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Ausgabe Juli 2017
Mit Klopfen dem Alltagsstress begegnen. Von Christiane Grümmer-Hohensee


"Ich bin total gestresst" ist vermutlich ein Satz, den Sie schon oft ausgesprochen oder zumindest gedacht haben. Stress begegnet uns stetig und immer wieder. Der ganz normale Alltag birgt zahlreiche Möglichkeiten, sich gehetzt, angespannt, unter Druck oder einfach nur genervt zu fühlen. So kann wohl jeder ein Lied davon singen. Wahrscheinlich ist Ihnen völlig klar, dass dies kein Dauerzustand sein darf und doch: scheinbar hilflos und ohnmächtig gegen dieses Alltagsphänomen bleibt es oft beim viel zitierten "guten Willen", etwas daran zu ändern.

Warum ist es aber so wichtig, etwas dagegen zu unternehmen?
"Stress ist ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse, die sein Gleichgewicht stören und seine Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder überschreiten. Diese Reizereignisse umfassen eine ganze Bandbreite externer und interner Bedingungen, die allesamt als Stressoren bezeichnet werden. Ein Stressor ist ein Reizereignis, das vom Organismus eine adaptive (anpassende) Reaktion verlangt."
Diese Definition ist eine von verschiedenen, die aber im Wesentlichen alle Auskunft darüber geben, dass Stress durch Reize ausgelöst wird, Reize, die über alle Sinneskanäle des Körpers aufgenommen und anschließend verarbeitet werden. Sie rufen ein Muster von Reaktionen hervor, die das Gleichgewicht des Körpers stören und seine Fähigkeit zur Bewältigung sehr stark beanspruchen oder sogar überschreiten können. Beim Stresserleben geht es also um eine Reaktionskette im Organismus, die ausgelöst wird, wenn Reize wahrgenommen werden. Das geschieht interessanter Weise auch bei den Reizen, die als angenehm empfunden werden (z. B. laute Musik beim favorisierten Rockkonzert). Der Körper erlebt die Reizkonfrontation als Herausforderung, der er sich stellen muss. Und dies tut er verlässlich und produziert somit das Stresserleben selber. Besonders deutlich empfunden wird dies in Situationen, die eher negativ bewertet werden. Hirnphysiologisch gesehen erlebt der Mensch diesen Zustand als Bedrohung, die unwillkürlich und unbewusst eine Kettenreaktion auslöst. Der Körper macht sich bereit, der Situation entweder zu entfliehen oder zu kämpfen (flight or fight). Immer kommt es zu einer Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Die Gefäße der Skelettmuskulatur, der Haut und der Eingeweide ziehen sich zusammen, sie verengen sich und der Blutdruck steigt. Bleibt es bei einer dauerhaften Reizkonfrontation, gelingt es dem Körper nicht mehr, alle ausgeschütteten Stresshormone auf ein ausgewogenes Maß abzubauen. Die Folge ist, dass der Körper in ständigem Alarmzustand verbleibt. Vermehrte Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Verspannungen und Gereiztheit sind ebenso Folgen, wie Bluthochdruck, vermehrte Infektanfälligkeit, Panikattacken, Erschöpfungsdepressionen oder Herzinfarktgefährdung. Kurz gesagt: Körper, Geist und Seele leiden.
Der Mensch des 21. Jahrhunderts "rennt" förmlich durchs Leben, immer schneller wechseln die äußeren Reize, immer mehr Anpassungsleistung ist erforderlich, doch scheint kaum Zeit zu bleiben, dem wirklich stattzugeben. Keine Zeit, wirklich zur Ruhe zu kommen. Aber wie eben schon beschriebenen, ist es von von primärer Bedeutung, genau das zu tun, kurz innezuhalten und dem Körper und dem Geist die Gelegenheit zu geben, sich wieder ein wenig zu entspannen.
Wie kann das gehen, wenn doch tagsüber so wenig Spielraum dafür ist und jede freie Minute so kostbar erscheint? In meiner Praxis arbeite ich schon seit geraumer Zeit sehr erfolgreich mit einer effektiven, spürbar stressreduzierenden und emotional regulierenden Selbsthilfetechnik, die ich meinen Klienten vermittle und selbstverständlich auch selber anwende: PEP, eine Klopftechnik, die von Dr. Michael Bohne aus den bisher schon bekannten Techniken wie EFT oder MET weiterentwickelt wurde. Das heißt, man beklopft sich, um sich zu beruhigen. Das klingt erst einmal sehr skurril, ist es soziokulturell gesehen auch, doch in seiner Wirkung äußerst beeindruckend.

Die Klopftechniken haben ihren Ursprung in der sogenannten energetischen Psychologie. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts finden diese Techniken zunehmend auch in Deutschland Verbreitung. Die Wurzeln reichen sehr weit zurück, bis zu 5.000 Jahre, denn die Beobachtung, dass sich durch Stimulation bestimmter Punkte am Körper auch Emotionen beeinflussen lassen, ist im Grunde so alt wie die Akupunktur selbst. Das Klopfen dieser Punkte, die sich an den Akupunkturpunkten aus der traditionellen chinesischen Medizin orientieren, wurde vor einigen Jahrzehnten in den USA entdeckt und entwickelt. Der amerikanische Arzt und Chiropraktiker George Goodheart war der erste, der das Klopfen von Akupunkturpunkten zur Auflösung von Stress beschrieb. John Diamond, ein australischer Arzt, Psychiater und Psychoanalytiker wendete Goodhearts Beobachtungen dann auf die Psychotherapie an.

Warum ist PEP eine so wertvolle Technik im Einsatz gegen den Stress?
Sie ist schnell einsetzbar, man kann sie jederzeit benutzen und man braucht nichts weiter, als die eigenen Hände. Klopfen hilft, auch wenn es so simpel und banal erscheint. Intuitiv wenden wir es bei Babys und Kleinkindern an, um sie zu beruhigen, wenn sie Kummer haben. Wir klopfen vorsichtig ihren Rücken, wir berühren sanft ihre Haut. Ja, wir beruhigen auch uns selbst, indem wir unwillkürlich die Hand auf die Brust legen und uns leicht mit den Fingerspitzen beklopfen, wenn wir beunruhigt sind. Das intuitive Wissen um diese Körperphänomene ist daher so alt, wie die Menschheit. Der bewusste Umgang damit, um Stress zu reduzieren und emotionale Belastungen zu regulieren ist recht neu.

Was muss man tun:
In einem ersten Schritt wird das, was gerade so unangenehm, belastend, verletzend oder anstrengend wahrgenommen wird, in eine selbstwertschätzende Aussage sich selber gegenüber formuliert. Es könnte zum Beispiel folgendermaßen lauten: "Auch wenn ich mich gerade absolut überfordert fühle, respektiere ich, dass es gerade so ist und nehme mich so an, wie ich bin". Dabei wird es laut oder leise ausgesprochen. In einem zweiten Schritt wird sich voll und ganz auf das konzentriert, was so stressend erlebt wird. Dabei beklopft man nacheinander insgesamt 16 Punkte, die sich auf den Fingerfalzen der Hand, im Gesicht und am Oberkörper befinden. Schon nach einer einzigen "Klopfrunde" ist häufig deutlich spürbar, wie die Anspannung leichter wird. Das Klopfen kann mehrmals wiederholt werden und dauert nur wenige Minuten.
Durch die Selbstwertaffirmation wird jeder immer wieder dazu eingeladen, sich selbst mit seinen ganz Unzulänglichkeiten und vermeintlichen Fehlern anzunehmen, sich zu schätzen, sich zu mögen. Je öfter das geschieht, desto heilsamer ist es für Körper, Geist und Seele. Die Beziehung zu sich selbst verändert sich langsam aber beständig.
Es gibt einige Hypothesen darüber, was das Klopfen so wirkungsvoll macht. Nachweisbar ist mittlerweile, dass über das Klopfen taktile Reize gesetzt werden. Die neuronale Verarbeitung dieser Reize bewirkt die Ausschüttung von Neurotransmittern und Hormonen, die sich günstig auf die Stressverarbeitung auswirken. Dadurch kommt es in Folge zu einer Verbesserung der Durchblutung der Großhirnrinde und damit auch wieder zu einem klareren Denkvermögen. Darüber hinaus wird durch die Erfahrung, dass tatsächlich innerhalb kürzester Zeit ein Nachlassen der Anspannung spürbar ist, eine überaus wichtige Form der Selbstwirksamkeit erlebt. Man hat es buchstäblich in der Hand, sich selber zu helfen.

Doch PEP geht über das reine Klopfen hinaus.
Möglicherweise haben Sie selbst schon Erfahrungen mit dem Klopfen machen können. Dann haben Sie vielleicht auch erlebt, dass die Wirkung manchmal bedauerlicherweise nicht so eintritt, wie erhofft oder erwünscht. Die Anspannung bleibt immer noch zu hoch, oder die belastenden Emotionen verändern sich zu wenig. Dann liegt vermutlich das vor, was Dr. Michael Bohne in diesem Kontext die "Big-Five-Lösungsblockaden" nennt. In der Regel unbewusst machen sich eine oder mehrere dieser Blockaden bemerkbar. Entweder die Beziehung zu sich selbst ist immer noch durch Selbstvorwürfe und Schuldgefühle bezüglich der momentan erlebten Stresssituation gestört, oder aber anderen Personen werden Vorwürfe gemacht, berechtigt oder nichtberechtigt spielt hierbei keine Rolle. Das heißt, die Beziehungen zu anderen sind gestört. Eine dritte Blockade ist die der Erwartungshaltung anderen gegenüber, auch hier ist es unerheblich, ob die Erwartungen berechtigt sind oder nicht, entscheidend ist, dass erst andere ins Handeln kommen müssen, damit es demjenigen, der den Stress erlebt, besser geht. Das eigene Erleben wird davon abhängig gemacht, wie ein anderer handelt. Die vierte Blockade ist die der Altersregression. Wie oft geschieht es nicht, dass in bestimmten Situationen das gefühlte Alter mit dem tatsächlichen Lebensalter nicht übereinstimmt. Die Redewendung "So klein mit Hut" bringt es auf den Punkt. Doch auch die letzte Blockade hat es in sich. Es handelt sich dabei um versteckte Loyalitäten, die verletzt würden, wenn man es sich wieder gut gehen ließe.
Wie auch immer diese Blockaden auftauchen, einzeln oder auch mehrere zur gleichen Zeit, in jedem Fall werden sie beim Klopfen mit PEP einbezogen und bearbeitet. Es ist wirklich spannend, sich einmal auf die Spur zu kommen und zu entdecken, womit wir es eigentlich komplex zu tun haben, wenn wir Stress erleben. Es sind eben nicht einfach nur die Umstände, die unabänderlich erscheinen, sondern es sind vielfältige Themen in uns, die für das Stresserleben eine wichtige Rolle spielen. Die Klopftechnik PEP macht es möglich, auf eine umfassende, nachhaltige und schnelle Art, sich selbst zu helfen. Ohne großen zeitlichen Aufwand und leicht gelingt es, etwas zu verändern. Man muss es nur tun, das allein ist wichtig.


Christiane Grümmer-Hohensee:
Dipl.Pflegewirtin
Kinesiologin
Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG)
weitere Infos auf: www.art-salutaris.de


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