteten. In einer schamanischen Reise gab sich ein Reiher als ihr Krafttier zu erkennen. Trotz anfänglicher Enttäuschung (warum ist es kein Löwe, Elefant oder Bär, ein großes und starkes Tier?) freundete sie sich mit dem Reiher an. Sie bemerkte plötzlich, dass in der Umgebung ihres Hauses Reiher lebten. Und wenn die Ängste überwogen, ihren sicheren Arbeitsplatz aufzugeben, beobachtete sie immer wieder einen Reiher, der aufflog und sich in die Lüfte schwang. So begleitete sie ihr Krafttier in ihrem Entscheidungsprozess. Inzwischen hat Andrea eine andere Arbeit gefunden und einen weiteren wichtigen Schritt im Leben gewagt: ihren Lebensgefährten zu heiraten.

Die schamanische Reise zum Krafttier durch einen erfahrenen schamanisch Praktizierenden oder unter deren Anleitung ist häufig der erste Schritt ins schamanische Universum. Mit wachsender Erfahrung und Sensibilisierung für andere Welten können sich weitere Wege öffnen. Die Natur, die Erde wartet darauf, dass wir mit ihr in bewussten Kontakt gehen!

Die Autorin Cornelia Künzel, Sozialpädagogin und Lehrerin, hat vor über 30 Jahren den schamanischen Weg eingeschlagen, lernte vor allem in der Natur und u.a. bei Zsuzsanna Budapest, der Foundation for Shamanic Studies und Dhyani Iwahoo. Die Erfahrungen von vier Reisen zu einer Schamanin in den sibirischen Altai veröffentlichte sie in dem Buch "Menschen im sibirischen Altai - auf den Spuren von Schamanen und Gelehrten"