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Ausgabe September 2017
Macht´s nach, aber macht´s genau nach! Andreas Krüger

Gespräch über Homöopathie und die Komplexität von Heilung

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H. Schäfer: Und - was haben Sie sich heute ausgedacht?
Andreas Krüger: Ich möchte heute mit einem Satz von Samuel Hahnemann beginnen: "Macht's nach, aber macht's genau nach." Diesen Gedanken verbinde ich mit dem Ansatz des wahrscheinlich größten Homöopathen des letzten Jahrhunderts, der für die Verbreitung der Homöopathie am meisten getan hat und bei dem auch alle großen Homöopathen in die Schule gegangen sind: Dr. Prof. Mathias Dorcsi, Ordinarius des Ludwig-Boltmann-Instituts in Wien und Inhaber des ersten Lehrstuhls für Homöopathie in Europa. Als leidenschaftlicher Homöopath brachte er die fünf Schritte zur Gesundheit in die Welt: "Als erstes kommt die Atmung, dann kommt die Bewegung, dann kommt die Ernährung, dann kommt die Seelsorge und wenn dann immer noch etwas von der Krankheit übrig ist, dann kommt die Homöopathie." Dieser Satz - auch wenn ich ihn leider noch immer nicht zu 100 Prozent verfolge, denn sonst hätte ich viele ernährungsbedingte Probleme nicht - hat meine Arbeit sehr geprägt. Er hat mich verstehen lassen, warum ich doch bei aller leidenschaftlicher Heilerfreude, die ich habe - und ich denke auch bei relativ guten und inzwischen schon mit viel Erfahrung unterfütterten Handwerkszeugen - immer noch manchmal erleben muss, dass meine Patienten weniger gesund werden, als ich mir das erhoffe oder auch erdenke. Dieser Satz hat mich verstehen lassen, warum es nicht nur reicht, das richtige Kügelchen zu geben. So viel Wissen und Arzneimittelfindungskompetenz auch in jedem Heiler steckt: Heilung ist doch sehr komplex.
Meine Schüler fragen mich immer wieder, warum ein Mittel nicht bei deutlichen Symptomen, wie sie in den Büchern stehen, heilt. Das Irre ist: Die hatten damals nur 100-120 Mittel. Die machten auch keine stundenlangen Anamnesen. Der große Homöopath Arthur Lutze, der ein Krankenhaus eröffnete und sehr erfolgreich war, hat seine Patienten 15 Minuten gesehen, ihnen ein Mittel gegeben und sie wurden geheilt. Und dann fragen wir uns immer wieder, warum die so erfolgreich waren und wir heute zwar erfolgreich sind, aber bei weitem nicht so. Dabei haben wir heute 5.500 Mittel, wir haben riesige Computer-Programme, wir machen Arzneitrancen, Arzneimittel-Entwicklungsaufstellungen - wir haben ein riesen Know-How. Warum sind wir nicht so erfolgreich wie die Alten?

Und wie erklären Sie sich das?
Ganz einfach, weil wir die Bücher der Alten einfach nicht richtig lesen. Zum Beispiel das Organon der Heilkunst von Samuel Hahnemann und seine Krankenjournale gerade aus seiner älteren Zeit aus Paris, aber auch die Lehrbücher von Homöopathie. Das macht heute leider kein Homöopath mehr - jedenfalls keiner, den ich kenne. Ohne die Erfolge der heutigen Homöopathie herabsetzen zu wollen, aber die Alten haben alle den Patienten die Hände aufgelegt. Hahnemann schreibt im Organon der Heilkunst: "Das Auflegen der Hände, das Übertragen von magnetischer Kraft gehört neben der Homöopathie zu den adligsten Heilkünsten der Menschen." Man weiß, dass er jedem Menschen die Hände aufgelegt und Heilkraft übertragen hatte. Das Handauflegen war im proletarischen Neukölln der Jahrhundertwende letztendlich die Haupttherapiemethode, weil die Menschen kein Geld für mehr hatten. Die sind um die Ecke zu ihrem Magnetiseur gegangen und der hat ihnen für 15 Pfennig noch ein paar biochemische Tabletten mitgegeben. Als Hitler die Heilpraktiker aus den vielen Unterberufen der Naturheilkundler erschuf, da waren die Magnetiseure die größte Berufsgruppe. Es gab um 1934 zehnmal mehr Magnetiseure als Homöopathen. Hahnemann und Lutze waren dafür bekannt, dass sie jeden und alles magnetisch bestrahlten. Wenn Lutze einmal nicht das passende Mittel dabei hatte, nahm er ein Glas Wasser, dachte an das Mittel und übertrug die Kraft des Mittels auf das Wasser. Heute wissen wir, dass aus Gedankenkraft Materie zu formen ist. Schon Buddha wusste: "Der Geist entscheidet: Du wirst, was du denkst." Ich empfehle die Bilder und Fotos von Masaru Emoto, was Gedanken mit Wasser machen. Ich selber habe auch eine CD über Symbole und Homöopathie und die Kraft des Wassers gemacht, wo es darum geht, was passiert, wenn man Wasser mit homöopathischen Mitteln beschwingt. All das haben unsere großen alten Homöopathen alle gemacht. Sie haben nie nur ein Mittel gegeben. Hahnemann verordnete jedem Patienten einen strengen Diätplan und wenn der sich nicht an diesen Plan hielt, jagte er ihn aus der Praxis. Wenn man die Diäten von Arthur Lutze liest, würden 99 Prozent aller Patienten - mir inklusive - nur von diesen Diäten gesund werden. Lutze gab seinen Patienten Dinge, mit denen der Körper innerhalb von Wochen einfach basisch wurde. Heute gibt es viele Bücher, die eine basische Ernährung empfehlen, um selbst Krankheiten wie Krebs zu heilen.

Haben Sie das mal ausprobiert?
Ich habe vor 2 Jahren 3 Monate vegan gegessen und alle meine ernährungsbedingten Beschwerden waren weg. Mit tat nichts mehr weh und ich nahm in 3 Monaten 15 Kilo ab. Für mich ist das nicht so leicht, denn ich liebe Sahne und Trüffeltorten - aber es war eine Erfahrung. Ich weiß, dass 90 Prozent meiner körperlichen Beschwerden verschwänden, wenn ich mich basisch ernähren würde. Hahnemann und Lutze waren im Grunde Dreifach-Heiler: Sie waren Handaufleger nach Messmer, sie waren Homöopathen und sie waren große Diätetiker. Wenn man sich das vor Augen führt, ist es enorm, wenn ohne Diät und nur mit Homöopathie jeder dritte Patient ein Wunder erlebt.
Auch wenn ich als Espressotrinker und leidenschaftlicher Tortenesser nicht als bestes Beispiel vorangehe, animiere ich meine Patienten dennoch, wenigstens in diese Richtung zu denken. Wie viele Rheumatiker können nicht mit einem Kügelchen gesund werden? Wie viele Neurodermitiker brauchen einfach eine vegane Ernährung plus Kügelchen für die Lösung der seelischen Konflikte? Aber nur gute Ernährung hilft auch nicht für die seelischen Konflikte. Deswegen haben die Alten diese Trias benutzt.

Wie bekomme ich heraus, was ich ganz persönlich brauche?
In der SHS pflegen wir ja die Tradition der demokratischen Medizin. Das heißt, wir testen das Energiesystem des Patienten durch unterschiedliche Tests, um herauszufinden, was das System dieses Patienten von mir will. Wenn ich die vielen Testergebnisse ansehe, gab es nicht einen einzigen Patienten, der getestet hat, dass er nur Homöopathie braucht. Alle Patienten haben auch noch andere Formate getestet - ob es ein Horoskop oder EFT oder Engel-Wolf-Schamanismus oder Leibtherapie oder auch Psychotherapie, Schamanismus oder ATA nötig ist, um eine Basissituation herbeizuführen, in der dann - für mich immer noch als Krone der Heilkunst - das homöopathische Mittel seine Wunder bewirken kann. Aber es muss durch begleitende Maßnahmen eine Atmosphäre geschaffen werden, in der das dann möglich wird. Wer auf meine Internetseite geht und "testen" anklickt, erfährt mehr darüber.

Fazit?
Es gibt einen schönen Satz von Hahnemann und mit dem möchte ich enden: "Bevor die Allergie heilen kann, muss der allergieauslösende Blumenstrauß aus den Zimmern entfernt werden." Wenn jemand eine schwere Zuckerallergie hat, kann ich die Collitis nicht heilen, solange er den Zucker isst, weil der Zucker der allergieauslösende Blumenstrauß ist. Wenn eine Frau zweimal in der Woche von ihrem Mann verprügelt wird, weil sie nicht in der Lage ist, sich zu wehren, dann kann ich ihr noch so viel Staphisagria geben, um ihren inneren Rambo zu aktivieren, aber natürlich muss ich ihr Mut machen, um sie da rauszuholen. Wir können nicht heilen, solange das krankheitsauslösende Allergen - ob Zucker oder wahnsinniger Ehemann - existiert. Wir können unterstützen, wir können helfen, durchzuhalten, aber heilen können wir erst dann, wenn die krankheitsauslösenden Dinge entfernt sind. Und ich glaube, wenn darauf mehr geachtet werden würde, wären viel mehr Menschen weniger enttäuscht. Und würde man mehr Quellenstudien betreiben, wüsste man, dass auch Hahnemann kein homöopathischer Wunderheiler war, sondern jemand, der auch ohne Testung den Menschen in seiner Ganzheit gesehen hat und deswegen anders heilen konnte. Also: "Macht's nach und macht's genau nach!"

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Mehr über ihn unter andreaskruegerberlin.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


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