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Ausgabe Mai 2017
Die Höhle der Löwin

Heilwerdende Heilerinnen auf ihrem heiligen Weg. Von Katja Neumann

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© Winfried Rusch - Fotolia.com

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Für meine Schwestern
Ihr Schwestern, Frauen da draußen, Zeit wird es für uns aus dem Verborgenen, aus unseren Höhlen zu kommen, Zeit wird es für uns, wieder miteinander zu sein. Wir nehmen einander nichts weg, wenn wir gut sind und wenn wir uns gegenseitig feiern (würden!) dafür. Schenkt Euch ein Lächeln, vergleicht Euch nicht. Wir sind schon Heilerinnen, einfach weil wir sind, weil wir Leben geben, weil wir lieben und weil wir Schmerzen kennen. Weil wir mutig sind und die Geschichte ändern und weil wir zutiefst friedlich sind und doch Kriegerinnen im Herzen. Wir dürfen schön sein und laut und lustvoll, wir dürfen Nein sagen und nehmen, wenn wir etwas wollen. Wir sind einen langen Weg gegangen, haben uns verleugnet, wurden gejagt und vernichtet und sind doch noch da. So viel Scham, so viele Missverständnisse und Zweifel wollen überwunden werden. Wir selbst verfügen über uns und wir entscheiden. Wir sind Heilerinnen.

Frau ist ein magisches Wesen
Aufgrund der ganzen Art, wie Frauen gemacht sind, ihr Körper und ihr Geist, sind sie prädestiniert für Magie, für Heilarbeit, für spirituelle Heilarbeit. Frau schenkt Leben, ist empfangend, emotional, intuitiv und spürig, empathisch, sie hütet das Nest und die heiligen Orte, sie nährt, sie liebt. So sind wir gemeint.

Ein paar unterschiedliche Fakten, deren enorme Bedeutung mir sehr am Herzen liegt und die wieder hinausgetragen werden möchten in die Welt. Wusstet Ihr:

- In matriarchalen Gesellschaften leben matriarchale Frauen und matriarchale Männer. Ihr Leben ist geprägt von ihrem großen Respekt und ihrer hohen Achtung und Wertschätzung allem Lebendigen gegenüber. "Am Anfang, am Ursprung die Mütter" bedeutet das Wort Matriarchat, nicht "Frauenherrschaft ". Matriarchate sind keine Umkehrung des Patriarchats, wie aus einem grundlegenden Missverständnis heraus immer wieder behauptet wird. Stattdessen zeigen sie sich als gender-egalitäre Gesellschaften. Das heißt, sie kennen keine Klassen, keine Hierarchien und keine Herrschaft des einen Geschlechts über das andere.

- Heilpflanzenkunde ist seit Millionen von Jahren vor allem von Frauen angewandt worden, die ersten Universitäten, sowie die ersten "Medizinalgesetze" im 11./12. Jahrhundert wurden von männlichen Herrschern erlassen, was auch bedeutete, dass nur noch, wer eine Genehmigung hatte, Heilarbeit machen durfte. Und das waren sicher nicht die Frauen, obwohl sie die Hüterinnen dieses alten Wissens waren. Sie wurden ausgefragt, gezwungen, ihr Wissen an nicht wertschätzende Menschen weiterzugeben, denen die Heiligkeit dessen egal war, weil ihnen einfach nichts heilig war. Viele Frauen haben dafür ihr Leben gegeben.

- In manchen alten schamanischen Kulturen wurde Mädchen, einfach nur, weil sie das erste Mal bluteten, Heilkräfte nachgesagt und jeder wollte, dass sie ihre Hände auflegten. Es hatte nichts Schmutziges, war kein Tabu, es war heilig. Und keine schwangere Frau wäre auf die Idee gekommen, ihr Kind im Liegen zu gebären.

- Viele vermeintlich männlichen Schamanen, deren Gräber ausgehoben wurden, mussten rückwirkend durch heute mögliche Technik zur weiblichen Schamanin korrigiert werden. Es wurde einfach automatisch davon ausgegangen, dass sie männlich sein müssen. Schamanisieren war/ist also keine männliche Domäne, wie gerne von Wissenschaftlern und Anthropologen geglaubt wurde. Sie haben auch auf ihren Forschungsreisen aufgrund ihrer eigenen Ignoranz und Arroganz die Schamaninnen vor ihrer Nase übersehen, da es ja "nur Frauen" waren. Dabei hätten diese sicher viel zu erzählen gehabt.

Traditionelle weibliche Heilarbeit
In den alten schamanischen Traditionen waren und sind also sehr häufig Frauen tätig, mindestens ebenso viele wie Männer und sie waren/sind Heilerinnen, Kräuterkundige, Visionärinnen, Hebammen sowie Sterbebegleiterinnen in einem. Interessant dabei auch, dass sie oft gemeinsam mit ihrem Partner/Ehemann tätig waren und sind, so verstärken sich die Gaben beider und die männlichen und weiblichen Energien sind ausgeglichen. In manchen Clans waren früher ganze Familien Schamanen. Es wurde vererbt, weitergegeben oder man wurde von den Spirits gerufen - durch Träume, Krankheit oder Nahtoderlebnisse beispielsweise.

Auch heute ist es so, dass in fast allen Seminaren und Workshops, die ich besuche oder gebe, wesentlich mehr Frauen teilnehmen als Männer. Viele meine männlichen Klienten landen bei mir über ihre Frauen, die schon da waren. Frauen sind oft die Vorreiter/die Wegbereiter - und das hat eine ganz wichtige Ausgleichsfunktion. Es liegt ihnen vom Wesen nah, sich für Feinstoffliches zu interessieren. Sie haben den Wunsch nach Harmonie und Ordnung, ihre eigene Geschichte aufzuräumen, zu heilen - und kommend darüber auf den Weg, möchten Erfahrung, Wissen und Heilung weitergeben, angefangen bei der eigenen Familie, den eigenen Männern, steigen tiefer ein, machen Ausbildungen und nicht selten dann auch darüber hinaus eigene Praxen auf.

Es braucht die weiblichen Heilerinnen…
Alle unsere Schulen, Universitäten, Krankenhäuser usw. sind (seit vielen Jahrhunderten gerade in Europa und USA) männlich geprägt, funktionieren nach männlichen Regeln und Gesetzen, entsprechen überhaupt nicht dem weiblichen Prinzip und benachteiligen bis heute auf vielen Gebieten die Frauen nach wie vor. Berufe wie Hebamme, Kindererziehung, Altenpflege werden nicht wertgeschätzt und sogar immer mehr beschnitten. Die Bezahlung - nun ja, wir wissen das alle. Ein sehr kurzsichtiges und wie zu sehen ist, sehr unrundes System. Weil die Balance, die weibliche Heilkraft fehlt.

Schön zu beobachten, dass sich dennoch etwas tut, von innen heraus, von Menschen selbst initiiert. Immer mehr Bewegungen, zu denen sich Frauen zusammenfinden - wie z.B. der Rat der 13 Indigenen Großmütter - das sind 13 Frauen zwischen 60 und 90 Jahren aus verschiedenen Ländern, deren Mission es ist, die Heilung von Mutter Erde und ihren Bewohnern zu unterstützen. Sie reisen durch die ganze Welt, selbst beim Dalai Lama und im Vatikan waren sie schon. Auch in Europa gibt es so einen Rat, mindestens einen, immer mehr Frauen lassen sich inspirieren und gründen solche Zusammenschlüsse, singen, beten , meditieren, machen Schwitzhütten - und bringen altes Wissen zurück in unsere verkopfte Welt.

Im weltlichen Bereich fällt auf, dass freie oder ganzheitliche Schulen, die das kreative, gestalterische, musische Sein fördern (die weiblichen Aspekte), großen Zulauf haben. Ebenso ganzheitliche Kliniken und Praxen. Die Bioläden und veganen Restaurants haben einen enormen Boom, Meditation oder Yoga stehen immer häufiger auf der inneren To-Do-Liste, die Sehnsucht nach "In-Balance-sein" wächst überall, gleichzeitig der Wunsch, Mutter Erde zu schützen, also im Außen für Heilung zu sorgen . Das alles sind zutiefst weibliche Aspekte, die wir - natürlich Männer wie Frauen - in uns tragen. Ich habe mir sagen lassen, dass auch astrologisch gesehen, die Tendenzen für einen Ausgleich der männlichen/weiblichen Kräfte arbeiten.

Ihr Schwestern, Ihr Frauen da draußen, es ist für uns! Es ist unsere Zeit. Mutter Erde braucht uns. Dringend. Also kommt aus Euren Löwinnen-Höhlen und erinnert Euch an Eure weibliche Magie. Seid nicht gegeneinander, seid miteinander. Hört auf, Euch anzustrengen, perfekt sein zu wollen oder wie ein Mann zu sein. Lasst Euch nicht irreführen, lasst Euch nicht kaufen. Nicht das hundertste Paar Schuhe macht schön sondern Eurer Leuchten, Euer Lächeln. Setzt Euch einfach hin und fühlt Euch. Tut nichts, erlaubt es einfach, wir sind Heilerinnen.

Katja Neumann ist Heilpraktikerin und arbeitet seit vielen Jahren mit uralten schamanischen Heilweisen in ihrer Naturheilpraxis im Prenzlauer Berg.

Quellen: Akademie Hagia von Dr. Heide Göttner-Abendroth, der Begründerin der modernen Matriarchatsforschung (www.hagia.de ) + "Die Kunst der Schamanin, Heilen und Wissen als weibliche Tradition" von Barbara Teldock ( http://www.grandmotherscouncil.org/)


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