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Ausgabe Mai 2017
Das weibliche Prinzip aus metaphysischer Sicht von Michael J. Roads


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Es scheint ein wenig frech von einem Mann über das weibliche Prinzip zu schreiben, doch ich tu´s gern. Ich glaube es ist kaum bekannt, wie mächtig das weibliche Prinzip eigentlich ist. Beispielsweise sind sich nicht viele Männer der simplen Tatsache bewusst, dass sie ihr Leben im Bauch der Mutter weiblich begannen. Die medizinische Forschung hat eine Standardgeschlechtsbestimmung, bekannt als das XY-System. Dabei geht es vor allem um die Geschlechtschromosomen, Frauen haben XX, während Männer XY haben. Doch vom Augenblick der Empfängnis an ist jeder weiblich, d.h. XX, bis das Y-Chromosom nach etwa sechs bis acht Wochen aktiv wird. Und dann fangen wir anstrengenden Kerle an, Schwierigkeiten zu machen…XY!

Wie die meisten Männer war ich während meines ganzen frühen Lebens ein gewöhnlicher Kerl…und ich will hiermit die vielen männlichen Ausnahmen nicht schmälern. Anders als den meisten Kerlen, fiel es mir jedoch immer leicht, einen Zugang zu meinem emotionalen Teil zu finden und meist kam ich damit ganz gut klar. Daran änderte sich nichts, bis ich begann, bewusst meinen spirituellen Weg zu gehen. Wir sind alle auf einem spirituellen Pfad unterwegs, aber weit weniger Menschen gehen ihn bewusst.

Im Australien der siebziger Jahre hatten meine damalige Frau und ich eine spirituelle Gesinnungsgemeinschaft mitgegründet und es war hart für mich. Das war es für uns alle, aber das war kein Trost! Hier war ich, ein unsicherer Mann, umringt von problematischen Menschen. Aber lasst uns die Details überspringen und auf den Punkt kommen. Ich war ein Kind, das in einer stark matriarchalischen Familie aufwuchs. Ich hatte eine dominante Mutter, eine sehr dominante Großmutter und, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurde ich in eine Privatschule mit einer super-dominanten Direktorin geschickt. Sie alle konnten mich schlagen, taten das auch und ich konnte nichts dagegen tun. Im Nachhinein betrachtet, wurde ich physisch - durch Schläge - und emotional - durch Worte - missbraucht, was mein Gefühl der Ohnmacht verstärkte. Die Folge war, dass ich als erwachsener Mann dominante Frauen wahrhaft fürchtete. Und in unserer Gemeinschaft gab es sechs davon! Interessanterweise hatte ich auch eine dominante Frau geheiratet, aber die war auf meiner Seite.

Unter diesem Druck meiner alten emotionalen Traumata hatte ich eines Nachts einen tiefen, aufwühlenden Traum: Ich träumte, dass ich am Strand stand und im Ozean angelte. Sehr bald fing ich einen riesigen Fisch, etwa zwei Meter lang. Ich zog ihn aus dem Wasser und fühlte mich dem Fisch sofort auf sehr machtvolle Weise verbunden. Ihn zärtlich und mit Leichtigkeit in meinen Armen haltend, trug ich ihn am Strand entlang zu meinem Auto. Plötzlich erschienen aus dem nichts drei Männer, schlugen mich nieder, schnappten sich den Fisch und rannten davon. Ich jagte ihnen hinterher, und sah, dass sie in ein typisches englisches Pub direkt am Strand liefen. Ich folgte ihnen in den Pub und stellte fest, dass der Besitzer den Fisch bereits auf einem Schild an die Wand gehängt hatte (Ihr wisst, wie Träume sind!). Ich sprang auf den Tresen, holte mir den Fisch - er war noch immer lebendig - und rannte aus dem Pub, den Fisch wieder in meinen Armen haltend. Die drei Männer und der Pubbesitzer jagten mir wütend hinterher. Ich verließ den Strand und rannte die Straße auf einen Hügel hinauf. Während die anderen näher kamen, sah ich einen kleinen Bach, der den Hügel hinunterfloss und ein kleines Becken bildete, bevor er in einem großen Abflussrohr unter der Straße verschwand. Gerade als die wütenden Männer mich einzuengen begannen, warf ich den Fisch in das Süßwasserbecken. Umgehend verwandelte sich der Fisch in eine zwei Meter große, mächtige und schöne Göttinnen-gleiche Frau. Von ihr ging ein Licht aus und sie lächelte mich an. In dem Moment, als ihr Licht die Männer berührte, verschwanden diese einfach, und ich wusste, sie waren auch besiegt. Das Wasser verlassend, kam die Frau auf mich zu und umarmte mich liebevoll…und verschmolz mit mir. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich auf einer Seelenebene eine weibliche Energie bin. Die Wirkung auf mich war gigantisch. Ich wandte mich ab von meiner männlich orientierten Machtbasis und richtete mich auf meine innere weibliche Energie aus. Dieser Augenblick war der Ursprung meiner tiefen Intuition und meiner geliebten metaphysischen Fähigkeiten. All dies praktiziere ich nun seit Jahren und in den meisten meiner Bücher geht es um meine metaphysischen Reisen. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass dies auch zur Heilung meiner alten, lange währenden Ängste vor dominanten Frauen führte. Der Traum, in dem ich mit meinem weiblichen Aspekt verschmolz, war die Brücke, die mir den Weg zu einer friedlichen Beziehung mit allen dominanten Frauen der Gemeinschaft eröffnete, bis auf eine - sie hatte ihre eigenen Dämonen, mit denen sie sich auseinandersetzen musste.

Ich wuchs nicht mit dem Gefühl auf, dass Männer Frauen überlegen sind, ganz im Gegenteil. Ich musste lernen, dass jegliche Vergleiche, die wir zwischen Männern und Frauen machen, in uralten Fehlurteilen gründen. Für mich ist das einfach: Es sind zwei verschiedene Ausdrucksformen einer ganzheitlichen Energie. Männer machen aus Frauen ein Geheimnis und Frauen neigen dazu, Männer für die Ungleichheit der Geschlechter verantwortlich zu machen, die für mich nicht existiert. Ja, die Gesellschaftsstruktur ist ungerecht, aber so war es immer schon. Jetzt, da wir uns von der Vorherrschaft der männlichen Energie hin zum Gleichgewicht mit der weiblichen Energie bewegen, gelingt uns hoffentlich Harmonie.

Wenn wir unsere bedauernswerte und schreckliche Geschichte betrachten, stoßen wir auf die vom Katholizismus ausgehende spanische Inquisition. Sie dauerte weit länger, als allgemein bekannt. Etwa 700 Jahre, vom 12. Jahrhundert bis zur letzten Hinrichtung im 19. Jahrhundert. Worum es mir dabei geht? Die Mehrheit dieser Hinrichtungen zielten darauf, die Dorffrauen zu versammeln, um die örtlichen Hexen ausfindig zu machen. Warum? Weil die Hauptausübenden der religiösen Kontrolle wussten, dass Intelligenz dem weiblichen Prinzip folgt. Intelligenz - nicht der Intellekt. Nach meiner metaphysischen Beobachtung und ganz allgemein sind Männer intellektueller als Frauen und Frauen intelligenter als Männer. Die Inquisitoren wollten nicht die sogenannten Hexen vernichten. Doch sie wussten ganz genau, dass Intelligenz dem weiblichen Prinzip folgt. Diese Manipulatoren unserer Geschichte bemühten sich, die weisen Frauen der Dörfer zu ermorden, um jegliche Möglichkeit einer weiblichen Dominanz zu verhindern. Und diese barbarische und unmenschliche Manipulation wurde im Namen Gottes etwa 700 Jahre lang fortgesetzt. Was für ein atemberaubendes Verbrechen am weiblichen Prinzip.
Wir befinden uns nun in einer Zeit großen Wandels. Die brutale alte männliche Energieherrschaft schreit im Todeskampf auf, kaum ahnend, was geschieht. Ich finde es faszinierend, dass die alte männliche Herrschaftsenergie eigentlich sich selbst zerstört. Wie bizarr…und perfekt.

Also seid euch gewahr, ihr alle vom weiblichen Prinzip, ihr müsst nicht um euer Überleben kämpfen. Wir sind im Kommen…und nichts kann das Unvermeidliche verhindern. Wir sind die Menschen, denen es leicht fällt, das weibliche Prinzip der Liebe zu beherzigen. Mit all eurer Energie, liebt jene, die euch verfolgt haben. Ohne dies hier irgendwie zu erklären. Es ist ein Weg, den wir alle vor langer Zeit gewählt haben. Ein törichter Weg, aber unsere Wahl. Der Weg hinaus und voran ist das Gegenteil der alten Energie der Gegnerschaft. Unsere Zeit ist gekommen und die weiblichen Prinzipien des Mitgefühls und der Vergebung sind der Weg, die tiefen Wunden der ganzen Menschheit zu heilen.

Übersetzt von Elisabeth Karsten


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