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Ausgabe April 2017
Entdecke die Selbstliebe in dir! Von Christa Spannbauer

Weshalb Lebenskunst & Selbstliebe zusammengehören

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Bild: © Gajus - Fotolia.com

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Die Selbstliebe hatte es noch nie einfach in unserer Kultur. Von jeher stand sie unter dem Generalverdacht, selbstsüchtig zu sein. Und obwohl namhafte Psychologen wie Erich Fromm ebenso wie spirituelle Lehrer wie der Dalai Lama immer schon darauf hinwiesen, dass die Selbstliebe die Basis der Nächstenliebe bildet, haftet ihr bis heute der Ruch des Egoismus an. Und so befürchten gerade spirituelle und religiöse Menschen häufig, dass die Selbstliebe eine Art privater Kokon sei, der sie von anderen abschließe und selbstbezogen mache. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch genau das Gegenteil: Je warmherziger wir mit uns selbst umgehen, desto verbundener fühlen wir uns mit anderen Menschen. Die Selbstliebe ist somit die Basis der Menschenliebe. Wie wichtig es ist, gut für sich selbst zu sorgen, machte der Kardiologe Dean Ornish anhand der Funktionsweise des Herzens deutlich: "Wie Sie wissen, pumpt das Herz Blut in den Körper. Bevor es das tut, pumpt es allerdings Blut in die Koronararterien, um sich selbst zu versorgen. Es ist eine schöne Metapher: Das Herz kümmert sich erst um sich selbst, um sich danach besser um den Rest des Körpers kümmern zu können."

Mit sich selbst befreunden
Wie aber können wir die Liebe für uns selbst und für andere wieder zum Fließen bringen? Vielen Menschen fällt es auffällig schwer, gut für sich zu sorgen und freundlich und sanft mit sich selbst umzugehen. Dabei wäre unser Leben um so vieles angenehmer, wenn wir sanft und freundlich mit uns selbst umgingen. Wenn wir uns selbst in schweren Zeiten tröstend zur Seite stehen würden, so wie wir es mit unserer besten Freundin oder unserem besten Freund tun. Die wir ganz selbstverständlich in den Arm nehmen, denen wir Mut zusprechen und Mitgefühl entgegenbringen.

Können wir Selbstliebe einüben und erlernen? Die moderne Hirnforschung ebenso wie die Positive Psychologie beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Die Hirnforschung spricht in diesem Zusammenhang von der "Neuroplastizität", also der Formbarkeit des menschlichen Gehirns. Diese macht es möglich, dass wir bis ins hohe Alter negative Verschaltungen mit neuen positiven Erfahrungen überschreiben können, pessimistische Glaubenssätze mit optimistischen ersetzen und kritische innere Stimmen durch liebevolle ersetzen können. Weshalb also nicht gleich heute damit beginnen? Indem wir uns selbst zuvorkommend und mit Wertschätzung behandeln, mit einer freundlichen inneren Stimme mit uns selbst sprechen, uns loben, wenn wir etwas gut gemacht haben, uns trösten, wenn uns ein Missgeschick widerfahren ist und uns aufmunternd zulächeln, wenn wir mal wieder zu streng mit uns selbst waren. Schon ein Augenblick, in dem wir mitfühlend und liebevoll mit uns selbst umgehen, kann unseren ganzen Tag verändern. Und viele solcher Momente können unserem Leben eine ganz neue Richtung geben.

Oasen der Selbstfürsorge
Es gibt viele praktische und wirksame Rituale der Selbstliebe, mit denen Sie Ihren Alltag anreichern können: Tun Sie Dinge, die Ihren Körper entkrampfen und ihn weich werden lassen. Atmen Sie sanft ein und aus und lassen Sie die Anspannung los. Verwöhnen Sie sich mit einem heißen Bad in Rosenöl, einem Sonnenbad, einer Massage. Wärme lässt die Liebe fließen.

Der amerikanische Psychologe Christopher Germer empfiehlt, sich kleine Oasen der Selbstfürsorge im Alltag zu schaffen. Er rät, bewusst Dinge zu tun, die den Körper entspannen, den Geist anregen, die Seele nähren. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf die schönen Dinge dieser Welt. Erfreuen Sie sich mit allen Sinnen an diesen ersten Frühlingstagen. Sammeln Sie Glücksmomente und teilen Sie diese großzügig mit anderen.

Gut für sich selbst zu sorgen, macht unser Leben und das der Menschen um uns herum reich und erfüllt. Es macht unser Leben entspannter, stärkt unser Herz, hilft uns durch Krisenzeiten und bewahrt uns davor, in stressigen Zeiten auszubrennen. Psychologische Studien belegen, dass Menschen, die sich selbst verwöhnen können, über weit mehr Ressourcen und Widerstandskräfte verfügen als Menschen, die sich immer antreiben und an der kurzen Leine halten. Wenn wir gut zu uns selbst sind, dann bringt das die Liebe in uns zum Fließen. Unser Herz öffnet sich, sodass sich die Liebe frei verströmen kann - an uns, die Menschen, die Welt.

Ein Selbstliebe-Ritual: Das Herz mit Selbstliebe wärmen
Diese kleine, doch sehr wirksame Übung können Sie auf Ihrem Meditationskissen durchführen, aber auch jederzeit im Alltag anwenden, wenn Sie spüren, dass Sie etwas Selbstliebe brauchen könnten. Legen Sie beide Hände auf Ihr Herz. Schließen Sie die Augen. Spüren Sie, wie die Wärme Ihrer Hände auf Ihr Herz ausstrahlt. Sagen Sie sich innerlich die folgenden Worte: "Ich liebe mich so, wie ich bin." Bleiben Sie in dieser Übung so lange wie möglich und spüren Sie, wie sich Ihr ganzes Wesen mit sanfter Selbstliebe auflädt.
Diese einfache Geste können Sie jederzeit anwenden. Wann immer Sie aufgeregt oder ängstlich sind, wann immer Sie das Gefühl haben, dass Ihnen etwas Zuneigung guttäte, legen Sie eine oder beide Hände aufs Herz. Diese Geste wirkt beruhigend und stabilisierend. Sagen Sie sich dabei etwas Freundliches: "Alles wird gut. Ich glaube an mich." Behandeln Sie sich selbst so, wie Sie eine gute Freundin behandeln würden: umsichtig und unterstützend. Tragen Sie aktiv zu Ihrem Wohlbefinden bei, indem Sie sich Mut zusprechen, wenn Sie traurig und niedergeschlagen sind.

Die Autorin Christa Spannbauer lebt als Journalistin und Autorin in Berlin. Weitere Infos zur Autorin: www.christa-spannbauer.de


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